Gentechnik

Transgene Pilzresistenz mit schweren Nebenwirkungen

13. Juli 2010, 15:04
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    foto: apa/weigel

    Der transgene Weizen blieb im Freilandversuch zwar pilzresistent, erbrachte aber trotzdem im Schnitt weniger Ertrag.

Manipulation am Erbmaterial von Weizen führt im Experiment zu teilweise erheblichen Ernteeinbußen

Bern - Um Weizen gegen den Mehltau-Pilz resistent zu machen, muss das Erbmaterial der Pflanze nur um ein einziges Gen ergänzt werden. Einen größeren Ertrag garantiert diese Modifikation allerdings noch lange nicht, wie eine Studie von Forschern der Universität Zürich zeigt. Die gentechnische Veränderung kann nämlich Nebenwirkungen haben.

Die Forscher statteten Weizenlinien mit einem Mehltau-Resistenzgen aus einer alten asiatischen Weizensorte aus, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am Dienstag mitteilte. Diese gentechnisch veränderten Pflanzen verglichen sie mit unveränderten Kontrollpflanzen, zuerst im Gewächshaus, dann im freien Feld.

Die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" (NFP 59) durchgeführte Studie zeigte, dass das Resistenzgen den Weizen tatsächlich widerstandsfähiger gegen Mehltau machte. Im Treibhaus führte dies dazu, dass die Gentech-Pflanzen doppelt so viel Ertrag abwarfen.

Wesentlich kleinerer Ertrag im Feldversuch

Aber im Feldversuch war das Resultat umgekehrt, wie die Forscher im Fachmagazin PLoS ONE schreiben. Die Pilzresistenz war hier zwar ebenfalls wirksam. Trotzdem war die Ernte bei drei von vier gentechnisch veränderten Weizenlinien kleiner als bei den Kontrollpflanzen. In zwei Linien betrug die Ertragseinbusse gar satte 50 Prozent.

Dass ein einziges Gen so starke Auswirkungen haben könne auf ganz andere Erscheinungsmerkmale der Pflanze, habe ihn als Evolutionsbiologen überrascht, sagte Studienleiter Bernhard Schmid auf Anfrage. Ihm seien keine wissenschaftlichen Publikationen mit solch großen Nebeneffekten bekannt.

Laut den Forschern ist die Mehltauresistenz im Gewächshaus ein Vorteil, weil dort besonders viele Pflanzen dem Pilz zum Opfer fallen, wenn sie nicht mit Fungiziden behandelt werden. Im Feld hat es der Mehltau etwas schwerer. Dafür machen Trockenheit, Insektenbefall und die Konkurrenz mit den Nachbarpflanzen dem Weizen zu schaffen.

Verringerte Widerstandskraft

Das Resistenzgen könnte indirekt die Widerstandskraft gegen solche Stressfaktoren verringern, spekulieren die Forscher: Weil es permanent Moleküle herstellt, die gegen Mehltau wirken, bleibt der Pflanze weniger Energie für andere Aufgaben, die bei den schwierigen Umweltbedingungen im Freien wichtig sind.

Wie die Forscher schreiben, deuten auch die Unterschiede in der Ertragseinbuße zwischen den einzelnen Gentech-Weizenlinien darauf hin: Die Aktivität des Resistenzgens scheinen ausgerechnet in jenen beiden Linien am stärksten zu sein, die im Feld die größten Ernteverlust aufwiesen.

Die Experimente zeigen laut den Forschern, dass Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen wichtig sind. In der geschützten Umgebung des Gewächshauses sei es nicht immer möglich, Pflanzen zu identifizieren, die sich auch in einer natürlichen Umwelt behaupteten. (APA/sda)

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25 Postings
Herb All
10
17.7.2010, 19:04
Was?

"Manipulation am Erbmaterial von Weizen führt im Experiment zu teilweise erheblichen Ernteeinbußen"

Is ja ganz was neues.. ;P

Dyrn
21
14.7.2010, 09:52

und wo genau sind nun die "schweren nebenwirkungen" aus der headline? die pflanzen haben am feld gegen trockenheit und insektenbefall gekämpft und dadurch an ernteertrag verloren. ob und inwieweit dies mit dem einen gen zu tun hat, ist dabei aber offen, oder? ernteerträge schwanken immer, oder etwa nicht? ich seh nicht ganz den zusammenhang der headline mit dem erklärungsversuch der forscher im 6. absatz, um ehrlich zu sein.

joergipoergi
21
14.7.2010, 13:52

dann schlag ich vor es nochmal zu lesen. Ernsthaft.

hans hansson
11
15.7.2010, 15:20

das problem nennt sich sekundäralphabetismus

lemming0815
02
14.7.2010, 11:50

es gab "original" weizenlinien mit denen der ertrag verglichen wurde. die nebenwirkung der mehltauresistenz war demnach die mangelnde bewältigung von allen anderen "stressfaktoren"

Dyrn
00
15.7.2010, 09:38

gute antwort. vielen dank.

