Uno-Studie: Umweltschäden der Unternehmen zahlt Allgemeinheit

13. Juli 2010, 19:30
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    grafik: der standard

Was ausgerottete Arten und abgeholzte Wälder kosten: 1,7 Billionen Euro pro Jahr kosten laut Uno die Umweltschäden

Die Fischer in Louisiana dürfen ihre Netze nicht auswerfen, und wenn sie es doch täten, wären sie so wie die Strände voller Öl. In den Restaurantküchen fehlt der Fisch, an den Tischen und in den Hotelzimmern die Gäste. Was die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko kosten wird, weiß noch niemand.

Sicher ist: Es wird nur ein Bruchteil dessen sein, was Konzerne jedes Jahr an Umweltschäden anrichten: Rund 1,7 Billionen Euro Schaden, etwa viermal so viel wie Österreichs Wirtschaftsleistung, verursachen die 3000 größten Unternehmen der Welt pro Jahr. Das ist ein erstes Ergebnis einer Studie im Auftrag der Uno.

Beunruhigend finden diese Entwicklung vor allem Firmenchefs in Afrika und Südamerika: Etwa die Hälfte meint, weniger Biodiversität - also Artenreichtum und -vielfalt - würde das Wirtschaftswachstum gefährden. In Europa und Nordamerika sehen nicht einmal 20 Prozent der CEOs das als Bedrohung, geht aus der Studie The economics of ecosystems and biodiversity der Uno hervor.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie abnehmende Biodiversität und zerstörte Ökosysteme Geld kosten können: Wenn ein Wurm ausstirbt, in dessen Genen ein Heilmittel für Alzheimer enthalten war; wenn Wälder abgeholzt werden, die verhindern, dass Boden erodiert; oder wenn Flüsse begradigt werden, deren Au vor Überschwemmungen geschützt haben.

Derzeit sterben nach Uno-Schätzungen täglich etwa 130 Arten aus, damit geht das Artensterben 100-mal schneller voran, als die Evolution das vorgibt. Außerdem wird täglich eine Fläche Urwald gerodet, die eineinhalb Mal so groß ist wie die Schweiz.

"Wie Unternehmen mit diesen Risiken umgehen, wird immer mehr entscheiden, ob sie profitabel wirtschaften", sagte Achim Steiner, Chef der UN-Umweltorganisation UNEP bei der Präsentation. Firmen sollten genau prüfen und ausweisen, wie schädlich ihr Verhalten oder ein bestimmtes Produkt für die Umwelt ist oder welche Folgekosten sie verursachen, meinen die Studienautoren. Die US-Handelskette Wallmart oder das Minenunternehmen Rio Tinto nennen sie als positive Beispiele.

Für Unternehmen würde es sich lohnen, umweltfreundlich zu wirtschaften: Einerseits werde es für Kunden immer wichtiger, ob Produkte umweltschonend produziert werden. Andererseits biete die Rücksichtnahme auf Artenvielfalt und Ökosysteme auch neue Geschäftsmodelle wie nachhaltig produzierte Lebensmittel, Ökotourismus oder Wiederaufforstungsprogramme.

Ökosystemen fehlt der Preis

Weil die Nutzung von Ökosystemen keinen Marktwert habe, würden viele Unternehmen derzeit keine Rücksicht auf sie nehmen, meint Steiner. "Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und der Steuerzahler", sagt er zur Süddeutschen Zeitung. Durch Abgaben und Steuern solle Ökosystemnutzung einen Preis bekommen.

Das führt aber auch zu Problemen: "Der Ansatz über Steuern ist nicht immer sinnvoll, etwa bei Feinstaub, wo es mehrere diffuse Verursacher gibt", sagt Umweltökonomin Angela Köppl vom Wifo. "Die Frage ist: Gibt es eine eindeutige Kausalität zwischen Ursache und Schaden, wie etwa bei fossilen Brennstoffen?"

"Wenn Firmen ein erhöhtes Risiko von Umweltschäden eingehen, sollten sie dafür zahlen", meint hingegen Franz Prettenthaler, Umweltökonom am Joanneum Graz. "Gefragt sind die Versicherungen, sie müssen die Prämien anpassen, dass sich umweltfreundliches Verhalten lohnt."

Zwar gibt es internationale Abkommen, die festlegen, dass Unternehmen für Schäden aufkommen müssen - "nur sind die Strafen meist viel zu niedrig gedeckelt", sagt Fritz Krois vom Umweltbundesamt. In Österreich regelt das das Bundesumwelthaftungsgesetz: "Es stehen aber so viele Ausnahmen darin, dass es wahrscheinlich nur wenige Anwendungsfälle gibt." Außerdem sind darin nur Schäden für Gewässer, den Boden und geschützte Gebiete geregelt - Biodiversitätsschutz ist Ländersache. (Tobias Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 14. Juli 2010)

Studie "The economics of ecosystems and biodiversity" online: www.teebweb.org

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 45
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1116er
00
23.7.2010, 16:10
"Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und der Steuerzahler"

und nur in ganz geringem maß (wenn er zu obiger gruppe dazugehört) zahlt der verursacher.

der verursacher ist übrigens nicht das unternehmen/der multinationale konzern. die leisten nur die operative drecksarbeit.
der verursacher ist uns allen wohlbekannt, sitzt in unserer mitte und nennt sich..... konsument.

