Reisende, die Sex kaufen, gehen ein hohes Risiko ein: In manchen Teilen Asiens sind bis zu 60 Prozent der Sexarbeiterinnen mit dem HI-Virus angesteckt
In Asien gehen rund zehn Millionen Frauen der Prostitution nach, mindestens 75 Millionen Männer kaufen regelmäßig Sex, wie die Organisation UNAIDS schätzt. Auf jeden Sexarbeiter kommen ungefähr zehn Klienten, was das Risiko der Verbreitung von HIV erhöht.
Ansteckung durch bezahlten Sex
Die Aids-Epidemie ist in den einzelnen asiatischen Ländern unterschiedlich hoch ausgeprägt, die Verbreitungswege sind aber auf dem gesamten Kontinent dieselben. Die meisten Menschen infizieren sich durch ungeschützten bezahlten Sex, auch ungeschützter Geschlechtsverkehr zwischen Männern führt zur Ausbreitung des Virus. Drogenabhängige stecken sich durch das Teilen von verunreinigten Spritzen an. Männer, die Sex kaufen, machen die größte infizierte Bevölkerungsgruppe aus und sind die häufigsten Verbreiter des Virus. Weil viele von ihnen verheiratet sind, sind auch deren Frauen - die eigentlich nicht zur Risikogruppe zählen - dem Virus ausgesetzt.
Auch die verbreitete Nicht-Verwendung von Kondomen trägt zur Ausbreitung von Aids bei. Nachdem Thailand 1991 eine Kondome-Kampagne für Sexarbeiter gestartet hatte zeigte sich, dass die Ausbreitung des Virus abnahm. "Programme, die bei Sexarbeitern den Gebrauch von Kondomen steigern, helfen mehr als alle anderen Maßnahmen, um die Zahl der HIV-Infektionen in Asien zu kontrollieren", schreibt die "Commission on Aids in Asia".
Fünf Millionen HIV-Infizierte
In Asien leben mehr als fünf Millionen Menschen mit dem HI-Virus. 2008 starben schätzungsweise 330.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit Aids, die der "Commission on Aids in Asia" zufolge die Haupttodesursache für Menschen zwischen 15 und 44 Jahren in Asien ist. Der relative Anteil der HIV-Infizierten ist ob der hohen Bevölkerungszahl - auf dem Kontinent leben rund 60 Prozent der Weltbevölkerung - zwar vergleichsweise niedrig: Von den 15 bis 49-Jährigen sind länderabhängig zwischen 0,5 und 1,5 Prozent mit dem Virus angesteckt. Das große Aber: An absoluten Zahlen gemessen nimmt Asien bei den HIV-Infizierten hinter der Sub-Saharazone in Afrika den zweiten Platz ein.
Sextourismus verschärft Aids-Problematik
Der in vielen Ländern Asiens vorherrschende Sextourismus verschärft das Problem HIV: Reisende, die Sex kaufen, haben ein relativ hohes Ansteckungsrisiko, weil HIV erstens in vielen Zielländern stark verbreitet ist. Zweitens sind es oft gerade Sexarbeiterinnen, die den Virus in sich tragen: In manchen Teilen Asiens sind bis zu 60 Prozent infiziert. HIV wird aber nicht nur von einheimischen Sexarbeiterinnen, sondern auch von Touristen übertragen. Schätzungen zufolge reisen zum Beispiel rund 20 Prozent der eine Million HIV-Infizierten in Nordamerika ins Ausland. Wenn sich Prostituierte an infizierten Touristen anstecken, breitet sich das Virus oft innerhalb der Familie und in der Folge von touristischen Regionen auch in andere Landesteile aus.
Auch Minderjährige sind infiziert
Gerade Kinder werden in Asien häufig zur Prostitution gezwungen: Nach Schätzung der internationalen Hilfsorganisation UNICEF gibt es in der Region rund eine Million minderjährige Prostituierte. Als Brennpunkte gelten Thailand, Kambodscha und Vietnam. Viele Sextouristen bevorzugen Kinder und Jugendliche, weil sie glauben, sich bei ihnen nicht mit dem HI-Virus anzustecken. Allerdings zeigen Studien, dass in Asien etwa die Hälfte der minderjährigen Prostituierten infiziert ist. (mak, derStandard.at, 19.7.2010)