Trotz Uno-Sanktionen gegen Teheran neue Allianz im Öl- und Gasbereich mit Moskau
Moskau/Teheran - Russische und iranische Politiker haben am Mittwoch ungeachtet der Sanktionen gegen den Mullah-Staat ein Abkommen zur engeren Zusammenarbeit im Energiesektor unterzeichnet. Konkret streben die beiden Länder die Gründung einer gemeinsamen Bank zur Finanzierung bilateraler Energieprojekte an. Zudem soll die Kooperation beim Gas-Transit, Marketing und bei Swap-Geschäften verstärkt werden. Auch beim Verkauf von Ölprodukten und Petrochemikalien wollen Russland und der Iran künftig enger zusammenarbeiten.
Besonders unbeliebt macht sich Russland damit bei der EU und den USA, die die Verschärfung der UN-Sanktionen angetrieben haben. Die EU hat zudem ein Verbot für Investitionen in die iranische Gas- und Ölindustrie verhängt. In den Vereinigten Staaten wurden Ende Juni unter anderem Einschränkungen gegen iranische Energiekonzerne beschlossen.
Russland hat Sanktionen von Beginn an abgelehnt, beugte sich dann aber doch dem Druck des Westens und konnte im Gegenzug eine Aufweichung einzelner Maßnahmen erreichen.
Der Iran will mit dem Vertrag offensichtlich die durch die Sanktionen ausgelösten wirtschaftlichen Einbußen wettmachen. Große Konzerne wie Daimler oder BP haben ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Iran weitestgehend eingestellt. Auch die OMV verfolgt die vereinbarte Gasexploration derzeit nicht weiter. Beim Benzin-Import ist die Republik zunehmend von der befreundeten Türkei und China abhängig.
Auch die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihrem aktuellen Monatsbericht auf Folgen der Restriktionen auf die iranische Energiebranche hingewiesen. Am stärksten treffe es demnach Projekte zur Flüssiggasförderung. Ohne Russlands Hilfe würde der Iran 2011 laut IEA-Schätzungen nur mehr 3,79 Millionen Barrels Erdöl am Tag abbauen. Das wären 120.000 Barrels am Tag weniger als 2010. Die Erdgasförderung würde es mit einem Minus von 200.000 Barrels am Tag sogar noch härter treffen. (avy, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2010)