Neue Hoffnung in Ortstafelfrage

13. Juli 2010, 18:49
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    foto: apa/eggenberger

    Seit vier Jahren einsatzbereit: Damals noch als Verkehrslandesrat hat Gerhard Dörfler die korrekten Ortstafeln bestellt.

Das Land Kärnten hat das jüngste Urteil des Verfassungsgerichtshofs umgesetzt - Rats-Obmann Inzko erwartet baldige Lösung

Klagenfurt - "Das ist ein erster Schritt, aber ein ganz bedeutender. Es ist, als würde eine neue Furche in der Kärntner Volksgruppenpolitik gezogen." Der neue Obmann des Rates der Kärntner Slowenen und Hohe Repräsentant der EU in Bosnien, Valentin Inzko, zeigte sich am Dienstag höchst erfreut über die neuen korrekten zweisprachigen Ortstafeln für die Südkärntner Orte und Gemeinden Bleiburg/Pliberk, Ebersdorf / Drvesa vas und Schwabegg/Zvabek.

"Ein ganz anderer Dörfler"

Die drei Ortsschilder waren Dienstagfrüh von Mitarbeitern der Straßenmeisterei anstelle der vom damaligen Landeshauptmann Jörg Haider aufgestellten rechtswidrigen Ortsschilder mit den kleinen dazugeschraubten slowenischen Zusatztäfelchen aufgestellt worden - ohne viel Lärm und ohne mediales Tamtam.

Auftraggeber war der Kärntner Landeshauptmann und Straßenbaureferent Gerhard Dörfler (FPK), der darauf beharrt, dass der Verfassungsgerichtshof (VfGH) zwar eine Fehlentscheidung getroffen habe, diese aber umgesetzt werden müsse, so wie ein Fehlpfiff eines Schiedsrichters auch als Tatsachenentscheidung gelte.

Für Inzko kam das nicht ganz überraschend: "Wir haben uns vergangene Woche in Sarajevo getroffen und dort ein grundsätzliches Einvernehmen bezüglich der Herstellung eines rechtskonformen Zustands in den betroffenen Orten erzielt." Dörfler sei ganz offen in diese Aussprache gegangen. "Ich habe einen ganz anderen Dörfler kennengelernt" , sagt Inzko im Gespräch mit dem Standard. Nun herrsche "große Freude und Euphorie" in der slowenischen Volksgruppe, sagt Inzko. Er hofft nun, dass es bald auch zu einer generellen Lösung der Kärntner Ortstafelfrage kommen werde.

Inzko sieht hinter den Kulissen bereits "viel Bewegung" . So wird in den nächsten Tagen SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer in Kärnten erwartet, um das politische Terrain zu sondieren. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) hofft auf eine Lösung bis 2012 unter der Einbindung Kärntens.

Von der Kärntner SPÖ mit ihrem dem linken SP-Flügel zugeordneten Chef Peter Kaiser ist kaum Widerstand gegen ein neues Volksgruppengesetz und eine neue Ortstafelverordnung zu erwarten.

Der Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz hat ebenfalls deutlich gemacht, dass für ihn der seinerzeitige beschlussreife Ortstafelvorschlag unter der schwarz-blauen Bundesregierung von Wolfgang Schüssel und Jörg Haider ein nach wie vor gangbarer Weg sei.

Inzko selbst wird kommenden Freitag mit Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) zusammentreffen, um über eine politische Lösung der Ortstafelfrage zu reden. Eine solche war bisher vom Rat der Kärntner Slowenen, der eine strikte Umsetzung forderte, stets als "Verrat" zurückgewiesen worden

Druck auf Kärnten

Der Druck auf Kärnten, den jahrzehntelangen Kleinkrieg um weitere zweisprachige Ortstafeln zu beenden, war in den letzten Tagen massiv gestiegen. Das Höchstgericht veröffentlichte ein Erkenntnis, wonach auch das in die große Ortstafel von Bleiburg hineinmontierte kleine slowenische Zusatztäfelchen mit Pliberk verfassungswidrig sei. Der Volksgruppe stehe eineslowenische Bezeichnung in derselben Größe und Form wie der deutsche Ortsname zu, so der VfGH-Spruch.

Zuvor hatten Haider und sein damaliger Straßenbaureferent Dörfler die Ortstafel von Bleiburg kurzerhand verrückt und später kleine, unter der Ortstafel angebrachte slowenischen Zusatztäfelchen montiert, um die Erkenntnisse des VfGH auszuhebeln.

Zuletzt hatte dann noch Bundespräsident HeinzFischer vehement eine baldige Lösung der Ortstafelfrage eingemahnt.

Von der FPK zurückgepfiffen

Dass die Ortstafel-Austausch-Aktion fast als geheime Kommando-Sache umgesetzt wurde, dürfte auch daran liegen, dass Dörfler offenbar jede Diskussion darüber innerhalb der FPK vermeiden wollte. Vor allem aber mit Parteichef Uwe Scheuch, der mit seinem Bruder Kurt als Scharfmacher in der Ortstafelfrage gilt.

