Kritik und Lob nach GVO-Entscheidung

13. Juli 2010, 16:59

Das nationale Gentechnik-Anbauverbot sorgt für geteilte Meinungen

Wien - Kritik an den Vorschlägen der EU-Kommission für nationale Gentech-Anbauverbote kam von den Grünen und Umweltschutzorganisationen. "Die Vorschläge zur leichteren Zulassung von genveränderten Pflanzen (GVOs) auf europäischen Märkten haben drei fatale Folgen", kritisierte die österreichische Europaabgeordnete der Grünen, Ulrike Lunacek. Lobend äußerte sich Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ).

"Generell kann damit Leben leichter patentiert werden, transnationale Konzerne gewinnen größeren Einfluss und nicht zuletzt können Konsumenten beim Lebensmittelkauf nicht mehr frei entscheiden, weil die Herkunft der Produkte unklar ist", hieß es in einer Aussendung. Um wirkliche Wahlfreiheit zu haben, müssten auch Tiere, die GVO-Nahrung zu sich nehmen, beim Endverkauf als solche angegeben werden. "Bei Umsetzung dieses Vorschlags wird sehr bald der gesamte europäische Lebensmittelmarkt kontaminiert werden", so Lunacek. Für Bienen und Pollen gäbe es keine Grenzen und die einzig wirksame Pufferzone ist der Atlantik.

Greenpeace begrüßte zwar mehr Spielraum für Österreich, warnte aber ausdrücklich davor "der Kommission einen Persilschein für schnellere Zulassungen auszustellen, denn das würde Europas Tore für die Gentechnik öffnen und langfristig erst recht auch wieder Österreich betreffen". "Die Kommission will ganz klar die Anbauzulassungen beschleunigen. Mit dem Vorschlag, den Ländern mehr Spielraum zu geben, lenkt sie vom eigentlichen Problem ab - dem katastrophalen Zulassungsverfahren der EU. Würde das endlich verbessert werden, hätte die Gentechnik in ganz Europa keine Chance und das muss eigentlich das Ziel sein", forderte Gentechnik-Sprecher Philipp Strohm.

Wichtiger Schritt

Global 2000 wertete die Initiative für nationale Gentech-Anbauverbote als einen "wichtigen Schritt" für die gentech-kritischen Länder. "Jetzt kommt es aber darauf an, dass die gentech-kritischen Länder von der EU-Kommission nicht über den Tisch gezogen werden. Eine Messlatte wird sein, ob die EU-Kommission dem vor mehreren Jahren abgelehnten Gentechnikverbotsgesetz Oberösterreichs nun doch zustimmen wird oder nicht", so Werner Müller, Gentechnikexperte von GLOBAL 2000.

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) bezeichnete den Kommissionsvorschlag als "großen Erfolg für Österreich". "Ich hoffe, dass über das Selbstbestimmungsrecht bis Ende dieses Jahres eine Einigung der Kommission mit allen Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament herbeigeführt werden kann. Ich fordere jedenfalls, dass die Kommission auch auf Ebene der WTO das Selbstbestimmungsrecht entschieden verteidigt", stellte Stöger klar.

Österreich werde, so der Minister weiter, die von verschiedenen Seiten vorgebrachten Kritikpunkte genau beobachten und analysieren. Der Minister betont: "Die vorgelegte Regelung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings gilt es noch zu klären, ob die Rechtssicherheit nun tatsächlich gegeben ist. Hier ist die Kommission klar in die Pflicht zu nehmen. Wenn es zu einer Zulassungsflut in der EU kommen sollte, werden wir bestimmt reagieren."

Hahn: Selbsbestimmung

 

EU-Regionalkommissar Johannes Hahn hat die Selbstbestimmung der Staaten über den GVO-Anbau als "angewandte Subsidiarität" begrüßt. Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) betonte, Österreich bleibe gentechnikfrei.

Hahn erklärte in Brüssel, die EU-Länder könnten selbst entscheiden. "In dem Fall praktizieren sie das auf Punkt und Beistrich". Es handle sich aber nicht um eine Renationalisierung. "Das ist eine sehr bürgernahe Entscheidung. Die EU-Staaten könnten entsprechend der Einschätzung der Stimmungslage ihrer Bewohner" ihre Festlegung treffen.

Berlakovich sagte, er sei sehr zufrieden. "Wir haben heute einen der größten politischen Erfolge auf europäischer Ebene erzielt". Er wolle ein gemeinsames Europa nicht von oben diktiert bekommen, sondern aktiv selbst gestalten. Er habe sich mit seiner Initiative auf Selbstbestimmung durchsetzen können. Bedenken eines Fleckerlteppichs auf europäischer Ebene wies er zurück. "Ich sehe Europa als eines der Vielfalt." Wenn ein Staat sage, er wolle Gentechnik, sei dies gewährleistet, aber "wenn ein Land wie Österreich sagt, wir wollen keine Gentechnik auf unseren Feldern, ist das auch gesichert". Diese Vielfalt mache Europa stark.

Die österreichischen Konsumenten lehnten Gen-Lebensmittel ab. Auch die Landwirtschaft sei dagegen. "Wir wollen hochwertige gesunde Lebensmittel" und es gehe um die Wahlfreiheit des Konsumenten, sagte Berlakovich. (APA)

Flowchi
00
13.7.2010, 21:31
na Hauptsache es wurde über...

...den Hundeführerschein das Volk befragt!

Mit gespaltenen Zungen wird argumentiert...

lg vom FLO

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