Paparotti

Die Maturapromis

Thomas Rottenberg, 12. Juli 2010 16:38

Rudi Roubinek, Sandra Kindermann, Tanja Duhovich und Gitta Saxx haben auf Events eine Rolle zu spielen - "Aber" sagen dürfen sie aber nicht

Ich habe keine Ahnung, ob irgendein Maturant Rudi Roubinek bewusst wahrgenommen hat. Und bei Sandra Kindermann bin ich ziemlich sicher, dass kein Jugendlicher in Side wusste, wer da auf der Liege oder im Pool nebenan herumlag: „Das war damals lustig - aber sonst nix", erklärte mir die Miss Vienna aus 2008, als ich zugab keinen blassen Schimmer zu haben, wer sie ist.

Kindermann, Roubinek und ich verbrachten eineinhalb Tage im Havana-Club, der Chillout-Zone von Dietmar Tunkels Massenmaturareise „Summersplash" in der Türkei. Roubinek - bekannter als Kaiser Roberts Seyfenstein- und Kindermann waren Teil des ViP-Aufputzes den zu solchen Events mitgenommene TV-Crews brauchen, um Geschichten für jene Formate fertigen zu können, bei denen die Frage „warum eigentlich?" als Störung des Konzeptes gilt.

Beruf: Testimonial

Klar könnten Chili (hier in Side) oder Life & Pink (zwei Wochen zuvor in Antalya bei „X-Jam") einfach feiernde Teenies abfilmen und den jeweiligen Stargast (hier: David Guetta, dort Beth Ditto) die Großartigkeit des Auftraggebers loben lassen - bloß: Society-TV funktioniert so nicht. Schon lange nicht mehr. Das Volk will von bekannten, eingeführten Gesichtern hören, dass das, was die bekannten, eingeführten Gesichter hier gerade erleben, sensationell und großartig ist. Also sorgt jeder Eventveranstalter dafür, dass bekannte und eingeführte Gesichter da sind. Punkt.

Denn auch wenn es nett ist, wenn tausende Kids in einer gebrandeten Umgebung die Namen von Versicherungen, Handyherstellern, Mobilfunkern oder Ketten als Präfix zu „Strand", „Bühne" oder „Bar" verwenden: glücklich sind Sponsoren erst, wenn ihre Logos hinter bekannten und eingeführten Gesichtern stehen, wenn diese erzählen, wie super hier alles ist. Und auch wenn es den Kids vor Ort gar nicht auffiel, wer da mitgekommen war und obwohl etliche Promis die für sie abgezäunten Bereiche kaum verließen, sieht das in der Berichterstattung anders aus.

Ein Tag am Meer

Rudi Roubinek etwa war genau einen Tag bei Summersplash. Aber in der ORF-Berichterstattung wird das anders gewirkt haben. Auch Sandra Kindermann und der Beachvolleyballer Oliver Stamm hatten fast Null Kontakt mit den Kids - stehen aber medial als Testimonials für die ganze Reise da.

Stamm gleich doppelt: Er war zwei Wochen zuvor bei „X-Jam" - und lachte mit „Jahrhundertplaymate" Gitta Saxx und Ex-Miss-Austria Tanja Duhovich unter anderem aus einer mehrseitigen Reportage des Seitenblicke-Magazins: Die Kids machten auch dort - optisch - bloß den Aufputz zur Geschichte über die (vom Publikum angenommene und daher nicht in Frage zu stellende) kollektive Dauerparty eines ganzen Abschlussjahrganges. Beziehungsweise der Hälfte aller Absolventen 2010.

Dass sich darüber trefflich lästern lässt, ist auch klar. Und nachvollziehbar. Schließlich stimmt alles, was die Daheimgebliebenen über den perpetuierten hormonellen Ausnahmezustand der Frischreifen zu wissen vermeinen. Besser: Es stimmt auch.
Bloß: Mit Rudi Roubinek am/im Pool zu liegen und zu seufzen, dass die eigenen Maturareisen zu schottischen Schlössern oder anderen kulturell-elterlich herzeigbaren Orten geführt haben, ist nur ein Teil der Wahrheit. Die lässt sich sogar in eine neckische Alte-Säcke-am-Strand-schauen-jungen-Mädchen-nach-Geschichte einbauen.

Eventuell passt hier auch noch die neidig-kulturpessimistische Conclusio, dass auch die anderen alten Säcke seufzend einräumen, dass es eben Fakt ist, dass Kids sich nach der Matura die Kante geben, rein.

