Die SP versucht, für jede Zielgruppe eine eigene Online-Plattform zu kreieren
Wien - Wenn Sie in nächster Zeit in der U-Bahn ein Telefongespräch folgenden Inhalts mithören, dann könnte das Teil einer politischen Kampagne sein: "Findest du nicht auch, dass der Häupl ein echt guter Bürgermeister ist? Viel besser als der Strache." "Mundfunk" nennt sich diese Werbung, erfunden vom "Team für Wien", einer Plattform für SP-nahe Wiener, die mithelfen wollen, Michael Häupl erneut auf den Bürgermeistersessel zu hieven.
Herzstück der sogenannten Mission 2010 ist eine Website, auf der es noch weitere Tipps für den Zwischendurch-Wahlkampf gibt. Wer zehn Minuten Zeit hat, könnte Häupl lobend in einem Internetforum erwähnen, wird etwa vorgeschlagen, ein Screenshot von derStandard.at mit einem möglichen Posting findet sich praktischerweise anbei. Wer mehr als zehn Minuten aufwenden will, kann zu einem "Team Talk" mit einem SP-Stadtrat kommen oder eines der Seminare besuchen, die kostenlos oder gegen kleine Beiträge angeboten werden.
In Planung, aber noch nicht online: Ein "Redbook", das - analog zu Facebook - SP-Sympathisanten (geografisch) vernetzen soll, etwa um spontane Verteilaktionen koordinieren zu können. Nicht ganz zufällig erinnert das an den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, wo sich Obama-Anhänger auf my.barackobama.com zusammenschließen konnten.
Fast zwei Jahre nach Obamas Online-Erfolg spielt das Internet in einem SP-Wahlkampf eine entscheidende Rolle. "Seit Mai präsentieren wir fast alle 14 Tage eine neue Plattform", sagt Landesparteisekretär Christian Deutsch. So können auf stimmenfuerhaeupl.at Video-Sympathiebekundungen für den Bürgermeister abgegeben werden.
Adam Green für Häupl
Neben den üblichen Verdächtigen aus dem SP-Universum erzählt dort etwa der amerikanische Sänger Adam Green: "I like the Leopold Museum." Ob der weiß, in welchem Kontext sein Statement, aufgenommen beim Donauinselfest, nun im Internet steht, ist freilich zu bezweifeln.
Die "längste Liebeserklärung der Welt" soll auf ilovevie.at entstehen. Dort erzählt etwa "Profil"-Herausgeber Christian Rainer, dass er Wien liebt, "weil es keine Stadt gibt, in der die Frauen so lustvoll mit Männern flirten wie hier". Parteilogo findet sich auf der Website keines, dafür aber vom Bezirksblatt, das wiederum Echo-Medienhaus gehört, an dem die SPÖ beteiligt ist.
Ganz neu im Netz ist die Toleranz-Kampagne "Viele Gesichter", die den Wienern verdeutlichen soll, was Menschen mit Migrationshintergrund zum Zusammenleben in der Stadt beitragen, etwa in der Gastronomie oder im Sport. Junge Leute soll die Plattform "Ich bin Wien" ansprechen, die vor allem mit Musik und Veranstaltungen auf sich aufmerksam macht. Gemeinsam ist allen Websites die Vernetzung mit Facebook, Youtube, Twitter und Co.
Trotz der zahlreichen Online-Aktivitäten will Landesparteisekretär Deutsch die Offline-Kampfzone nicht den anderen Parteien überlassen. Plakate, Inserate, City-Lights, TV- und Kinospots werde es geben, stellt er für den Intensivwahlkampf im Herbst in Aussicht. Der beginnt am 4. September in der Stadthalle - passend zum Datum der Wahl am 10. Oktober um genau 10.10 Uhr. Was sich die Partei das kosten lässt, dazu gibt es keine Angaben. Deutsch: "Wir haben jedenfalls keine Materialschlacht vor." (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2010)