Nick Tameer
10
14.7.2010, 09:07

"Die Experimente zeigen laut den Forschern, dass Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen wichtig sind."

Einleuchtend. Für den Fall, dass man mit transgenem Saatgut Profite erzielen will, ist es natürlich unbedingt von Vorteil sein, den Deckel der Büchse der Pandora frühzeitig ein wenig zu lupfen.

Andreas Mittermayer
23
13.7.2010, 21:20
Gerade diese Beispiel zeigt, wie gering das Wissen der Forscher in Bezug

auf die Auswirkungen der Gentechnik ist.

Lebewesen sind keine Maschinen. Man sieht hier etwa, dass ein einziges Gen nicht nur Auswirkungen auf eine Egenschaft hat, sondern sich auf die Eingenschaften der ganzen Pflanze auswirkt.

Darüber hinaus wird hier deutlich, dass die Wechselwirkungen zwischen der genveränderten Pflanze und der Umwelt in keiner Weise abgeschätzt werden können.

Umso mehr ist es notwendig, das Vorsichtsprinzip anzuwenden und mit der Anwendung der Gentechnik (in der Landwirtschaft!) zumindest noch so lange zu warten, bis die Wechselwirkungen wenigstens ein bisschen bekannter werden.

Das wird sicherlich noch mindestens Jahrzehnte benötigen!

Izmir Schlecht
01
14.7.2010, 13:50

Ihre Argumentation ist unlogisch. Wenn das Wissen nicht vorhanden ist, machen wir was? Gar nichts? Warten? Worauf? Damit das Wissen stagniert? Nur vom Warten wird man nicht schlauer. Versuche in der Landwirtschaft sind also notwendig. Und auch von den Fehlschlägen lernen wir.

Andreas Mittermayer
10
14.7.2010, 13:57
WAS ist an meiner Argumentation unlogisch??

Ich habe (siehe weiter unten) ausdrücklich weiteren Forschungsbedarf eingeräumt und gefordert!

Das Wissen sowohl über die Zusammenhänge und die Wechselwirkungen in einem Lebewesen, als auch über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen in der Natur (Ökologie) ist noch viel zu gering! Wir sind hier erst ganz am Anfang!

Und genau hier ist noch enormer Forschungsbedarf gegeben.

Unverantwortliche Experimente sind daher - am derzeitigen Wissensstand - massivst abzulehnen!

bloody-nine
 
00
14.7.2010, 12:53
gerade aus diesem beispiel

kann ich diese schlussfolgerungen nicht ziehen.

die tatsache dass eine konstitutive expression den organismus belastet und ohne disease pressure eher einen nachteil darstellt ist relativ naheliegend, und ich würde davon ausgehen dass die entwickler an diese möglichkeit gedacht haben (ich würds...).

da ist jetzt nix passiert was einen halbwegs informierten bass erstaunen liesse, "omeingott daran hatten wir ja nie gedacht!"...

Andreas Mittermayer
10
14.7.2010, 13:09
Ja in diesem Fall ist noch nichts (Schlimmes) passiert.

Für andere Manipulationen kann dies jedoch keinesfalls ausgeschlossen werden.

Das ist der Punkt!

bloody-nine
 
00
14.7.2010, 13:32
das kann man niemals ausschliessen

daher eben die laborversuche, dann die versuche in der klimakammer, dann gewächshausversuche, und schliesslich auch mal feldversuche.

die alternative ist natürlich, dass sie die gesamte technologie verbieten wollen. können sie schon fordern - aber mit welchen argumenten? dass katastrophale auswirkungen (welche genau) eintreten KÖNNTEN?

treten sie mit der gleichen vehemenz gegen jegliche medizinische forschung ein? gegen jede neue medikamentenentwciklung? gegen autos und autobahnen auf?

Andreas Mittermayer
00
14.7.2010, 13:42
Ich möchte nicht die gesamte Technologie verbieten.

Jedoch die derzeitige Anwendung auf dem momentanen - noch sehr niedrigen - Wissensstand.

Hingegen habe ich nichts gegen weitere Forschungsarbeit auf diesem Gebiet.

Daher bin aich auch FÜR medizinische Forschung und FÜR die Medikamentenentwicklung.

Der Unterschied zwischen Gentechnik in der Landwirtschaft und medizinscher Forschung und Anwendung ist vor allem, dass Fehler im Bereich der Landwirtschaft kaum mehr gut zu machen sind. Was einmal in der Natur draussen ist, kann man nicht mehr zurückholen.

Übrigens: weil Sie Autos und Autobahnen erwähnen: JA ich sehe das derzeitige Mobilitätsverhalten der Menschen sehr kritisch!!

bloody-nine
 
01
14.7.2010, 14:00
die flavr savr

paradeiser habens bis auf den markt geschafft, sicher aber nie durchgesetzt.
roundup ready soybean enthält ein gen aus agrobacterium - einem bakterium, das natürlicherweise und routinemässig genetisches material auf pflanzen überträgt. der phänotyp des bewussten genprodukts könnte auch auf natürlichem wege entstehen.
die versuche, ein speicherprotein aus nüssen auf sojabohnen zu übertragen (um das defizit der sojabohne von schwefelhaltigen aminosäuren zu beheben) wurden eingestellt als sich das speicherprotein als allergen herausstellt.
ich denke dass die mechanismen zur zulassung und kontrolle bereits sehr ausgefeilt sind, dass nachteilige auswirkungen gut abgeschätzt werden können.
nichtstun bringt uns jedenfalls auch kein wissen.

