Kein Mini-James-Bond

12. Juli 2010, 18:45

Geheimdienste leisten unverzichtbare Arbeit - wenn sie professionell geführt sind

Was Nachrichtendienste so tun, unterliegt im Allgemeinen einer strengen Geheimhaltung - wenn sie nicht vertraulich arbeiten können, dann können sie es gar nicht. Andererseits gibt es wenig Wichtiges, was immer und für alle geheim bleiben kann. Die meisten Informationen kommen durchaus korrekt auf dem Amtsweg zu den befugten Entscheidungsträgern - einige aber sickern an eine mehr oder weniger qualifizierte Öffentlichkeit durch. Das macht das geheimdienstliche Geschäft politisch doppelt heikel: Denn die Erkenntnisse des mit Inlandsaufklärung befassten Abwehramts und des mit der Einschätzung der Situation im Ausland befassten Heeresnachrichtenamts sind ja die Grundlage für oft recht weitreichende Entscheidungen - etwa darüber, ob und in welcher Stärke Österreich Soldaten zu einer Friedensmission schicken soll.

Da brauchen Regierung und Parlament qualifizierte und absolut vertrauenswürdige Informationen - auch wenn aus Rücksichten der Diplomatie oder auch des Truppenschutzes nicht alle Details veröffentlicht werden dürfen. Es ist verständlich, dass der sozialdemokratische Verteidigungsminister Norbert Darabos an den Spitzen dieser Dienste nur Leute seines Vertrauens einsetzen kann. Ebenso verständlich ist, dass es nicht angeht, dass nur Leute aus einer (egal welcher) Partei zum Zuge kommen - wohlverstandener Proporz soll die monocolore Postenbesetzung und damit vielleicht einseitig gefärbte Informationspolitik verhindern.

So wird auch klar, warum sich die ÖVP einen gewissen Einfluss sichern will: Es wäre unverantwortlich, wenn es in Sicherheitsfragen keine "second opinion" gäbe. Und noch gefährlicher wird es, wenn man so tut, als könne man sich die Geheimdiensttätigkeit ganz oder auch nur teilweise ersparen. Gerade ein kleines Land mit geringen militärischen Mitteln muss wissen, was in seiner Umgebung passiert - und woher Bedrohungen kommen.

Sie kommen bekanntlich nicht mehr von großen Panzerverbänden oder Bomberflotten, die großräumige Angriffe quer durch Europa planen. Wohl aber können kleinräumige Konflikte in der näheren und ferneren Nachbarschaft massive Auswirkungen auf die Lage in Österreich und erst recht auf die österreichischen Blauhelm-Missionen haben. Zunehmend gibt es auch Bedrohungen der elektronischen Infrastruktur: Gezielte Internetattacken können ganze Wirtschaftsbereiche eines Landes lahmlegen - und wenn es überhaupt so etwas wie eine Öffentlichkeitsarbeit der österreichischen Geheimdienste gibt, dann hat sie sich in den letzten Jahren darauf konzentriert, ein Bewusstsein für die vorhandenen Sicherheitslücken zu schaffen.

Was in der geheimdienstlichen Arbeit allerdings keinen Platz haben darf: Eitelkeiten einzelner Dienste und einzelner Personen, die sich als Mini-James-Bond fühlen. In den vergangenen Jahren hat es immer wieder Reibereien zwischen den militärischen Diensten Abwehramt und Nachrichtenamt sowie Staatspolizei (Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung) gegeben. Diese Institutionen haben ihre eigenständigen Aufgaben - aber wenn sie gegeneinander arbeiten, schadet das der Republik. Das hat Darabos erkannt - und mit der Besetzung am Montag Offiziere ausgewählt, deren Zusammenarbeit der Sache nützen sollte. Übrigens: Keiner der beiden hat ein Parteibuch. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2010)

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Geheimdienste sind eine Pest die immer mehr geschadet als genutzt hat. Zumindest wenn man auch ein nur einigermaßen fortschrittliches und demokratisches Staatsideal verfolgt. Allein wenn man sich z.B. die Ergebnisse der CIA (insbesondere die langfristigen) und dann auch noch die Mittel einbezieht die sie verschlugen haben, dann kommt einen das kalte Grausen. CS Untertanenmentalität und Naivität lässt tief blicken.

