Kommission

Gentechnik in der EU ist künftig Ländersache

Johanna Ruzicka, 12. Juli 2010, 18:10
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    foto: ap/yves logghe

    Ein von Verbraucherschutzkommissar John Dalli ausgearbeiteter Vorschlag überantwortet die Entscheidung, wo eine GVO-freie Zone ist, an die EU-Mitgliedstaaten.

Eine in der EU normalerweise untypische Selbstbestimmung soll es in Sachen Gentechnik auf dem Acker künftig geben

Die EU-Kommission will, dass die Mitgliedstaaten künftig das Recht erhalten, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) auf ihrem Territorium selbstständig zuzulassen oder zu verbieten. Ein entsprechender Vorschlag wird heute, Dienstag, im Umweltministerrat diskutiert. Agrarminister Nikolaus Berlakovich (VP) wertet den EU-Vorschlag als Erfolg für die österreichische Linie, die sich immer gegen den Anbau von GVO-Pflanzen gewehrt habe. Allerdings wird nun befürchtet, dass im Gegenzug zum Selbstbestimmungsrecht die Zulassungsverfahren für GVOs erleichtert und schneller ablaufen werden. Auch könnte dies das Ende für Bioanbau in vielen EU-Staaten bedeuten.

***

Brüssel/Wien - Nach der ersten Vorfreude über die künftige Selbstbestimmung der EU-Mitglieder in Sachen Gentechnik-Anbau kommen nun immer mehr Zweifel auf. Der Vorschlag der EU-Kommission, wonach die einzelnen EU-Mitglieder künftig selbst entscheiden dürfen, wie sie Gentechnik in der Landwirtschaft handhaben, könnte sich als Danaer-Geschenk erweisen.

Insbesondere die Biobauern fürchten, dass ihrem Geschäftsmodell der Boden entzogen wird. Nicht in Österreich, wo sich die Agrarier in ihrer strengen Anti-Gentechnik-Linie bestätigt sehen. Aber in den Ländern, in denen künftig leichter gentechnisch verändertes Saatgut verwendet werden kann und es gleichzeitig auch Biobauern gibt. Also Spanien, Niederlande, Großbritannien, Rumänien, die alle pro Gentechnik sind. Eventuell auch Deutschland, wo die Bundesländer unterschiedliche Vorstellungen zum Gentechnik-Einsatz haben. Heute wollen die Agrarminister über den Vorschlag beraten, mit dem die EU-Kommission das auch für sie unleidliche Thema beenden will.

Die Entscheidung, dass der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen "re-nationalisiert" wird, ist an und für sich ein Sieg der österreichischen Linie, da künftig das erlaubt wird, was hierzulande in Sachen Gentechnik schon seit Jahren gemacht wird: Es können Verbote ausgesprochen werden, ohne dass die Zweifel wissenschaftlich begründet sein müssen.

Weiterhin wird es ein einheitliches europäisches Zulassungsverfahren geben. Wie bisher, werden Zulassungen für GVO-Entwicklungen von der EU-Lebensmittelbehörde Efsa erteilt. Trotzdem soll jeder Mitgliedstaat selbst entscheiden können, den Anbau einer gentechnisch veränderten Pflanze zu verbieten - selbst dann, wenn diese das EU-weite Zulassungsverfahren durchlaufen hat und als "sicher für Mensch, Tier und Umwelt" eingestuft wurde.

Turbo-Zulassungen

Befürchtungen, dass diese Zulassungsverfahren im Gegenzug zur Selbstbestimmung der EU-Länder künftig schneller ablaufen werden, wies Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (VP) zurück: "Das ist ein Gerücht und Panikmache." Auch, dass es damit zu mehr und schnelleren Zulassungen kommen würde, wies der Minister zurück. Allerdings hat die Gentechnik-Industrie viele neuer Entwicklungen in der Pipeline, wie Jens Karg von Global 2000 betont. Den Umweltschützern geht es darum, dass effiziente Koexistenz-Regeln geschaffen werden, die das Nebeneinander von traditionellem Anbau und solchem mit Gentechnik für die Grenzgebiete regeln. Dafür stehe noch viel Forschungsarbeit an, erklärt Greenpeace-Mann Philipp Strohm. Noch immer sei nicht bekannt, wie weit Pollenflug reichen kann. "Beim Mais kann das zwischen 200 Meter und sechs Kilometer liegen" . Auch muss die Haftungsfrage geregelt werden, also wie Bauern entschädigt werden, deren traditionell gezogene Ernte mit GVO-Ware durchmischt wird.DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 67
1 2
t ttttt
01
14.7.2010, 14:01
verdammte...

