Wechsel

Russe wird neuer Chef der UN-Drogenbehörde in Wien

13. Juli 2010, 17:11

Bisheriger London-Botschafter leitet UNODC

Wien - Juri Fedotow hat sich schon häufiger zur Verbrechensbekämpfung geäußert, zum Beispiel als Botschafter in London: Großbritannien habe sich in ein "Naturschutzgebiet" verwandelt, "wo sich Straftäter ruhig vor der Justiz verstecken können", schimpfte der Russe noch im vergangenen Jahr mit Blick auf einige Landsleute im Londoner Exil, nach denen Moskau fahndete. Jetzt muss er umdenken: Als neuer Chef des UN-Büros für Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC) vertritt er künftig nicht mehr die Interessen seines Landes, sondern die aller Mitgliedstaaten.

Gleichzeitig übernimmt der Russe auch die Leitung des Uno-Amtssitzes in Wien. Als Unter-Generalsekretär ist er damit der höchste UN-Beamte in Wien und berichtet direkt an Generalsekretär Ban Ki-moon.

Wann genau Fedotow das Amt antritt, ist noch offen. Sein Vorgänger Antonio Maria Costa soll die Organisation Anfang August verlassen, hieß es von UN-Seite. Der nicht unumstrittene Italiener, dem Vertreter von Mitgliedstaaten vorgeworfen hatten, sie bei wichtigen Beschlüssen übergangen zu haben, stand seit 2002 an der Spitze des UNODC und des UN-Büros in Wien.

Diplomaten in Wien reagierten auf die Ernennung von Fedotow mit einem Schulterzucken: Man kenne ihn nicht, so der überwiegende Tenor. UN-Chef Ban lobte Fedotow als genau den richtigen Mann für den Kampf gegen das Drogengeschäft und die Kriminalität.

Fedotow ist ein Karrierediplomat, der 1971 in den Dienst eintrat. Als Botschafter in London stand er im Zuge der Affäre um den vergifteten Ex-Spion Alexander Litwinenko in der Kritik, davor war er unter anderem Vize-Außenminister und Vize-Missionschef bei den Vereinten Nationen in New York.

Mit dem Wechsel an der Spitze des UNODC endet auch das, was Diplomaten den "italienischen Erbhof" nannten: Nicht nur Costa war ein Italiener, sondern auch sein Vorgänger Pino Arlacchi, der nach Vorwürfen schweren Missmanagements 2001 aus dem Amt schied. (raa/DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2010)

Gilgamesch
00
14.7.2010, 12:39

so lange cannabis gleichwertig mit heroin und co. bekämpft wird, ist diese behörde politisch gelenkt ... - sie müsste cannabis zur legalität verhelfen. erst dann wäre sie glaubhaft.

witchdoctor
00
13.7.2010, 19:52
Italienischer Erbhof

Schon irgendwie interessant, dass gerade das Drug and Crime Ressort der UNO von den Italienern als Cosa nostra behandelt wird ;-)

opti
00
13.7.2010, 20:11
na ja

und jetzt geht es von der causa nostra zu zu mütterchen russland ....

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