Stimmt, ganz, ganz furchtbar, diese Geheimdienste.

Deshalb sollen nur autoritäre und undemokratische Staaten derartige Institutionen haben. Westliche Demokratien brauchen derlei Dinge nicht.

Wie Sie bei dieser Hitze so tief schlafen und vor allem so lebhaft träumen können... Beneidenswert!

Conrad Seidls Untertanen-/Feindbildmentalität ist erschreckend

Die Bürger revoltieren und der Nachbarstaat ist der Feind. Daher braucht es für Seidl Geheimdienste, nach Innen und Aussen.
Ein demokratischer Staat braucht keine geheimen Dienste!
Für notwendige Informationsarbeit über innen- und aussenpolitische Situationen reicht es die Medien genau zu lesen, bzw. ein Datenbüro bei der Polizei. Im Ausland müssten die Diplomaten dann einheimische Zeitungen genau lesen und ab und zu die Büros verlassen und mit den Einheimischen sprechen.
Wenn man allerdings, wie Seidl, die Bürger als Untertanen und den Nachbarstaat als potentiellen Feind sieht, dann wird der Geheimdienstunfug, der mordet und foltert -USA/Israel/Russland/GB/ Iran/China/Afghan. etc. - irrtümlich als notwendige Einrichtung abgefeiert.

HANDLANGER DES BÖSEN als "Fremdkörper in einer freiheitlichen Demokratie"...

Jede noch so naiv idealistisch klingende Rechtfertigung muß angesichtst des durch Geheimdienste VERURSACHTEN Leids zu purem Zynismus verkommen...

Eine interessante pro/contra Argumentation zur Frage "Gehören Geheimdienste abgeschafft" findet man zur deutschen Situation hier:

http://www.uni-kassel.de/fb5/fried... batte.html

Ein Planet ohne diese Gruppierungen wäre definitiv ein BESSERER, FRIEDLICHERER....

"Gezielte Internetattacken können ganze Wirtschaftsbereiche eines Landes lahmlegen (...)"

Gibt es dafür auch ein Beispiel?

Ich habe noch nie gehört, daß bspw. die Stahlindustrie oder das Versicherungswesen eines Landes durch eine "gezielte Internetattacke" lahmgelegt wurden.

Und selbst wenn dem so wäre: Für die Informatik-Sicherheit der Unternehmen sind die angestellten Informatiker zuständig, und nicht irgendein Geheimdienst. Das wär ja noch schöner...

Ihr Knusperkönig

Danke für die Links!

Der Angriff auf Estland bestand hauptsächlich aus DDos-Attacken, d.h. die firmeneigenen Server gehen in die Knie.

Daher funktioniert die Website nicht mehr, auch die firmeigenen E-Mailadressen sind nicht nutzbar.

Es können sehr wohl schädliche Angriffe durchgeführt werden, besonders für Unternehmen deren Geschäftsmodelle auf dem Internet aufbauen. Aber vom "Lahmlegen von ganzen Wirtschaftsbereichen" zu sprechen, wenn die E-Mail & Webpage ein paar Tage lang nicht funktionieren, ist einfach falsch.

Das Hacken von im Netz hängenden Computern zu Verhindern ist hingegen Sache der hauseigenen Informatiker, & nicht der Geheimdienste.

Ich hab das Gefühl, der "Cyberwar" ist etwas ähnliches wie der "War on Terror": Angstmache.

Ihr Knusperkönig

Stirb Langsam 4.0 nicht gesehen. Da wird alles wissenschaftlich fundiert in einem Szenario präsentiert :)

gibt es!

googeln sie mal nach Estland und cyberwar

Österreichischer Geheimdienst?

ach geh doch "heim"!

Man sollte diese Postings als Buch herausgeben.

Als Beispiel für die weitverbreitete Unfähigkeit, zwischen der Realität und der Welt, wie man sie gerne hätte, zu unterscheiden.

