Chinesische Beschwerde über Anti-Gewalt-Skulptur – Uno montiert Bilder ab
Wien - Eine Friedensskulptur sorgt im Vienna International Centre für Ärger. Teile einer Installation, die laut den kanadischen Künstlern Sandra Bromley und Wallis Kendal an das gewaltsamste Jahrhundert der Geschichte erinnern soll, sind abmontiert worden, nachdem die Volksrepublik China Protest eingelegt hat. "Das ist ein Akt der Zensur!", sagte Bromley dem Standard. "Wir sind schockiert, dass so etwas passiert ist." Ein Sprecher der Uno in Wien wies die Vorwürfe zurück.
Konkret geht es um eine 2,5 Meter hohe Konstruktion aus über 7000 ausrangierten Waffen, die seit Anfang Juni in der Rotunda der Uno-City steht. Neben der Waffenskulptur waren über hundert Bilder von Gewaltopfern aus der ganzen Welt ausgestellt worden, die nun entfernt worden sind. Darunter waren auch Fotos von zwei tibetische Nonnen. Die dazugehörigen Hinweise: "eingesperrt und im Gefängnis geschlagen" und "eingesperrt als Teenager wegen gewaltlosen politischen Glaubens" .
Dagegen richtete sich offenbar Chinas Protest. Die Volksrepublik hat Tibet 1951 besetzt und betrachtet es als Teil seines Staatsgebiets; die tibetische Führung lebt seit Jahrzehnten im Exil.
Eine Vertreterin der chinesischen UN-Delegation in Wien bestätigte auf Anfrage zunächst, dass sich die Vertretung bei den UN über die Skulptur beschwert habe - wegen einer "nicht angemessenen Erwähnung der Opfer" . Für Weiteres müsse sie Rücksprache mit ihren Vorgesetzten halten. Dann hieß es: "Wir geben dazu keinerlei Informationen."
Die Bilder seien abmontiert worden, weil es sich um eine zeitlich befristete Installation handele, sagte Alun Jones, Sprecher des Uno-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Die Uno habe das Projekt sehr unterstützt. Ein Beobachter aus dem Umfeld der UN-Organisationen in Wien sprach dagegen von einem "Einknicken der Uno gegenüber mächtigen Mitgliedsstaaten" .
Bromley erklärte, die Bilder seien Bestandteil des Kunstwerks und nicht von der Skulptur zu trennen. Vereinbart worden sei eine Projektdauer bis Anfang August. In einem Brief der Künstler an den Chef des UNODC und des UN-Büros Wien (Unov), Antonio Maria Costa, heißt es: "Es ist ironisch, dass eine Institution, die sich dem Schutz der Menschenrechte widmet, so rasch die künstlerische Freiheit opfert, das Recht zu ‚sprechen‘ zum Andenken an all jene, die sich nicht gegen Missbrauch verteidigen können."
Die Installation war im Jahr 2001 im Uno-Hauptsitz in New York ausgestellt worden. Damals, so Bromley, habe es keine Beschwerden von Staaten gegeben. (Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2010)