So war Dörfler vorige Woche mit seinem Vorschlag, in zweisprachigen Gemeinden Bürgerbefragungen über neue Ortstafeln durchzuführen, sofort zurückgepfiffen worden. Damit hatte Dörfler nämlich die offizielle freiheitliche Parteilinie unterlaufen. Denn für die FPK bleibt nach wie vor eine (allerdings menschenrechtswidrige) Minderheitenfeststellung zwingend aufrecht.

Kritik kommt von den Grünen. Für Parteichefin Eva Glawischnig ist neben der Kärntner Landespolitik auch die Bundesregierung säumig. Faymann müsse endlich eine verfassungskonforme Ortstafelverordnung vorzulegen. Das BZÖ ortet Rechtsbruch durch Dörfler. Kärnten sei von ihm "in einer Nacht und Nebelaktion verraten und verkauft worden" . (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2010)

Kommentar posten
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Jauntaler
02
17.7.2010, 09:36
Hier ersieht man aus einigen Beiträgen, warum dieses Thema so lange verschleppt werden konnte

Es sind Menschen, die sich mit einem zweisprachigen Kärnten nicht abfinden können, alles sichtbareSlowenische ablehnen; seien es Aufschriften, Radiosendungen, Zeitschriften oder sogar Predigten. Diese "deutschbewussten" Poster haben es bisher verhindert, dass der Artikel 7 des StV von 1955 erfüllt wurde. Ein Telsieg ist ihnen freilich gelungen: Die slowenische Sprachgruppe ist in Kärnten inzwischen stark geschrumpft. Hätte man gleich 1955, als eine Parteifarbe nicht vorhanden war, zweisprachige Aufschriften angebracht, wäre heute ganz Südkärnten zweisprachig beschildert. "In Gebieten mit slowenischer oder gemischtsprachiger Bevölkerung".

Welche Tricks und Ausreden man benützt hat, dass dem nicht so ist, kann man unten nachlesen ...

derhundvonsinope
10
14.7.2010, 21:44
heute kärnten - morgen wien

Endlich ist in dieser leidigen Angelegenheit zumindest ein kleiner Schritt getan worden. Ich hoffe jetzt geht es aber ein bisschen rascher weiter als bisher. Dringend notwendig wäre die schon lange überfällige Repräsentation der türkischen Minderheit im Rahmen der Wiener Ortstafeln. Die mit absoluter Mehrheit ausgestattete SPÖ könnte das ohne Probleme noch vor der Wahl angehen. Und wenn man wirklich mit Engagement an die Sache herangeht, gestaltet man nicht nur die Ortstafeln in Wien deutsch-türkisch, sondern in einigen Bezirken, wo TürkInnen eindeutig das öffentliche Bild mitprägen auch die Strassennamen zweisprachig.

msm
40
14.7.2010, 23:59
???? warum Türken zuerst....

...Ganz durch den Rost fallen anscheinend Aber-tausende, wenn nicht Hunderttausende Menschen aus Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Serbien, Kroatien etc. Nicht nur Migranten, im Laufe von Hunderten Jahren aus der gesamten Monarchie zugewandert. Verstehe, für 2% der Kärntner Bevölkerung kann man leichter Schulen, Kultur, etc.
finanzieren. Für Hunderttausende hingegen, Schulen,
Kindergärten, mehrsprachige GERICHTE UND BEHÖRDEN, ist das wohl nicht machbar. Zudem sind diese Menschen ja zufrieden, haben nicht mehrheitlich für den Anschluß an den SHS Staat, oder an sonstige Nachbarstaaten votiert, wie die im Süden Lebenden Kärntner Sl......

DEFENSOR
03
14.7.2010, 15:01
Der Valentin Inzko

war sehr gut war gestern in der ZiB2, und hat sich nicht von Herrn Wolfs höhnischen Sticheleien provozieren hat lassen und hat sehr konstruktiv argumentiert!

Isleia Gruabn
10
14.7.2010, 16:24

was war denn höhnisch am wolf? der wolf hatte fragen, der inzko die antworten. das nennt man suverän parrierten unabhängen journalismus.

passt schon.

hier zum anschaun:
http://tvthek.orf.at/programs/... 1937-ZIB-2

Tethys
02
14.7.2010, 12:43

Da ich das Problem mit den zweisprachigen Ortstafeln bis heute nicht verstanden habe, ein Bitte an all jene, die ein Problem mit eben diesen haben.

Erklären Sie es mir als wäre ich drei Jahre alt: Wo ist das konkrete Problem, wenn es zweisprachige Ortstafeln gibt?

Und als Zusatzfrage: wo ist das Problem ein Gesetz einzuhalten?

divis
 
22
14.7.2010, 13:12
ad Zusatzfrage: Das Problem ist, dass es kein (gültiges) Gesetz gibt.

Denn dasjenige Gesetz, das derzeit existiert (Volksgruppengesetz) wurde vom Verfassungsgerichtshof teilweise (betreffend der 25%-Klausel) als verfassungswidrig eingestuft. Er geht dabei von einer 10%-Grenze aus, aber die ist rechtlich nirgends festgeschrieben.

