Verrat und Seltsames von der Liste Hans-Peter Martin

Thomas Mayer, DER STANDARD, 14. Juli 2010, 23:58
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    foto: reuters/heinz-peter bader

Die nächste Folge der HPM-Show kommt bestimmt

Die EU-Abgeordnete Angelika Werthmann aus Salzburg hat nach einem Jahr in Straßburg also die Konsequenz gezogen und die Liste Hans-Peter Martin verlassen. Sie bleibt - wie schon Karin Resetarits, die sich 2004 nach nur wenigen Wochen mit "HPM" zerkrachte und im EU-Parlament blieb - freie Abgeordnete. Zwischen den beiden Politikerinnen gibt es kaum Ähnlichkeiten. Fast übereinstimmend sind aber ihre Berichte, warum sie es nach erfolgreicher Wahl mit dem von der "Krone" gepushten EU-Aufdecker nicht lange ausgehalten haben.

Dieser sei ein Egomane, der andere nicht zum Zug kommen lasse. Martin predige Wasser und trinke Wein. Er führe mit den abenteuerlichsten Methoden andere Politiker vor, prangere immer nur bei den anderen den Mangel an Transparenz und Demokratie an. Aber wenn es um seine eigene Partei gehe, um Kritik an ihm und seinem Stil, vor allem aber um die geforderte Klarheit, was er mit Millionen an Parteienförderung mache, dann sei er ein Politiker nach Uralt-Methode, der keinerlei Offenheit pflege, Kritik nicht vertrage, sondern mit wilden Gegenattacken auf Kritiker reagiere, völlig abgehoben seine Entscheidungen treffe.

Das alles ist nicht überraschend. Wer den ehemaligen Spiegel-Journalisten seit langem im EU-Parlament beobachtet, für den war ein neuerlicher Crash Martins mit einer (ehemaligen) Mitstreiterin nur allzu logisch. Auf derStandard.at habe ich etwa vor fast genau einem Jahr penibel beschrieben, wie Martin und Ehrenhauser rund um die Konstituierung des neugewählten EU-Parlaments versucht haben, Werthmann zum Verzicht auf ihr Mandat zu "bewegen". Das wurde glatt geleugnet. Wüste Kritik bis an den Rand der Verleumdung waren die Folge.

Martin und Ehrenhauser versuchten in einem langen Gastkommentar im STANDARD zu belegen, dass nichts, aber auch gar nichts, dran sei an "angeblichen" Unstimmigkeiten innerhalb seines Listenbündnisses. Nun sieht man das Ergebnis.

Als ich ihn im Europablog am 17. Dezember 2009 einlud offenzulegen, was mit den Millionen an Parteienförderung geschehen sei, reagierte er wieder mit Gegenangriff. Er postete eifrig mit. Ein Textbeispiel:

"Lieber Thomas (Teil 3), ... und wie Du im vergangenen Sommer meine Mitstreiter kampagnenmässig mit falschen Informationen niedergeschrieben hast: Hätte ich in fast 15 Jahren als "Spiegel"-Redakteur und Korrespondent so gearbeitet, wäre ich sehr schnell gekündigt worden."

Nun gut. Aufklärung über seine Finanzen bzw. die seiner Partei, was mit mehr als 2,3 Millionen Euro aus 2009 geschehen ist, die er für die EU-Wahl kassierte, gab er nicht.

Aber damals schon ist ein eher seltsamer Ton in den Erklärungen Martins selbst wie auch von Ehrenhauser aufgefallen, der eher an Sektenspeak als an eine politische Partei erinnert. Dies findet sich nun wieder in den Erklärungen Ehrenhausers zum Werthmannaustritt. Der Austria-Presse-Agentur sagte er zum "Verrat" Werthmanns: 

"Wir haben seit einiger Zeit feststellen müssen, dass sie sich um 180 Grad zu den Positionen der Liste von Hans-Peter Martin gedreht hat. So hat sie für die Erhöhung der Sekretariatszulage gestimmt und somit für die Anhebung der eigenen Zulage". Und, empört sich Ehrenhauser im Gespräch mit der APA, "sie hat von Beginn an den Ehrenkodex der Liste HPM nicht unterschrieben, wo es viele Verzichte gibt".

