Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun nicht nur wegen Untreue gegen KHG, sondern auch wegen Falschaussage
Langsam geht was weiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun nicht nur wegen Untreue gegen Karl-Heinz Grasser, sondern auch wegen Falschaussage vor Gericht. Alles im Zusammenhang mit der Buwog-Privatisierung, konkret mit Grassers angeblichem oder tatsächlichem Einfluss bei der Auswahl des Brokerhauses, das den Verkauf begleiten (und - Unschuldsvermutung! - sachte in die "richtige" Richtung leiten sollte).
Grundlage des neuen Verdachts ist nun nicht mehr die Aussage eines Ex-Mitarbeiters von Grasser im Finanzministerium, sondern ein Telefonat mit dem Vorsitzenden der Bewertungskommission in der Privatisierung. "Supersauber", "Supertransparent" sei alles abgelaufen, sagt Grasser. Was er halt immer so sagt. Nun sind es schon zwei Leute an ehemaligen Schlüsselpositionen, die was anderes sagen.
Die Taktik der Staatsanwaltschaft, den ehemals "besten Finanzminister" aller Zeiten langsam von allen Seiten einzukreisen, ehe sie schwere Verfolgungsschritte (Hausdurchsuchung, konfrontative Einvernahme etc.) setzt, mag von der Scheu diktiert sein, den ehemaligen Superstar und Beinahe-ÖVP-Spitzenkandidaten (nach dem Willen Schüssels) ohne dreifache Absicherung auf den Pelz zu rücken. Justizministerin Bandion-Ortner hängt völlig von einer VP ab, die Grasser nicht gern als den größten Scharlatan seit langem bloßgestellt sehen möchte. Aber es geht was weiter. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2010)