...ökofritzen hippies!!! hoffentlich sinds wegen ihrer gentechnikphobie alle ungeimpft dann löst sich das problem eh bald von selbst!!!
nein im ernst!!! es ist unglaublich wie eingebildet die leute sind!!! einerseits gegen den welthunger protesitieren und andererseits mit phobischen (heißt keine ahnung haben und trotzdem schrein) vorderungen anderer länder exportorientirte landwirtschaft auf bio einstellen so dass nichts für die bevölkerung übrig bleiben kann!!! wenn ich in europa am meisten geld für meinen gentechnik freien mais kriege dann verkauf ich ihn natürlich ins subventionierte europa und halt meine lebensmittelpreise somit auf europäischem niveau in ländern deren arbeiter mit 100€ gut bezahlt sind!!!

Herb All
00
Ihnen, sowie vielen anderen Postern hier

scheint entgangen zu sein dass es hier einzig und allein um die patentierung geht!
Nicht um höheren Ertrag( dasgegenteil ist sogar der fall, wie sich in indien gezeigt hat) und erst recht nicht um den welthunger zu bekämpfen!

Hier ein echter Artikel zum Thema:
http://www.zeit.de/2011/01/G... ungsmittel

mit freundlichen Grüssen ein "ökofritzen hippie" ;P

t ttttt
00
ja...

...und das patent ist natürlich auch was wert wenn es sich nicht durch einen hören nutzensfaktor auszeichnet???

Herb All
00

fallsas sie wirklich(!) interessiert kann ich follgende Doku empfehlen!

http://www.youtube.com/watch?v=gDrvFiRwWP8

t ttttt
00
ohne...

...diese "dokumentation" fertig gesehen zu haben sage ich dir dass sie wirklich überspitzt ist!!!
und wissenschaft hat schon immer opfer gefordert... hätte in der steinzeit jeder geschrien wir werden abfackeln gäbe es unsere spezies nicht mehr!!!

*esofan*
10
13.7.2010, 13:49

diese feige lösung ist eine missgeburt von barroso !!

popokatepetl
02
13.7.2010, 11:21
was heißt hier NICHT WISSENSCHAFTLICH BEGRÜBNDET!?!?

die egntech-lobby und die WTO haben das vorsorgeprinzip nur nicht anerkannt. dann wird gelogen es gäbe keine wissenschaftlichen gründe gegen GVOs inm Agrarsektor. Und WIE es die gibt! zu hauf und einer wichtiger als der andre:

http://derstandard.at/2618497

zickzackiño
45
13.7.2010, 11:09

wieder ein markt auf dem das kleine österreich punkten könnte und der wegen ein paar biobauern abgelehnt wird. man möchte meinen, dass das debakel der atomkraft die österreicher eines besseren belehrt hätte, aber nein. und jetzt gibts die atomkraft halt an den grenzen österreichs, bloss dass die gewinne halt anderen zugute kommen. bravo ;)

einer der gründe warum ich mein glück lieber im ausland versucht (und gefunden) habe wo nicht technikfeindliche hysteriker allen anderen ihre phobien aufzwängen.

bisher läufts in österreich ja trotzdem ganz gut, aber wie lange noch ? welche hysterie wird als nächstes künstlich geschürt werden um einen neuen zivilisatorischen fortschritt zu verhindern ?

