Angebliche Entführung

Atomphysiker Amiri wieder im Iran

15. Juli 2010, 11:28

Vorwürfe gegen US-Geheimdienst CIA wiederholt

Teheran - Nach seiner mysteriösen Odyssee ist der iranische Atomphysiker Sharam Amiri am Donnerstag in seiner Heimat angekommen. Amiri hatte die USA am Mittwoch verlassen und war über Katar nach Teheran gereist, wie das iranische Außenministerium erklärte. Für den strahlenden Amiri gab es am Flughafen von Teheran einen großen Empfang - neben Frau, Sohn und Eltern war auch der stellvertretenden Außenminister Hassan Ghashgavi zur Begrüßung des Heimkehrers erschienen. In den Staatsmedien wurden Bilder Amiris mit zum Victory-Zeichen erhobener Hand am Flughafen gezeigt.

In einer kurzen Erklärung warf er erneut dem US-Geheimdienst CIA vor, hinter seiner angeblichen Entführung zu stehen. Der Atomwissenschaftler war monatelang unter mysteriösen Umständen verschwunden gewesen. Amiri war nach Angaben der iranischen Regierung im Juni 2009 während einer Pilgerfahrt in Saudi-Arabien verschleppt und in die USA gebracht worden.

"Körperlich und geistig gefoltert"

 "Amerika wollte, dass ich sage, dass ich aus eigenem Wunsch auf ihre Seite gewechselt bin", sagte der Wissenschafter während einer kurzen Pressekonferenz nach seiner Ankunft. Die USA hätten ihn aber nur benutzen wollen, um falsche Informationen über das iranische Atomprogramm zu veröffentlichen. "Dort wurde ich zwei Monate lang von amerikanischen und israelischen Verhörspezialisten körperlich und geistig gefoltert", sagte Amiri. Er sei gezwungen worden, zu sagen, dass er freiwillig in die USA gekommen sei, um geheime Informationen über das militärische Atomprogramm des Irans zu verraten. "Sie drohten mir, mich ansonsten nach Israel zu überstellen", sagte der iranische Atomwissenschaftler. Sie hätten ihm auch 50 Millionen Dollar (39,4 Mio. Euro) geboten, wenn er in den USA bleibe.

Die Regierung in Washington bestreitet die Vorwürfe. Nach ihren Angaben war Amiri freiwillig in den USA. Er war am Montagabend in der pakistanischen Botschaft in Washington erschienen. Er bat nach einem Bericht des staatlichen iranischen Fernsehens darum, unverzüglich in sein Heimatland gebracht zu werden. Da Washington und Teheran keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, nimmt Pakistan in den USA die Interessen des Irans wahr.

Widersprüchliche Aussagen

US-Medien hatten berichtet, der ehemalige Mitarbeiter der iranischen Atombehörde habe für den CIA gearbeitet und sei übergelaufen. Zu der Verwirrung hatte Amiri später selbst mit widersprüchlichen Aussagen beigetragen. So soll der 32-Jährige in einem Video erklärt haben, er sei von der CIA und saudischen Agenten gekidnappt worden, dann erschien ein Video, in dem er schilderte, dass er in Freiheit in Arizona lebe, und schließlich tauchte ein Video auf, in dem er behauptete, er sei seinen Entführern entkommen. Am Montag war der Iraner dann überraschend in der pakistanischen Botschaft in Washington aufgetaucht. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte am Dienstag gesagt, Amiri sei freiwillig in die USA gekommen. (APA/dpa/apn)

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14 Postings
Prof. Wolf
00
18.7.2010, 23:09
Es gibt m.M. nach 6 Möglichkeiten was basiert sein könnte. Wie es wirklich war werden wahrscheinlich immer nur die CIA und Amiri kennen.

1) Amiri ist übergelaufen
a) hat es sich jetzt aber anders überlegt und seine Anschuldigungen macht er damit kein Zweifel an seiner Loyalität aufkommt.
b) seine Familie wurde von der iranischen Regierung entführt, er beugt sich den Erpressern.
c) er ist jetzt US-Spion, die Entführungsgeschichte ist Teil seiner Tarnung.
2) Amiri wurde entführt, die Entführung wurde
a) mit b) ohne Wissen der US-Regierung durchgeführt a) als der Fall bekannt war man um Schadensbegrenzung bemüht.
b) die CIA hatte der US-Regierung gesagt der Mann sei übergelaufen und diese hat es geglaubt und so sagen in dieser Angelegenheit alle die Wahrheit, außer die wie so oft schweigsame CIA.
3.) Er solle als Spion in die USA was misslang.
Welche Version glaubt Ihr war es?

