Nordsee

EU fordert Stopp für Tiefseebohrungen

14. Juli 2010, 18:04
  • Artikelbild
    foto: apa/virginie lefour

    Günther Oettinger will alle großen Ölfirmen dazu bringen ihre Sicherheitsmaßnahmen und Notfallpläne an die weltweit höchsten Standards anpassen

  • Artikelbild
    vergrößern 439x500
    grafik:apa
  • Artikelbild
    foto: ap/heribert proepper

    Die Ölplattform vor Friedrichskoog in der Nordsee

Öl-Experte fordert Internationalisierung und Vereinheitlichung der Sicherheitsstandards wie im internationalen Schiffsverkehr

EU-Energiekommissar Günther Oettinger rief am Mittwoch die Mitgliedstaaten dazu auf, vorerst keine neuen Genehmigungen für Ölbohrungen unter extremen Bedingungen zu erteilen. Details nannte er noch nicht

***

Brüssel / New Orleans / Wien - Die EU-Kommission fordert angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einen Stopp für Tiefseebohrungen in der Nordsee. Energiekommissar Günther Oettinger rief die Mitgliedstaaten dazu auf, für europäische Gewässer neue Bohrungen unter extremen Bedingungen vorerst nicht mehr zu genehmigen. Das sagte Oettingers Sprecherin am Mittwoch in Brüssel. Dort traf der Kommissar am Nachmittag Vertreter der Ölbranche.

"Extreme Bedingungen"

Darauf, was er unter „extremen Bedingungen" verstehe, ließ sich Oettinger zunächst nicht festnageln. „Ich glaube, derzeit kann niemand sich auf eine genaue Meerestiefe festlegen", sagte Oettinger am Vormittag im deutschen rbb-Inforadio. „Dazu kommt, dass der Druck nicht nur von der Meerestiefe abhängt, sondern auch von anderen Faktoren. Da helfen Schnellschüsse wenig." Umweltschützer fordern dagegen ein Verbot für alle Bohrungen unterhalb von 200 Metern Tiefe.

Genehmigung noch Aufgabe der Mitgliedstaaten

Derzeit ist die Kontrolle und die Genehmigung von Plattformen und Ölbohrungen Aufgabe der Mitgliedstaaten. Die Forderung muss deshalb aber kein frommer Wunsch bleiben. Die EU hat in Bezug auf den Gewässerschutz sehr wohl Eingriffsmöglichkeiten in den Mitgliedsländern. Werner Schröder, Leiter des Instituts für Europarecht und Völkerrecht an der Universität Innsbruck, erklärte dem Standard, man müsse etwaige Verordnungen „mit dem Schutz der Gewässer begründen, das wäre naheliegend. Dann hat die EU schon Kompetenzen."

Neue Sicherheitsvorkehrungen

Bei den Gesprächen Oettingers mit den Vertretern der Ölbranche im Gebäude der EU-Kommission sollte es vor allem um neue Sicherheitsvorkehrungen gehen. Die bestehenden reichen der EU-Kommission nicht aus. „Wir brauchen ein System der Prüfung der Prüfer", hatte Oettinger in der vergangenen Woche bei der Präsentation seines Fünf-Punkte-Plans im Europaparlament gesagt. Zur besseren Sicherheit sollte die EU die nationalen Behörden zusätzlich kontrollieren und mehr Aufsicht ausüben.

Nach den EU-Plänen sollen alle großen Ölfirmen ihre Sicherheitsmaßnahmen und Notfallpläne an die weltweit höchsten Standards anpassen. Bei Unfällen soll das Verursacherprinzip gelten, sodass die Konzerne für die Kosten aufkommen müssen. Im Herbst könnte die Kommission konkrete Gesetzesvorschläge ausarbeiten, die 2011 vorliegen würden.

Ölkonzerne bohren in der Nordsee und im Nordatlantik

Nach Kommissionsangaben stehen in der Nordsee rund 400 Ölförderanlagen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass große Ölkonzerne in der Nordsee und im Nordatlantik in der Tiefsee bohren, „ohne für den Notfall technisch oder finanziell ausreichend abgesichert zu sein".

Jörg Feddern, Öl-Experte bei Greenpeace, fordert für Offshore-Bohrungen eine Internationalisierung und Vereinheitlichung der Sicherheitsstandards, etwa wie im internationalen Schiffsverkehr.

BP verschob Tests

Im Golf von Mexiko wurden die wichtigen Tests mit einer neuen Kappe auf dem Bohrloch der Unglücks-Ölquelle im Golf von Mexiko indes verschoben. Es sei entschieden worden, dass dem Verfahren noch einige Analysen vorausgehen sollten, sagte der Krisenmanager der US-Küstenwache, Thad Allen, am Dienstag. BP hatte zuvor einen Aufsatz in einer Tiefe von etwa 1,6 Kilometern angebracht. Die Tests, ob der neue Plan zum Stopp des Ölaustritts funktioniert hat, hätten noch am Dienstag beginnen sollen. (dpa, Reuters, spri, DER STANDARD Printausgabe 15.7.2010)

Kommentar posten
14 Postings
ExBeamter
00
28.7.2010, 12:28
Total Plemplem!!!!

unbequem
00
20.7.2010, 11:48
diese Forderung wird Norwegen kalt lassen!

