Paris - Nach der aufsehenerregenden Selbstmordserie bei France
Telecom hat Unternehmenschef Stephane Richard erstmals einen der Tode als
Arbeitsunfall anerkannt. Ein 51-Jähriger hatte sich im Sommer 2009 in seiner
Wohnung in Marseille umgebracht. In seinem Abschiedsbrief nannte er die
Arbeitsbedingungen bei France Telecom als Grund für den Suizid.
Mit der Entscheidung, den Selbstmord als Arbeitsunfall anzuerkennen,
widersprach der seit dem Frühjahr amtierende Richard der Einschätzung der
Aufsichtsbehörde IGAS und einer internen Untersuchungskommission. Beiden
werteten den Tod nicht als arbeitsbedingt. Von Bedeutung ist die Entscheidung
vor allem für die Angehörigen. Sie können nun eine Hinterbliebenenrente
erwarten.
Bei dem Telekomriesen mit der Hauptmarke Orange haben sich in den vergangenen
zweieinhalb Jahren nach Gewerkschaftsangaben knapp 60 Beschäftigte das Leben
genommen. Ein Anfang des Jahres veröffentlichter Untersuchungsbericht erhob
schwere Vorwürfe gegen die mittlerweile abgelöste Konzernspitze. Darin ist unter
anderem von Mobbing die Rede. Auf Warnungen von Gewerkschaften, Betriebsärzten
und Krankenkassen sei völlig unzureichend reagiert worden. (APA)