Der Weise von Zion
10
16.7.2010, 11:10

die familie empfängt ihn
für diese ist er schließlich auch zurückgekehrt
man kennt dieses iranische regime, das sogar kinder zur denunziation seiner eltern anhält
man kann sich vorstellen, wie er vom regime zur rückkehr erpresst wurde
war zur zeiten der sowjetunion auch nicht anders

Zwei Und Vierzig
01
16.7.2010, 18:42
Wenn er wirklich freiwillig übergelaufen wäre, dann würde er eine Rückkehr in den Iran nicht überleben ...

... egal wie groß der Druck oder die Erpressung Seitens der Iranischen Regierung ist.

Slaveverwandler
00
16.7.2010, 04:43

"Wenn ihr Lumpen mich noch lang so weiter foltert, stehe ich auf und geh!"

kurt haenel
 
32
15.7.2010, 12:28

der Iran kann sagen, was er will.
Für mich ist der ann zurück, weil man ihn mit seinem Sohn erpresste.

Im Geiselnehmen und Erpressung waren die Ayatollahs schon immer stark.

Wenn der wirklich entführt worden, wäre, dann hätte er nicht so zurückkehren können, wie es geschildert wurde.

Zwei Und Vierzig
40
15.7.2010, 16:11
... unsere Nahost-, Nuklear-, Politik-, Iran-, USA-, Geheimdienst-, Wissenschafts-, Ökonomie-, Ökologie-, Terror-, Energie-, Relegions- Experten, die im Standard-Forum posten ...

Und all dieses Spezialwissen meist vereint in einer Person.

Der Weise von Zion
10
16.7.2010, 11:14

das ablenken vom erpresserischen charakter dieses regimes, das so wie jede diktatur von der mafia bis zum stalinismus - erpressung durch familie - handelt,
zeigt einmal mehr die deformation der iranischen gesellschaft an
umso bewundernswerter jene grünbewegten, die widerstand leisten, unter solchen bedingungen

Zwei Und Vierzig
10
16.7.2010, 13:11

Wo geht es bei der Aussage "Das einzige was ich höre, ist die kleinkarierte Aussage: "der Iran kann sagen, was er will" um "Widerstand".

Das ist sture Ignoranz...

Toni Gruber
11
15.7.2010, 10:48

" Man hat ihm beim Verhör in den USA durch CIA und Mossad mit einer Überstellung nach Israel gedroht"

Georg Schütt
36
15.7.2010, 10:24
So wenig glaubhaft es ist, dass ein Entführter einfach so wieder in seine Heimat zurückkehren kann (und das Tage vorher ankündigt!),

so unglaubwürdig ist das plötzliche Heimweh des freiwillig in die USA Gekommenen. Als ob der nicht vorher solche Situationen erwartet hätte!

Am überzeugendsten immer noch die Vermutung, die man aus iranischen Exil-Kreisen hört: Danach ging Amiri freiwillig in die USA, wurde aber vom iranischen Geheimdienst erpresst, seine im Iran verbliebenen Familie würde mit Repressalien zu rechnen haben, und nur daher kehrte er zurück.

Dark Angel
 
01
15.7.2010, 13:20

dazu ist die ganze Geschichte mit den Videos viel zu wirr. Klingt wie eine seltsame Posse, die da gespielt wird. Vielleicht von vorne bis hinten ein Plan des iran. Geheimdienstes um die USA zu diffamieren?

MiNeum71
 
02
15.7.2010, 12:02

Es ist leider nicht das erste Mal, daß Mitglieder der Familie als Faustpfand benützt werden.

Stephan Schaefer
 
20
15.7.2010, 09:18

Aus dem Artikel:

--- Er sei gezwungen worden, zu sagen, dass er freiwillig in die USA gekommen sei, um geheime Informationen über das militärische Atomprogramm des Irans zu verraten.

Dies ist der Grund für die später "widersprüchlichen" Aussagen.

Desweiteren:

--- Zu der Verwirrung hatte Amiri später selbst mit widersprüchlichen Aussagen beigetragen.

Auf diesen Satz folgt die Beschreibung mehrerer Videos.
Frage: In welchem Zustand Amiris und wann (besonders wichtig) wurden die Videos gemacht?

Mfg

Toni Gruber
20
15.7.2010, 09:05
Explosiv

Für die Saudi Monarchen muss das zusätzlich äußerst belastend sein, wenn sie jetzt wieder als Entführer von Mekkawallfahrern dastehen, irgendwann muss es die zerreißen.

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