Es läge an der Politik, sprich der Bundesregierung und dem Parlament, ein neues, verfassungskonformes Gesetz zu erlassen. Solange das nicht geschieht, kann sich die Kärntner Politik immer auf einen Justamentstandpunkt zurückfallen lassen, denn bis dahin gibt es nur die Einzelentscheidungen des VfGH, die zwar bezüglich Bleiberg/Pliberk, Ebersdorf/Drveša vas und Schwabegg/Žvabek seit dieser Woche erfüllt sind, aber keine generelle wasserdichte Lösung bringen.

altbürgermeister
01
14.7.2010, 12:26
Nützen wir die Chance...

... und stellen wir rasch die fehlenden Ortstafeln auf, solang die Kärntner sich ausschließlich mit der Hitze beschäftigen.

MUNGO1
10
14.7.2010, 11:58
Ich hab nix gegen zweisprachige Tafeln...

...dann kann ich mich nämlich beim Urlaubmachen nicht irren und fälschlicherweise dort landen wo ich ganz sicher nicht hin wollte;-)

Knochenmann
17
14.7.2010, 11:09
Und das beste daran:

Der Falke hat einen Gehirnschlag erlitten.

Wenn irgnedwann mal der Tag kommt und Ortstafeln kein Thema mehr sind, an dem Tag zünde ich in der Kirche eine Kerze an. Ach was, drei Kerzen!

Michael Jack Dundee
 
01
14.7.2010, 15:06
Geniesen Sie die Ruhe vor diesem Menschen!

Ich geniese es ja auch.

Elio Ambrosi
 
00
14.7.2010, 13:15
Wahrscheinlich

wird es an diesem Tag keine Kirche mehr geben, sondern nur ein Kirchenschaumuseum.

Jedenfalls wird es ein guter Tag sein.

Seria
153
14.7.2010, 11:04

und demnächst Ortstafeln wie Assling, Hart, Veldes, Laibach, Krainburg, Marburg, Cilli, Flitsch, u.v.m. im Nachbarland

flohimpelz
12
14.7.2010, 11:52
Dummheit hat einen Namen.....

THX !

msm
40
15.7.2010, 00:02
Ja, hat sie...

...besonders aus der Sicht des Pelzes

galiontariaho
06
14.7.2010, 11:46
weil?

sie wissen schon, dass es dort leider keine deutsche volksgruppe in entsprechender zahl gibt, oder?

msm
50
15.7.2010, 00:06
Weil?

Sollte ja auch Ihnen bekannt sein. Im SHS Staat, in Ex-YU gab es eine spezielle Form, Minderheiten- Probleme zu lösen. Schon nach 1918, nicht erst nach 1945

Mike Freeman
03
15.7.2010, 15:23

Willkommen im Neandertal, willkommen, willkommen!
Willkommen in Neandertal! Wo ich Dir eine auf die Rübe knall!

Willkommen im Neandertal, willkommen, willkommen!
Willkommen in Neandertal! Es sei denn, Du bist in der Überzahl!

msm
30
15.7.2010, 23:48
Ja willkommen,

Was passierte denn in Ländern, in denen Slawen die Mehrheit hatten?
Neandertaler sind auch unsere Vorfahren, was genetisch ja bewiesen wurde.
Ihr Post hingegen beweist auch etwas, grenzenlose
.......
Aber zum Glück verursacht diese Krankheit keine Schmerzen

FaIscherProphet
00
16.7.2010, 16:05
Der Neandertaler ist nicht Vorfahre des Homo Sapiens

Schliessens nicht von ihnen auf andere.

Geschichte: 5 Setzen!
Naturgeschichte: 5 Setzen!

msm
30
16.7.2010, 20:47
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans....

Svante Pääbo, vom Max Planck Institut, publizierte im US- Science folgenden Vergleich:
60% des Genoms der Neandertaler verglich er mit dem heutigen Menschen.
Dabei stellte er fest, daß bis zu 4 % der DNA (ausgenommen in Afrika) vom Neandertaler abstammen.
Besser, als groß das Mundwerk zu wetzen, wäre es gewesen, nach abgeschlossener Pflichtschule weiter zu lernen. Aber solche Paradebeispiele engstirniger Betrachtensweise finden sich leider immer häufiger

flohimpelz
00
27.7.2010, 14:46
Hehe, hast Du schon mitbekommen, dass wir

ganz vorne bei der Jahreszahl einen 2er stehen haben??

msm
00
28.7.2010, 01:09
Dummheit, wie man sieht...

...richtet sich nicht nach der Jahreszahl

flohimpelz
02
15.7.2010, 10:53
Und du Kasperl nimmst dir das als Vorbild,

behalt dein braunes Rotz für dich, oder auf gut wienerisch: geh an Grias annageln!

msm
40
15.7.2010, 23:59
Rotz, gar wienerisch -Braun- wie Strache?

oder wie Karl Merkatz im Bockerer, besser verständlich wäre wohl Qualtingers: Herr Karl
Ratschlag zum Bockerer, Hirn gibt es nicht nur beim Fleischhauer. Ihrer Ausdrucksweise nach, haben Sie dies aber noch nicht begriffen

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