Internationale Gewässer ...da wirds die EU schwer haben...!!!

Philbert Desanex
 
00
18.7.2010, 07:16
Wo

gibt es in der Nordsee "Tiefsee"??

DM2006
00
19.7.2010, 08:15

Nirgendwo, aber was stoert einen EU Kommissar die Meerestopographie....

In GB gibt es Bohrungen in Wassertiefen von ca 1000m, aber die sind im Nordatlantik (zwischen Schettland und den Faroer Inseln) und nicht in der Nordsee....

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
00
16.7.2010, 15:28

Es geht nicht um ein langfristiges Verbot sondern darum sie kurzfristig auszusetzen um die Standards bei Sicherheitsvorkehrungen zu heben.

DownTheLine
00
15.7.2010, 14:24

Kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass ein Verbot für Tiefseebohrungen langfristig durchgesetzt wird.

Das einzige was man wohl erreichen kann (und muss), ist dass zuerst sämtliche anderen Quellen (ausser Sand) ausgeschöpft werden.

Vielleicht sind wir bis dann wenigstens technisch in der Lage solche Tiefsee-Lecks innerhalb vernünftiger Zeit zu schliessen.

ExBeamter
00
15.7.2010, 13:16
Na aber Hallo, ein furz vo nunseren EU Sesselpubsern.

Heir sieht man wieder was sich in Brüssel tut.

Entropix
01
15.7.2010, 09:49
typisches

Polit-bla-bla: Weil das Thema in den Medien ist, müssen wir halt auch unseren Senf dazu geben, egal ob es sinnvoll, notwendig, logisch ist ;-)

081547112
10
15.7.2010, 00:07
oettinger

der kann ja nicht mal englisch, der braucht ja für alle gespräche dolmetscher

http://www.youtube.com/watch?v=A2p6acT2UBc

den kann ja keiner ernst nehmen

unglaublich und peinlich

naihoit
00
15.7.2010, 08:51
Kurzfassung: Englisch ist keine Sprache, sondern eine Sprachgruppe

die Erklärung werden Sie, weil umfangreichere Postings zumeist lange dauern, später lesen.

naihoit
00
15.7.2010, 08:49
Ja und ???

Darf nur mehr eine Meinung haben, der/die das auch in Anglizistischer Sprache (für Sie und alle anderen einfachen Gemüter: "Englisch" = Wurscht, ob Eton, Oxford oder den gewöhnungsbedürftigen Slang der US-Südstaaten) formulieren kann ???

081547112
00
15.7.2010, 09:19
englisch

natürlich kann und darf er wie alle menschen aus verschiedenen sprachgruppen, wie sie es so schön formuliert haben, eine meinung haben. es geht auch nicht grundsätzlich darum in welcher varietät formuliert wird. ich habe viele viele jahre im ausland verbracht und mir sind unter anderem bei den verschiedensten veranstaltungen menschen aus wirtschaft und politik begegnet die nicht mal eine nudelsuppe bestellen konnten, weil ganz einfach der wortschatz fehlte, und das sollte wirklich nicht sein. und falls sie sich nicht zu den einfachen gemütern zählen, denke ich, wissen sie genau was ich mit dem posting ausdrücken wollte.
wünsche einen angenehmen tag

Wolfgang Lederbauer1
21
14.7.2010, 21:58
Keine neuen Genehmigungen für Ölbohrungen unter extremen Bedingungen. Da helfen Schnellschüsse wenig. Sicherheitsmaßnahmen und Notfallpläne an die weltweit höchsten Standards anpassen.

Es ist zu hoffen, dass derm aktuelle Versuch von BP erfolgreich sein wird.

Unser Konzept vom 1.5.2010 , also ca zehn Tage nach der Explosion, hatte das Ziel, den "gesamten Bohrlochbereich" abzudichten.

Unser Konzept vom 1.5.2010, haben wir an BP, an die Adminstration Obama ua gesandt.

Allerdings wären bei einer positven Entscheidung einige Wochen vergangen, bis diese Lösung hätte eingesetzt werden können.

Richtig ist, dass es für Ölbohrungen in der Tiefsee internationale Mindeststandards geben wird müssen. Hiefür wären Lösungen zu entwicklen.

http://so-for-humanity.com2000.at SFH-2206, SFH-2311, SFH-2353, SFH-2430.

basilikum wurzel
11
14.7.2010, 19:52
ich fordere stopp

für nasenbohrungen.
sorry - es ist echt heiß hier...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.