Expertin: Sperre des Psychologie-Studiums in Klagenfurt "mutig"

13. Juli 2010 14:02

Christiane Spiel, Präsidentin der Gesellschaft für Psychologie, bedauert den Schritt trotzdem

Die von der Universität Klagenfurt geplante Sperre der Neuzulassungen für das Psychologie-Studium für zwei Jahre ist für die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie, Christiane Spiel, ein "sehr mutiger Schritt". Allerdings "bedauert" Spiel diesen Plan auch und befürchtet einerseits hohen Andrang an den anderen Psychologie-Standorten, andererseits Verdrängungseffekte zu benachbarten Fächern wie Soziologie oder Erziehungswissenschaften, betonte sie in einer Stellungsnahme.

"Während jedem klar ist, dass etwa eine Seilbahn nur eine gewisse Personenmenge pro Zeiteinheit befördern kann, scheint es offensichtlich nur schwer nachvollziehbar, dass analoge Bedingungen auch für Studien gelten", so Spiel. Bei gleichem Personalstand könnten nicht fünf- oder sechsfache Studierendenzahlen qualitätsvoll ausgebildet werden.

Verdrängungseffekte durch Aufnahmeverfahren

Die von Spiel befürchteten Verdrängungseffekte seien auch als Konsequenz der Aufnahmeverfahren im Medizinstudium zu beobachten. So seien die Studierendenzahlen in Biologie und Pharmazie massiv gestiegen. "Sofern auch hier Maßnahmen gesetzt werden, wie Aufnahmeverfahren oder eine Sistierung des Studiums, wird sich daraus eine Kaskade von Verdrängungseffekten ergeben", so Spiel. Das sei wohl nicht das Ziel von Bildungspolitik.

Auf parlamentarischer Ebene beschäftigt der Klagenfurter Plan die Wissenschaftssprecherin der SPÖ, Andrea Kuntzl. Sie will in einer parlamentarischen Anfrage von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl wissen, warum das Bachelorstudium Psychologie in der Leistungsvereinbarung (LV) der Uni Klagenfurt fehlt, obwohl laut Universitätsgesetz in den LV zwischen den einzelnen Unis und dem Bund unter anderem die Studien festzulegen sind, die an der jeweiligen Uni anzubieten sind.

Weiters verweist Kuntzl auf die vom Gesetzgeber gerade für das Psychologie-Studium vorgesehene Möglichkeit der Zugangsbeschränkungen, von der auch die Uni Klagenfurt Gebrauch gemacht habe, damit ein angemessenes Betreuungsverhältnis erreicht werde. "Halten sie es mit dieser Zielsetzung des Gesetzgebers vereinbar, ein Studium ganz aufzulassen? Wenn ja: Mit der Abschaffung welcher weiteren Studien ist zu rechnen? Sollten Sie dies der Autonomie der Universitäten überlassen: wofür sind die von Ihnen ständig geforderten Zugangsbeschränkungen noch erforderlich, wenn die Universitäten ohnedies sogar bei Zugangsbeschränkungen ganze Studien auflassen?", fragt Kuntzl Karl. (APA)

mountaineer
17.07.2010 08:11

und weil die seilbahn eine zu geringe kapazität hat, sperrt man sie gleich ganz zu.

mit dieser logik hätten in westösterreich alle skigebiete bereits vor jahrzehnten zusperren müssen.

Knochenmann
19.07.2010 13:51

Tja, liegt vermutlich daran das Schifahrer 400 Euro für eine Saisonkarte blechen.

Mlle. P.
14.07.2010 17:13
Als "Starke gegen Schwache" ...

.... würde ich das nicht bezeichnen. Es geht hier nicht um permanente (sozial selektive) Zugangsregelungen, sondern schätzungsweise darum, die Klagenfurter Psychologie u.a. vor dem endgültigen Kollaps durch Studierendenansturm (u.a. doppelte Abiturjahrgänge aus Deutschland) zu bewahren.
Darüber hinaus hat sie einen denkbar schlechten Ruf - *noch* mehr Arbeiten betreuen zu müssen (Bachelor seit dem WiSe 2009) tut diesem überdies auch nicht gut.
Neu aufzunehmenden Studierenden würde ein Studium und ein Abschluß vorgegaukelt, der weder mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes noch den internationalen Standards im Fach üsychologie entsprechen würde - und shcon jetzt gibt es massive Betreuungsprobleme bei den Diplomarbeiten.

sociovation
14.07.2010 10:24
Die Leute können

ja in die Caritas-Schule für Sozialbetreuung gehen und dann zu Hungerlöhnen arbeiten.
Achso, das ist jetzt bei Psychologinnen eh schon der Fall...

triebstrü
 
14.07.2010 07:21
"Expertin: Sperre des Psychologie-Studiums in Klagenfurt "mutig""

Mut gehört da absolut keiner dazu.
Es geht ja gegen die Schwächsten. Da entscheiden die obersten Eliten gegen jene, noch nicht einmal Studenten sind.
Wenn die stärksten gegen die Schwächsten entscheiden, dann gehört dazu nicht ein der kleinste Funken Mut.

Marder
13.07.2010 20:18

"Während jedem klar ist, dass etwa eine Seilbahn nur eine gewisse Personenmenge pro Zeiteinheit befördern kann, scheint es offensichtlich nur schwer nachvollziehbar, dass analoge Bedingungen auch für Studien gelten".

Die Seilbahnbetreiber scheinen da aber vorausblickender zu arbeiten als unsere Regierung.

sociovation
14.07.2010 10:26
Bei Seilbahnen wurden die Kapazitäten

in den letzten Jahrzehnten vervielfacht, bei den Unis haben sie bestenfalls stagniert.
Das ist der Unterschied und der Grund, warum dieser Vergleich mehr als hinkt...

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