Schobo
10
13.7.2010, 15:32
Sie dürften schon ziemlich lange weg sein,

ich schätze 40 - 50 Jahre.
Die"paar Biobauern" sind mittlerweile ca. 21.000 mit über 500.000 ha, das sind mehr als 20 % der landwirtschaftlichen Fläche in Österreich. Tendenz steigend.

marillensuppe
12
13.7.2010, 12:40

"einer der gründe warum ich mein glück lieber im ausland versucht (und gefunden) habe wo nicht technikfeindliche hysteriker allen anderen ihre phobien aufzwängen. "

das war eine sehr kluge entscheidung von dir.

bleib ruhig dort.

ordinaryvan
11
13.7.2010, 13:34

das sagt man in diesem forum aber auch dauernd. darf man jetzt keine meinung mehr haben, nur weil man die staatsgrenzen hinter sich gelassen hat? schöne grüsse vom tellerrand, übrigens.

zickzackiño
11
13.7.2010, 12:54

darf ich ohne gesinnungstest wenigstens noch auf urlaub kommen ;)

marillensuppe
00
15.7.2010, 09:45

wenn dich
urlaube
bei technikfeindlichen hysterikern,
die allen anderen ihre phobien aufzwingen,
antörnen,
warum nicht? :-)

Gerhard Müller
00
13.7.2010, 14:03
Wozu?

Sehe keinen Bedarf.

zickzackiño
11
13.7.2010, 14:07

dann müssts halt eure stasigestapo den sommer über auf den östereichischen fluhafen postieren um mich davon abzuhalten, denn ich werds mir wohl nciht nehmen lassen, trotzdem zu kommen :p

Kapitalismus Luege
12
13.7.2010, 10:45
Die Manager kriegen ihr Fressen ausn Ökomarkt

für die lohnabhängigen Prolos tut's GM Futter noch immer.

Helmut.Hromadnik
 
17
13.7.2010, 09:35
Die selbstbestimmung hätte nur dann einen sinn,

wenn die ländergrenzen mit pollendichten mauern umgeben wären, die sich bis in die stratosphäre erheben.

Mit solchen "schmähs" wie selbstbestimmung täuscht man die bürger darüber hinweg, dass die kommission in wahrheit die interessen der gentechnikkonzerne vertritt.

zickzackiño
00
13.7.2010, 11:11

ich dachte immer, das böse an 'den genpflanzen' wäre, dass sie die bauern abhängig machen weil aus den pflanzen kein fortpflanzungsfähiges samenmaterial gewonnen werden kann ;)

aktuelle Epoche: DesInformationszeitalter
11
13.7.2010, 10:50

Völlig richtig, die Naivität die Natur würde sich an Staatsgrenzen halten ist ja nicht auszuhalten.

ordinaryvan
10
13.7.2010, 13:35

trösten sie sich:
die naivität, zu glauben, dass das nicht bei der entsprechenden gesetzgebung (vgl. im text zum pollenflug von mais) zumindest angedacht werden würde, ist auch nur schwer auszuhalten.

Alpensaga_Wurzel
10
13.7.2010, 09:18
Brasilien, die USA und Kanada wird's freuen...

...die können auch weiterhin ihre GV-Ernte nach Europa exportieren und bleiben konkurrenzfähig,.

Salz Burger
00
28.9.2010, 18:31

Eben. Und auch hier in Mitteleuropa werden sich einige freuen. Die Tschechen beispielsweise.

max1210
13
13.7.2010, 07:49
Gentechnik für Lebensmittel weltweit verbieten

DANKE. Kann mir ein Konzern garantieren daß es langfristig (jahrzehnte) keine Gesundheitsschäden verursacht? Nein! Also weg damit. Wir haben auch so genug zu essen, und viel bessere Qualität.

Nelda
11
13.7.2010, 12:17

Ja, wir in Europa und Nordamerika haben vielleicht genug zu essen, aber nicht die ganze Welt! Ein bisschen über den Tellerrand hinausschauen, bitte! Und die Hungersnöte, die es noch vor hundertfünfzig Jahren auch in Europa gegeben hat (Irland!) können nur durch die segensreiche Erfindung der künstlichen (!) Dünger und der Schädlingsbekämpfungsmittel verhindert werden! Zukünftig kann die Ernährung der wachsenden Bevölkerung nur durch gentechnisch erzeugte Lebensmittel gesichert werden, ob uns das passt oder nicht.

Jadzia Dax1
00
19.7.2010, 10:53

GV-Sonja und GV-Weizen landen aber nicht auf dem Teller der Hungernden in der 3. Welt sondern in den Mägen von Schweinen/Rindern/Hühnern der 1. Welt.

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