Einbahnfahrer
00
Sie haben es auf den Punkt gebracht.

altbürgermeister
00
14.7.2010, 14:25
"Außerdem wird täglich eine Fläche Urwald gerodet, die eineinhalb Mal so groß ist wie die Schweiz."?

Täglich 62.000 km²? Jährlich 22.630.000 km²? Also jährlich 5 Mill. km² mehr als der gesamte südamerikanische Kontinent Landfläche besitzt oder mehr als das doppelte der Landfläche Europas? Interessant wie viel Wald auf Erden wächst....

Whateverman
01
14.7.2010, 13:46
blödsinn

Außerdem wird täglich eine Fläche Urwald gerodet, die eineinhalb Mal so groß ist wie die Schweiz.....

die schweiz hat 40.000km² wären 60.000 am tag und im jahr 22 mio km², wobei es aber nur 17 millionen km² regenwald auf der erde gibt!

Patrick Star3
12
14.7.2010, 13:23
Stop eating animals...

wers nicht versteht soll sich mal die Biobilaz von Fleisch anschaun......allen die Produktion von Futtermittel...

Mim103
00
16.7.2010, 10:37
Zuzüglich immenser Trinkwasserverbrauch bei Schlachtung

und enorme Abwasserbelastung durch große Mengen Antibiotika

Mathias
 
00
14.7.2010, 12:53
Umdenken, jetzt erst recht!

Ökosoziale Marktwirtschaft mit nachhaltiger Produktion und schonendem Umgang von Mensch und Natur statt Aktionärs-Mehrergebnis-wüterei auf Kosten von Mensch und Natur!!

Umweltschutz sollte mit härteren Strafen belegt werden!

Entropix
00
14.7.2010, 12:04
Umweltschäden

zahlt immer "die Allgemeinheit" , entweder direkt über Steuern und Abgaben oder indirekt über die Preise.

styliann
00
14.7.2010, 11:30

wenn die uno das feststellt, dann soll sie doch eine unoresolution verabschieden. Verstöße werden dann einfach vom internationalen gerichtshof geahndet und nicht von den ländern ... sollte kein problem sein ...

Marquis
00
14.7.2010, 11:20
Auch Konsumenten tragen Mitschuld

Solange es eine Nachfrage nach Billiglebensmittel, Billigprodukte oder Billigreisen gibt, werden Unternehmen ihre Anbote und Produktionsweisen daran anpassen.

Die ökonomische Logik kann nur durchbrochen werden, wenn Staaten beginnen Ökosteuern einzuheben und Firmen für Verschmutzung etc. haften lassen. Aber das ist ja bekanntlich wirtschaftschädlich.

styliann
00
14.7.2010, 14:14

Als wäre die Herstellungskosten auch nur annähernd relevant für den Verkaufspreis ... in 80% der Fälle würde eine 200% erhöhung des Herstellungspreises den Verkaufspreis um weniger als 5% erhöhen, würde ich schätzen.

wackelkandidat
00
14.7.2010, 13:47

Bin ich froh, dass ich keine Billigprodukte notwendig habe. Ich fliege immer nur Business, trage Prada und Versace und lasse mir ausschließlich hochqualitative Lebensmittel servieren.

hans hase
05
14.7.2010, 10:35
Schulzeit

Vor 20 Jahren stellte mein Bioprofessor die Frage in den Raum, warum denn die Wale vom Ausstreben bedroht sind.
Die Antwort war: Sie gehören niemandem.
Wenn wir nicht rechtzeitig erkennen, das wir Teil der Natur sind und uns mit der Ausbeutung/Zerstörung letztlich uns selbst schaden werden wir viel Leid erfahren. Also: Verantwortung übernehmen!

Sternchen100
01
14.7.2010, 10:30

Die Unternehmen sollten die realen Kosten für die Produktion übernehmen, und dazu gehört auch der Umweltschutz. Sonst ist das alles verfälschter Wettbewerb. Für Dumpinglöhne (und daraus Sozialbeihilfen zum Überleben!) und für vernichtete Umwelt, dafür soll der Steuerzahler aufkommen, damit Unternehmen die Profite für ihre Aktionäre maximieren können???? Schweinerei!

Wie neoliberale WTO zwingt ja alle Mitgliedsstaaten, störende Sozialgesetzgebung, Umweltschutz, Forderungen nach fairen Arbeitsbedingungen und Schutz der einheimischen Produktionen als Wettbewerbsbehinderung und Behinderung des Freihandels abzuschaffen. Für Geld gehen neoliberale Profitgeier eben über Leichen.

m m 10
02
14.7.2010, 10:23
die vergrößerung...