Außerdem sei bekannt, dass die Liste HPM immer scharf gegen Rechtsaußen aufgetreten sei. Werthmann habe aber "provokant" manchmal trotzdem mit FPÖ-Abgeordneten gesprochen. Ehrenhauser sprach von einem "menschlichen Desaster".

Und Ehrenhauser empört sich auch über das Verhalten von Werthmann gegenüber Hans-Peter Martin. So habe "Martin bis zur Selbstaufgabe versucht", Werthmann zurückzuholen. Im Rahmen dieser Versuche und den Gesprächen habe er einen "Nervenzusammenbruch" erlitten. Auf die Frage, ob Werthmann Schuld am Nervenzusammenbruch von Martin sei, sagte Ehrenhauser dezidiert: "Genau". Werthmann habe auch "Vereinbarungen gebrochen" und Martin "nie die Möglichkeit gegeben, Arzttermine wahrzunehmen, sich auszurasten und durchzuschnaufen".

Eine Abgeordnete, die ihren Parteichef daran hindert zum Arzt zu gehen? Seltsam. Das Ganze erinnert an Herbst vergangenen Jahres, als Martin kryptische Ankündigungen machte, warum er weniger in Erscheinung trete: Er habe einen Hörsturz erlitten, ließ er wissen, was ihn aber offenbar nicht daran hinderte, in Brüssel bei Abendempfängen aufzutreten oder in Österreich bei TV-Debatten.

Was ist also los in der Liste HPM? Nicht ganz leicht darzustellen. Werthmann ist weg, der verbliebene Ehrenhauser, sein ehemaliger Assistent und treuer Schildknappe, der einzige verbliebene EU-Mandatar neben Martin selbst. Beide nehmen eifrig an Parlamentssitzungen teil. Öffentlich treten sie in Brüssel oder Straßburg praktisch nie auf, Pressekonferenzen geben sie keine mehr, vorgeblich, weil österreichische Korrespondenten sie angeblich so schlecht behandeln. Aber die nächste Folge der HPM-Show kommt bestimmt.

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Posting 1 bis 25 von 53
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compagno generale
 
04
27.8.2010, 23:37

man merkts,jetzt wirds den Zeitungschreiberlingen wieder langweilig und sie brauchen ein Opfer.Statt über den HPM sollten sie mal wieder über die impertinenten EUAbzocker,von ganz oben nach unten schreiben,über die € Milliarden die jährlich auf wundersame Weise verschwinden,über die EU-Politmafia und ihre dubiosen Machenschaften.Oder interresiert unsere Medienmacher das alles gar nicht mehr,wird nur mehr geschrieben was den Großen gefällt?

Friedrich von Schaffenhausen
01
27.8.2010, 19:41

Seltsam, dieser Artikel ist vom 14. Juli 2010, einenhalb Monate und hat noch immer das größte Foto auf der "Europäische Union Seite". Die Aktualität der EU Berichterstattung ist eine Qual. Was hat Herr Mayer eigentlich den ganzen Sommer, seit 6 Wochen gemacht?

A_Schläsinger_vu_Brassel
00
21.8.2010, 18:49

Gott sei Dank kor ich nie seine Liste - deren Halbwertszeit ist ja noch geringer als die der Wiener Grünen.

der lobbyist
00
10.8.2010, 10:51
ich bleib bei meiner these: das ohrensauen und brausen hat hpm wohl eher aufgrund des verfahrens, das in luxemburg anhängig ist (rechtssache T-276/07)

... da scheint es langsam ernst damit zu werden, dass er ein paar hundertausend euro ungerechtfertigt kassiert hat und sich bisher strikt weigert, das geld wieder herauszurücken.

so viel zu jemanden, der sich an recht und ordnung hält...

pepitant
01
19.8.2010, 19:52
Irgendwas

muss er aber wohl richtig gemacht haben, bei so vielen Feinden :-)

Leo Laokoon
01
langsam zweifle ich an ihm

warum läßt er sich auch immer wieder ein mit so komischen weibern!

