Gerade männliche Jugendliche hätten oft sehr unrealistische Erwartungen an die Sexualität
Wien - Einen "alarmierenden Mangel an Aufklärung in Sachen Sexualität, AIDS und Geschlechtskrankheiten" orten die Urologen in den Gesundheitszentren der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) speziell bei Burschen. "Was Studien darlegen, bestätigt sich auch in der Praxis: Gerade männliche Jugendliche haben oft erschreckend unrealistische Erwartungen an die Sexualität und kennen sich mit ihrem eigenen Körper wenig aus", sagt Alexander Dürer vom Gesundheitszentrum Wien-Mariahilf.
Anlässlich des heute startenden Jugend-Schwerpunktes im Rahmen der Welt-Aids-Konferenz in Wien, wollen die Experten der WGKK genau dieses Thema aufgreifen. Denn ungeschützter Geschlechtsverkehr ist nach wie vor mit Abstand die häufigste Übertragungsform für HIV/AIDS.
Verhütung Frauensache
Unter dem Motto "Von Mann zu Mann" bieten die WGKK-Urologen jungen Burschen Beratung und Behandlung an. Dürer: "Mädchen erfahren spätestens dann gynäkologische Betreuung, wenn sie die Pille wollen. Dieser ärztliche Kontakt fehlt bei Burschen, weil sie die Verhütungsfrage meist erfolgreich auf ihre Partnerinnen abschieben - dem wollen wir gegensteuern."
Hohe Erwartungen an den eigenen Körper
Dass sich Jugendliche in ihrer Sexualität heute vielfach an Werbung und Pornografie orientieren, führt oft auch zu seelischen Belastungen, bestätigt Elisabeth Marko, Jugendpsychotherapeutin im WGKK-Gesundheitszentrum Mariahilf: "Es herrscht ein enormer Erwartungsdruck an den eigenen Körper und an den der Partnerin. Als Messlatte gelten oft die perfekten Körper aus der Werbung und eine scheinbar unbegrenzte sexuelle Leistungsfähigkeit, wie sie Pornofilme suggerieren. Das erzeugt Unsicherheit und den Druck, über die eigenen Grenzen zu gehen." Um auch diesen Problemen jugendgerecht zu begegnen, stehen die WGKK-Experten in ständigem Austausch. (red)