...von bildern, tabellen etc. zu den artikeln wurde schon besser - aber hier ist wieder einmal ein echtes negativbeispiel.
keine vergrößerug bei grauer schrift auf gelbem hintergrund nicht nur bei einer auflösung von 1680x1050 kann man da nichts mehr lesen... :-((

her wig
23
14.7.2010, 09:06
Der gemeine rational-egoistische Profitmaximierer

kann eben nicht anders als seinen Profit zu maximieren. Sonst würde er nämlich entlassen und durch einen anderen ersetzt.

Es liegt also nicht an den bösen Managern, sondern man muss einfach diese Umweltkosten in die Profitmaximierungsberechnung einfliessen lassen. Externe Kosten internalisieren. So wie mit den CO2-Zertifikaten, zum Beispiel, oder durch Steuern.

Das ist Aufgabe der Politik - die es allerdings im internationalen Wettbewerb der Staaten schwer hat sich auf sowas einigen zu können.

monoton
00
14.7.2010, 10:45

huhuhu die armen armen manager! schon wieder das gleiche gesudere, das diese armen armen menschen ja wg ihrer hohen verantwortung so unglaublich viel geld bekommen müssen, aber sobald es irgendeine verantwortung gibt wird sie schnell weitergeschoben.

jämmerlichers weinerliches managerpack

her wig
10
14.7.2010, 13:22

Kein Gesudere, und mir tun die auch nicht leid. Aber man muss erkennen dass man von denen nichts besseres erwarten kann, weil die unter Zugzwang stehen - folglich müssen die Regeln von aussen gesetzt und kontrolliert werden.

So wie beim Fussballspiel, wenn's um etwas geht kann man auch nicht von den Spielern verlangen dass sie sich selber kontrollieren, oder, können tut man schon aber es wird nicht gut funktionieren. Auch da braucht man einen Schiedsrichter der ausserhalb der Konkurrenz steht.

worry1
04
14.7.2010, 10:23
Profit zu maximieren. Sonst würde er nämlich entlassen

Die gleichen/ähnlicheh Argumente hatten auch die Typen, die seinerzeit beim Nürnberger Prozess angeklagt wurden.

her wig
00
14.7.2010, 19:59
Rationaler Egoismus, ohne Moral.

Das ist heutzutage auch wieder modern. Ist doch noch garnicht so lange her dass auch in dieser Zeitung eine Podiumsrunde wichtiger Leute gemeint hat dass es dazu keine Alternative gäbe...

Chrischarn
05
14.7.2010, 09:02
Und für das braucht es eine Studie?

Das ist doch offensichtlich und nicht auf Umweltschäden beschränkt. Ein weiteres Thema sind z.B. die Infrastrukturkosten.
Ziel des kapitalistischen Systems ist halt NICHT das Allgemeinwohl und die Vorteile, die einzelne aus dem System ziehen, müssen ja irgendwo herkommen. Gewinne privatisieren und Verluste/Kosten sozialisieren - das ist weder gerecht, noch nachhaltig.

soccer mom
02
14.7.2010, 08:41
na da bleibt nur eines

bei sich selbst anfangen und auf qualität im konsum und verbrauch zu achten.
die verantwortung beginnt bei uns selbst.
auf veränderung durch irgendwen anders (die politiker und überhaupt) zu warten bzw. verantwortung für respektvollen umgang mit umwelt und ressourcen zu delegieren ist bequem und blauäugig.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
00
14.7.2010, 07:44
Was noch fehlt:

Schuld daran ist die als Marionettentheater am Gängelband der Wirtschaft agierende Politik, die es nicht wagt, aufzumucken, und durch kräftiges Mitschneiden über Steuern ruhiggestellt wird (siehe z.B. Energie).

mukuli
01
14.7.2010, 00:11
na echt?

externe kosten werden nicht verrechnet?????

wo gibts den sowas?

iohui
29
13.7.2010, 22:05
die summe ist viel zu niedrig angesetzt und die betrachtung der umweltschäden ist zu eng angesetzt.

dazu kommt noch der enorme schaden an der gesellschaft durch die zunehmende globalisierung, die zunehmende qualitätsminderung einschliesslich daraus folgender kurzlebigkeit. schier unglaubliche verschwendung von ressourcen wohin man schaut.

früher oder später wird sich die politik endlich entschliessen müssen, wenigstens den überhandnehmenden transport hoch zu besteuern, und auch an einfuhrzöllen führt kein weg vorbei.
es darf nicht mehr zulässig sein, dass ein produkt, das mehrere 1000 km weg zurückgelegt hat, weniger kostet als eines das in der region seiner entstehung bleibt. die differenz zahlen die steuerzahler und sogar die nichtsteuerzahler, und manche sogar mit ihrer gesundheit oder mit ihrer zukunft.

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