Schade eigentlich, dass sich ausgerechnet in der Reichshälfte, aus der für gewöhnlich humanere Politik-Ansätze kommen, so viele Leute tummeln, deren Naivität einem Angst und Bange macht.
Bei einem 14-jährigen ist das ganz herzig. Aber ich fürchte, die meisten sind bedeutend älter. Ich hoffe, dass diese Fraktion im Falle der Regierungsverantwortung irgendwo untergebracht wird, wo sich der Schaden in Grenzen hält.

die schlapphüte besetzen auch nur die arbeitsmarktnischen ansonsten schwer vermittelbarer.

"...und woher Bedrohungen kommen. "

Gestern lief wieder "Liebesgeschichten & Heiratssachen".

Nehmen wir noch "Alltagsgeschichten" und "Karlich" dazu.

Oder auch die "Exzellenz" unserer Universitäten.

Grasser & Friends als fixe Größe sowieso.

Ah, und Sepp Forcher.

So, wer soll diesen Irrsinn "bedrohen"?

Wer?

Warum?

207 Nationen wären froh, sie könnten auf einem anderen Planeten existieren und wenn nicht das, dann doch auf jeden Fall *so weit wie möglich weg* von Österreich.

Sollten jemals Nachbarn auf die Idee kommen, Österreich dennoch (was, wie gesagt, ausgeschlossen ist) an sich reißen zu wollen, - etwas besseres könnte uns gar nicht passieren!

Dann sind wir die dumbfucks die uns seit 55 Jahren niederregieren und runterformatieren endlich los!

Tolles Kraut, dass Sie da rauchen...

Wer soll diesen Blödsinn, den Sie von sich geben, ernst nehmen? Man kann Österreich auch kritisieren, ohne so zu tun, als wäre es der irrsinnigste und schlimmste Ort der Welt... (was selbstverständlich absurd ist)

Falls es Ihnen entgangen sein sollte: Wirtschaftsspionage hat stark an Bedeutung gewonnen, und von Internetattacken können die Esten ein Lied singen. Abgesehen davon ist Österreich ein wichtiger Standort für die internationale Diplomatie.

wie wahr, wie wahr,

Leider sind auch in unseren Nachbarländern handverlesene dumbfucks am werk.
Was an z.B. Mutti und Westerwelle besser sein soll als an Sepp, Werner und Mitzi, kann ich nicht leicht erkennen. Oder lieber der Herr Cavaliere und sein Gefolge?
Auch der Blick in die Schweiz ist wenig tröstlich. Da irrlichtert ein Herr Blocher herum....

Trotzdem volle Zustimmung. Die öst. Geheimdienste sind zu 100% Bullshit und für die Katz, den Hugo, die Fisch......

Unverzichtbar...

Verachtenswert...

you decide..!

Wieso benötigen Regierungen Geheimdienste.,.

für qualifizierte und absolut vertrauenswürdige Informationen?

Wo uns doch die Medien über alles Wichtige prompt und korrekt informieren
und Politiker in ihren Reden immer nur die Wahrheit sagen
und auch Regierungen auf parlamentarische Anfragen wahrheitsgemäß antworten
und darüber hinaus nur Verschwörungstheoretiker spekulieren!

Offensichtlich sind die Regierungen davon überzeugt, dass andere Regierungen lügen und Wahrheiten verschweigen, detto Politiker und erst recht detto die Medien. Aber uns erzählen sie diese oben erwähnten Märchen und die meisten Menschen glauben diese auch.

Politiker lesen Zeitungen nur um sich über die neuesten Lügen zu informieren. Um die Wahrheit zu erfahren brauchen sie die Geheimdienste.

Einer der wenigen die es begriffen haben.

Wie naiv sind die Poster hier eigentlich?

Um die Wahrheit zu erfahren brauchen sie die Geheimdienste.

dann wäre ich für ein allgemeines zeitungsleseverbot für politiker, damit sie sich in dieser zeit endlich den "geheimen" wahrheiten widmen können.

Das Problem ist wie immer ein grammatikalisches:

Arbeit kann man nicht "verzichten".

der Ziegelbrenner?

Bruno - bist du das?

off the topic

grandioser nick!

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