Die US-amerikanische Legende John Fogerty erfreute in der Arena in Wien die Herzen der Fans mit schnörkellosem Rock
Wien - Dienstag, 20.30 Uhr, am ausverkauften Areal der Arena in Wien-Erdberg hatte es eindeutig Plusgrade. Vor den schmalen Toren warteten noch Hundertscharen geduldig auf den Ticketabriss, drinnen übte man sich derweil schon fleißig im Einklatschen. John Fogerty, Baujahr 1945 und einst Frontmann der uramerikanischen Rockband Creedence Clearwater Revival, hatte sich angekündigt, und die Stimmung vor Ort konnte besser kaum sein. Sogar die Licht- und Bühnentechniker alberten fröhlich herum, während Alt und Jung auf den Beginn der Show warteten.
Um 20.45 Uhr der Start, Fogerty und seine sechsköpfige Band stürzen in Hey Tonight, einen Song, so subtil - aber auch nützlich - wie ein Holzscheit, dargeboten mit vierfacher Gitarrenunterstützung. Das machte Druck und Stimmung, ließ aber auch leise zweifeln. Zu schwach kam Fogertys Gesang ans Ohr geweht. Haben da die einst so kräftigen Lungen nicht mehr die Kraft, um gegen die selbstgemauerte Gitarrenwand anzukämpfen? Doch falscher Alarm, als zweites wurde der nächste CCR-Hadern, Who'll Stop The Rain, nachgeschoben, diesmal passte auch der Sound.
Was folgte war ein unterhaltsames Konzert, das genug von dem bot, was man hören wollte: all die Klassiker. Bei Born On The Bayou wurde mitgeschunkelt, bei The Midnight Special mitgeklatscht, bei Have You Ever Seen The Rain? mitgesungen. Wenn Fogerty, der zuletzt mit The Blue Ridge Rangers Rides Again ein Album voller Coverversionen veröffentlicht hatte, auf Material zurückgriff, das nicht auf einer Greatest-Hits-Scheibe von Creedence auftauchte, machte das aber auch nicht viel. Zu solide ist das Werk des Kaliforniers, der an diesem Abend auch dem immer wieder bereits für tot erklärten Gitarrensolo einen Sinn geben konnte.
Showman ist Fogerty zwar keiner, und auf optischen Aufputz wurde ebenso verzichtet wie auf die bei den Veteranen so beliebten Erzählungen der Marke "Wie ich meine erste Gitarre bekam" oder "Wie ich neulich mit Bruce Springsteen im Studio saß", dafür ließ er einfach seine erdigen Songs sprechen.
Und da bei Liedern wie Bad Moon Rising nur die herzlosesten Menschen unerfreut bleiben, war das auch gut so. Dazwischen wurden noch die Pretty Woman und der Summertime Blues eingeschoben, bei der Zugabe gezeigt, wem Rockin' All Over The World und Proud Mary wirklich gehören.
Eigentlich hätte es über Stunden so weitergehen könnte, um Punkt 22.30 Uhr war dennoch Schluss. Das begeisterte Klatschen der Fanfamilie hallte freilich noch länger nach. (Dorian Waller/ DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2010)