Gehirnamputierter Volldillo
44
24.7.2010, 15:20
Was ist aus der Resetarits geworden?

Nix. Eine Absahnerin, von der nichts mehr zu hören war. Ruhige Kugel und Schweinegeld.
Was wird aus der Werthmann werden? Dreimal dürfen sie raten.

Robert M. Sabitzer
42
24.7.2010, 08:39
Verrat und Seltsames

was genau passiert ist und welche Fragen an Fr. Werthmann - bis jetzt von ihr unbeantwortet - gestellt wurden kann man hier nachlesen:

http://www.ots.at/presseaus... -widerlegt

und weitere interessante Überlegungen findet man hier:

http://www.ots.at/presseaus... alratswahl

Die Headline stimmt: Verrat und Seltsames.....

die_eidechse
 
11
nun, der link besagt wohl gar nichts.

ähnlich könnte man auch einen artikel von irving verlinken und sagen: der verwirrte depp hat recht.

skip it
13
16.7.2010, 12:40
GAR NIX wurde bisher geprueft!

Experte: „Wo sind Martins Förder-Millionen?“
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Parteienförderungsexperte Hubert Sickinger sieht das anders: „Wenn Martin den Wahlkampf zur EU-Wahl im Vorjahr laut eigenen Angaben mit 500.000 Euro finanziert hat, aber 2,3 Millionen Euro an Förderungen kassierte, fragt man sich schon: ,Wo ist das restliche Geld?‘“ Zwar müsse Martin dem Finanzamt bis zum Herbst einen Rechenschaftsbericht vorlegen und auch die Wahlkampfkosten-Rückerstattung überprüfen lassen, aber da gebe es Schlupflöcher, übt Sickinger allgemeine Kritik am Parteienförderungsgesetz. Und: „Andere Parteien stecken Förderüberschüsse in den Apparat, aber Martin hat ja keinen."

quelle: www.oe24.at

Gehirnamputierter Volldillo
01
25.7.2010, 16:30
Ihr Schmäh hat inzwischen einen ellenlangen Bart

Lassen' s uns doch ihre alten Postings lesen, (unterstes Kastel anklicken), damit wir ihre Schmähtandeleien, bin ÖVP'ler aber bei Wahlen immer SPÖ Wahlkämpfer plastisch sehen können.

Igor Gassner
57
15.7.2010, 17:24
Also ich gebs offen zu dass ich ihn bei den Europawahlen gewählt habe

Martin ist der Hecht im Karpfenteich und das ganze Insidergeschwätz ist deshalb nicht so wichtig weil er seine Aufgabe als Hecht bisher immer erfüllt hat.

Roman Santos
02
21.7.2010, 11:26
Ich will Ihre Meinung unterstützen

Skip It - ich bin mir nicht sicher ob er für sich selbst oder für einen politischen Gegner von HP Martin schreibt - verfolgt HPM hier ja seit Jahren mit Hass und ausfälligen Bemerkungen. Was die Abrechnung der Wahlkampfkosten betrifft: die wurden bis jetzt immer korrekt abgerechnet (sonst hätte man schon einen Aufschrei der HPM Gegner vernommen) und die Abrechnung für 2009 wird erst im Herbst 2010 vorgelegt. Und zwar von allen Parteien erst zu diesem Zeitpunkt. Was Skip It und einige Andere also behaupten ist ebenso zu werten wie Berichte über Zusammentreffen mit Ausserirdischen.

Der Ätzer
04
18.7.2010, 12:29
Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Betroffen sind die Abzocker.

