Manipulation am Erbmaterial von Weizen führt im Experiment zu teilweise erheblichen Ernteeinbußen
Bern - Um Weizen gegen den Mehltau-Pilz resistent zu machen, muss das Erbmaterial der Pflanze nur um ein einziges Gen ergänzt werden. Einen größeren Ertrag garantiert
diese Modifikation allerdings noch lange nicht, wie eine Studie von Forschern der Universität Zürich
zeigt. Die gentechnische Veränderung kann nämlich Nebenwirkungen haben.
Die Forscher statteten Weizenlinien mit einem Mehltau-Resistenzgen aus einer
alten asiatischen Weizensorte aus, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am
Dienstag mitteilte. Diese gentechnisch veränderten Pflanzen verglichen sie mit
unveränderten Kontrollpflanzen, zuerst im Gewächshaus, dann im freien Feld.
Die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Nutzen und Risiken der
Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" (NFP 59) durchgeführte Studie
zeigte, dass das Resistenzgen den Weizen tatsächlich widerstandsfähiger gegen
Mehltau machte. Im Treibhaus führte dies dazu, dass die Gentech-Pflanzen doppelt
so viel Ertrag abwarfen.
Wesentlich kleinerer Ertrag im Feldversuch
Aber im Feldversuch war das Resultat umgekehrt, wie die Forscher im
Fachmagazin PLoS ONE schreiben. Die Pilzresistenz war hier zwar ebenfalls
wirksam. Trotzdem war die Ernte bei drei von vier gentechnisch veränderten
Weizenlinien kleiner als bei den Kontrollpflanzen. In zwei Linien betrug die
Ertragseinbusse gar satte 50 Prozent.
Dass ein einziges Gen so starke Auswirkungen haben könne auf ganz andere
Erscheinungsmerkmale der Pflanze, habe ihn als Evolutionsbiologen überrascht,
sagte Studienleiter Bernhard Schmid auf Anfrage. Ihm seien keine
wissenschaftlichen Publikationen mit solch großen Nebeneffekten bekannt.
Laut den Forschern ist die Mehltauresistenz im Gewächshaus ein Vorteil, weil
dort besonders viele Pflanzen dem Pilz zum Opfer fallen, wenn sie nicht mit
Fungiziden behandelt werden. Im Feld hat es der Mehltau etwas schwerer. Dafür
machen Trockenheit, Insektenbefall und die Konkurrenz mit den Nachbarpflanzen
dem Weizen zu schaffen.
Verringerte Widerstandskraft
Das Resistenzgen könnte indirekt die Widerstandskraft gegen solche
Stressfaktoren verringern, spekulieren die Forscher: Weil es permanent Moleküle
herstellt, die gegen Mehltau wirken, bleibt der Pflanze weniger Energie für
andere Aufgaben, die bei den schwierigen Umweltbedingungen im Freien wichtig
sind.
Wie die Forscher schreiben, deuten auch die Unterschiede in der
Ertragseinbuße zwischen den einzelnen Gentech-Weizenlinien darauf hin: Die
Aktivität des Resistenzgens scheinen ausgerechnet in jenen beiden Linien am
stärksten zu sein, die im Feld die größten Ernteverlust aufwiesen.
Die Experimente zeigen laut den Forschern, dass Feldversuche mit gentechnisch
veränderten Pflanzen wichtig sind. In der geschützten Umgebung des Gewächshauses
sei es nicht immer möglich, Pflanzen zu identifizieren, die sich auch in einer
natürlichen Umwelt behaupteten. (APA/sda)