Vorwürfe gegen US-Geheimdienst CIA wiederholt
Teheran - Nach seiner mysteriösen Odyssee ist der
iranische Atomphysiker Sharam Amiri am Donnerstag in seiner Heimat
angekommen. Amiri hatte die USA am Mittwoch verlassen und war über
Katar nach Teheran gereist, wie das iranische Außenministerium
erklärte. Für den strahlenden Amiri gab es am Flughafen von Teheran
einen großen Empfang - neben Frau, Sohn und Eltern war auch der
stellvertretenden Außenminister Hassan Ghashgavi zur Begrüßung des
Heimkehrers erschienen. In den Staatsmedien wurden Bilder Amiris mit
zum Victory-Zeichen erhobener Hand am Flughafen gezeigt.
In einer kurzen Erklärung warf er erneut dem US-Geheimdienst CIA
vor, hinter seiner angeblichen Entführung zu stehen. Der
Atomwissenschaftler war monatelang unter mysteriösen Umständen
verschwunden gewesen. Amiri war nach Angaben der iranischen Regierung
im Juni 2009 während einer Pilgerfahrt in Saudi-Arabien verschleppt
und in die USA gebracht worden.
"Körperlich und geistig gefoltert"
"Amerika wollte, dass ich sage, dass ich aus eigenem Wunsch auf ihre
Seite gewechselt bin", sagte der Wissenschafter während einer kurzen
Pressekonferenz nach seiner Ankunft. Die USA hätten ihn aber nur benutzen
wollen, um falsche Informationen über das iranische Atomprogramm zu
veröffentlichen. "Dort wurde ich zwei Monate lang von amerikanischen und
israelischen Verhörspezialisten körperlich und geistig gefoltert",
sagte Amiri. Er sei gezwungen worden, zu sagen, dass er freiwillig in
die USA gekommen sei, um geheime Informationen über das militärische
Atomprogramm des Irans zu verraten. "Sie drohten mir, mich ansonsten
nach Israel zu überstellen", sagte der iranische Atomwissenschaftler.
Sie hätten ihm auch 50 Millionen Dollar (39,4 Mio. Euro) geboten,
wenn er in den USA bleibe.
Die Regierung in Washington bestreitet die Vorwürfe. Nach ihren
Angaben war Amiri freiwillig in den USA. Er war am Montagabend in der
pakistanischen Botschaft in Washington erschienen. Er bat nach einem
Bericht des staatlichen iranischen Fernsehens darum, unverzüglich in
sein Heimatland gebracht zu werden. Da Washington und Teheran keine
diplomatischen Beziehungen unterhalten, nimmt Pakistan in den USA die
Interessen des Irans wahr.
Widersprüchliche Aussagen
US-Medien hatten berichtet, der ehemalige Mitarbeiter der
iranischen Atombehörde habe für den CIA gearbeitet und sei
übergelaufen. Zu der Verwirrung hatte Amiri später selbst mit
widersprüchlichen Aussagen beigetragen. So soll der 32-Jährige in
einem Video erklärt haben, er sei von der CIA und saudischen Agenten
gekidnappt worden, dann erschien ein Video, in dem er schilderte,
dass er in Freiheit in Arizona lebe, und schließlich tauchte ein
Video auf, in dem er behauptete, er sei seinen Entführern entkommen.
Am Montag war der Iraner dann überraschend in der pakistanischen
Botschaft in Washington aufgetaucht. US-Außenministerin Hillary
Clinton hatte am Dienstag gesagt, Amiri sei freiwillig in die USA
gekommen. (APA/dpa/apn)