Was Haider von der Nationalbank von sich gab und seine berühmten Taferln aufstellte, wäre Grund gewesen, diese Herrschaften wegen Vorteilsnahme vor Gericht zu stellen.

Jetzt, nach vielen Jahren der Verschwendung kommen diese Dinge ins rollen. Wir sind ein reicher Staat, von den Fleißigen gemacht, nicht von Abzockern.

skip it
30
16.7.2010, 10:53
na, was hat er denn so wirklich "erfuellt"?...

...beispiele?

Warentester
25
17.7.2010, 15:16

Er nervt die Bonzen und Volksverr... die es sich in Brüssel bequem gemacht haben, bis auf's Blut, besonders die österreichischen die anscheinend schon seine bloße Existrenz als Beleidigung ansehen. Damit würde ich sagen, er erfüllt seine Aufgabe IMO sehr gut. Ich habe ihn zwar nicht gewählt, weil ich mit ihm nix anfangen kann und der selbstdarstellerische Egomane mir nicht sympathisch ist. Aber andeerseits ist er genau so jemand, den man seinen Feinden wünscht, indopfern tut's mir nicht Leid, das er erneut den Brüsselbonzen den Nerv ziehen kann.

skip it
14
18.7.2010, 19:05
wo tut er das?...

...das ist, was er den krone-blaetterern erzaehlt.

Mathias
 
11
21.7.2010, 16:09
Sehen Sie sich mal an, wie er zu wichtigen Themen im Parlament abstimmt!

Dagegen sehen manche SPÖ-Abgeordnete ziemlich alt und "verräterisch" aus ... von ÖVP und FPÖ erst gar nicht zu reden!

( http://www.meinparlament.at/ )

The_new_number_2
12
27.7.2010, 14:11

Großartig! Einträge zu Hans-Peter Martin:

Fragen und Antworten: 14(!)
Anträge: keine
Politische Ziele: nicht vorhanden

Karl Joda
53
16.7.2010, 06:31
als Hecht bisher immer erfüllt hat.

??? Hecht ? Martin ist, sagen wir mal so, höchstens
ein wenig Verhaltensauffällig.. ;-) So ein Typ gehört nicht in ein Parlament.
Ohne den damals offenbar schon leicht senilen, hundestreichelnden Zeitungsmacher, wäre Martin niemals ins EU Parlament gewählt worden. Der "Sonderling" (höflich ausgedrückt) ist offenbar nicht Teamfähig....

Roman Santos
02
21.7.2010, 11:29
sollte auch relativiert werden

denn die höchsten Ergebnisse hatte HP Martin in Tirol, Vorarlberg und im Burgenland - alles Bundesländer in denen die KRONE keine marktbeherrschende Stellung hat. Der Erfolg war also auch deshalb möglich, da die ÖsterreicherInnen einen Aufpasser im EU Parlament möchten. Und diese Rolle hat er bis jetzt tadellos und erfolgreich erfüllt.

Karlgaard
13
15.7.2010, 17:02
Widersprüchlich

Na was jetzt: Findet man ihn ständig auf "Abendveranstaltungen"statt im Parlament oder tritt er vielleicht doch "öffentlich fast nie auf" und nimmt dafür "eifrig an Parlamentssitzungen teil?

Roman Santos
02
21.7.2010, 11:31
gar nicht so widersprüchlich

gesundheitlich geht es ihm nicht gut, deshalb findet man ihn halt nicht auf Partys und anderen Abendveranstaltungen. Er konzentriert sich auf die Parlamentsarbeit. Ist mir persönlich auch lieber als umgekehrt.

santiago nasar
03
15.7.2010, 14:35
ja der herr martin,

ein bisschen kenn ich ihn ja, beruflich, nicht politisch, ein ungustl ist der schon, aber sie zwei haben auch irgendwas auszufechten?

tramezzino
20
15.7.2010, 13:18
also in punkto finanzgebaren

keine unterschiede zu fpö und bzö.

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