Andreas Mittermayer
00
14.7.2010, 14:21
WO habe ich das Nichtstun gefordert?!

Ganz im Gegenteil: Wir müssen noch viel mehr forschen, bevor diese Technolgie sinnvoll eingesetzt werden kann.

Gerade Ihr Beispiel mit der Roundup-Soy-Bean beleuchtet auch eine ganz andere - problematische - Seite: Nämlich, dass die Gentechnik derzeit ganz und gar nicht zum Wohle der Menschheit, sondern zur Gewinnmaximierung von Konzernen eingesetzt wird: Monsanto verkauft das genveränderte Saatgut und das Total-Herbizid "Roundup" im Paket mit dem Ziel, den weltweiten Soya-Markt kontrollieren zu können!

bloody-nine
 
00
14.7.2010, 14:31
das mit roundup-ready soybean stimmt -

nutzen hat nur der entwickler, nicht der konsument. ich habe mit monsanto diesbezüglich kein mitleid. aber derartige sachverhalte treffen auch auf einen ganzen haufen non-GMO-saatgut zu, und nicht nur auf monsanto sondern auf jeden saatgutkonzern, und nicht nur auf saatgutkonzerne sondern praktisch jeden chemie- und agroindustrie- und lebensmittelkonzern.

die einseitige fokussierung der öffentlichkeit inklusive organisationen wie greenpeace oder auch der grünen auf popanze wie monsanto verstellt nur den blick auf die eigentlichen und viel grösseren probleme. das führt dazu dass sich heute schon jeder für kritisch und aufgeklärt und voll auf öko hält wenn er/sie gegen temelin und gentechnik ist.

das ist zu billig.

Andreas Mittermayer
00
14.7.2010, 15:21
Zum ersten Absatz: Zustimmung!

Zum zweiten Absatz:

Ich habe nicht den Eindruck, dass sich NGOs wie Greenpeace einseitig auf Firmen wie Monsanto fokussiert!
Aber natürlich ist Monsanto berechtigt in der Kritik.

Wenn Sie sichh etwa http://marktcheck.greenpeace.at/ ansehen, geht die Kritik in sehr viele verschiedene Richtungen.

Und natürlich: Greenpeace muss sich demonstrativ ein paar schwarze Schafe herauspicken, um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erringen, da für zu komplexe Zusammenhänge (leider) die breite Masse nicht zugänglich ist.

Ava Tar
03
13.7.2010, 19:00
Anbei eine ORF-Meldung vom 28.6.

die mir in dieser Qualitätszeitung etwas untergegangen scheint
http://www.orf.at/100627-52... story.html

"Brüssel will mehr Genpflanzen"

- Leichtere Zulassung
- Mehr Anbauflächen als Folge
- Neue Chancen für Monsanto und Bayer
- Nationale Verbote nicht haltbar?

Ist im Zuge der Fußball-WM bissl untergegangen, gelle ?

Zinnmo
 
01
13.7.2010, 16:23
Nicht wirklich transgen

Immerhin stammte das übertragene Gen auch aus Weizen. Das hätte man auch mit konventioneller Züchtung übertragen können. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu Genen aus Insekten oder Bakterien.

canuck
 
00
13.7.2010, 17:18
schon transgen

denn um das weizengen zu transformieren, braucht man noch ein bisschen mehr dna, und die kommt von bakterien (welche ihrerseits wieder natuerliche gentechniker sind).
ein einzelnes gen in weizen einzukreuzen braucht ca. 10 generationen, und wer weiss welchen anderen dreck man da trotzdem noch immer mitschleppt....

rudolf schladming
 
00
13.7.2010, 18:24

weisst du das ob das im konkreten fall über agros gemacht worden ist oder ist das eine vermutung? würd mich interessieren.

bloody-nine
 
00
13.7.2010, 17:35
jein

ein konstrukt aus dem weizengen (+ regulatorische sequenzen, auch aus weizen) und einem selektierbaren marker reintransformieren, dann den marker entfernen. ist dieser tage kein grosses problem mehr (cre-lox)

bloody-nine
 
00
13.7.2010, 17:12
ist richtig

die übertragung per konventioneller züchtung ist allerdings enorm zeitaufwändig. können sie sich vorstellen wieviele weizenpflanzen sie individuell auf resistenz gg mehltau untersuchen müssen um festzustellen welche das gen dann auch wirklich übertragen bekommen haben?

Zinnmo
 
00
13.7.2010, 18:26

Für die Analyse gibt es ja auch gentechnische Methoden.

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