Sogar wenn dann ein Marketingleiter (und Vater einer bald Siebzehnjährigen) sagt, das es für ihn ein Horror sei, sich genau vorzustellen, wie hier gefeiert wird, passt das noch in die „die wollen nur f**ken"-Geschichten-Erwartungshaltung. Nur Papas Nachsatz fliegt dann raus: Dass es ihm allemal lieber ist, seine Tochter hat hier - abgeschottet von der Außenwelt, bewacht von heimischen Securities, betreut von österreichischen Ärzten und benebelt von aus Österreich mitgebrachten (und gestreckten) Sponsorgetränken - die „Party ihres Lebens". Denn die Alternativ-Horrorvision, dass das Fräulein Tochter mit vier Freundinnen ebenso zugedröhnt in Mallorca oder Ibiza in der Nacht am Strand abhängen und eine Gruppe betrunkener deutscher oder britischer Mit-Dreißiger daherkommen könnte, geht nicht auf Sendung. Nie.

Schlicht und einfach, weil so ein „aber" nicht in Adabei- oder Partyberichterstattung passt. Darum sagt so was auch kein als Party-Promi eingeführtes, bekanntes Gesicht. Nicht im „On": Promis werden mitgenommen, um klare Juhu-Botschaften zu vermitteln. Denn eines geht gar nicht: Durch relativierende Aussagen aus der ViP-Rolle zu fallen. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 12. Juli 2010)

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Edina Monsoon
19.07.2010 09:26

"eingeführten Gesichtern"

So wird man also in Österreich prominent - nun darf sich jeder vorstellen, wo das Gesicht wohl "eingeführt" werden muss, um Z-Promi zu werden.

lang leben die Ba/äuer(n)InnenbündlerInnen
14.07.2010 14:07
die deutschen haben das jungelcamp

wir ösis halt spring-, x-jam und co. hüben wie drüben c-promis, bei denen ein one way ticket besser wär als sie wieder ins ursprungsland zurückzubringen.

wieviel bekommt man für so einen trip als promi eigentlich? muss eigentlich ziemlich viel sein wenn man sich für so einen scheiß hergibt.

Erisian Liberation Front
13.07.2010 16:42
Wie peinlich ist das denn?

Da muß ein C-Promi durch einen Z-Journalisten interviewt werden, damit sich der Z-Journalist nicht so sinnlos vorkommt?

Get a life and a job Rottenberg.

franz s.
13.07.2010 14:09
Maturareise?

diese Veranstaltungen haben den Namen „Maturareise“ nicht verdient. Eine gewaltige Geldabzockmaschinerie incl. Massenbesäufnissen, aber Hauptsache „EVENT“!

Anyuser
 
13.07.2010 13:45

Punkt.

Egal.

gratis trinken
13.07.2010 12:58

trauriger artikel.
dass sich erwachsene mit so etwas beschäftigen können.

für die maturanten sind das alles nur ein haufen alter säcke.

Angelika70
13.07.2010 10:58

Tochter war heuer bei X-Jam. Gruppendruck der Klasse. Sie war erwartungsgemäß ziemlich enttäuscht. Dabei hat sie die 1100.- nicht selbst zahlen müssen.

Tja. Chance auf eine wirklich feine Reise mit Freunden verpasst. ;-)

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
13.07.2010 19:50

was ich nicht versteh: wenns da wirklich soviele sponsoren und werbung gibt, wie im artikel beschrieben, wie kann dann noch eine woche immernoch soviel kosten?
so luxuriös werden zimmer und verköstigung ja wohl nicht sein.

RebelAngel
 
13.07.2010 13:03
manche Lehren

sind gar Schmerzhaft...

Angelika70
13.07.2010 14:38

So seh ich das auch. :-)
Daher habe ich vorher meine Gegenargumente gegen dieses X-Jam gebracht, sie dann aber machen lassen.

Ergebnis: vorhersehbar.

RebelAngel
 
13.07.2010 17:06

mich hätte man schon zu Matura-Zeiten dafür bezahlen müssen, mir das anzutun :-D

und mit bezahlen meine ich nicht nur Kost und Logie...sondern RICHTIG VIEL Schmerzensgeld!

Raupe Rosenblatt
13.07.2010 10:13

Da sind mir die Fußball-Analysen von Blue Schneckerl aber lieber, die haben höheren Informationswert.

Ich weiß noch, wie uns damals am 4. Tag im tunesischen Club so fad war, dass wir mit dem Zug nach Tunis gefahren sind, um ein bissl Kultur zu haben.

Susanne_B
13.07.2010 08:39

Als erwachsener Mensch auf MAturafeiern fahren zu müssen - das ist echt der härteste Job, den ich mir vorstellen kann.

Naschgul
13.07.2010 10:14

Ich frag mich bei den Artikeln auch immer, was um alles in der Welt Rottenberg verbrochen hat, dass ihm sowas zugemutet wird. Oder macht der das etwa freiwillig?

Dirty Sanchez
 
13.07.2010 10:03
Wirklich?

Dann stellen Sie sich doch diese Berufe vor:
Benimmtrainer vom HC Strache
Gynäkologe von der Jazz-Gitti
Beichtvater vom Martin Humer
Hund vom Gery Keszler
Diättrainer vom kleinen Pröll
Lebensgefährtinsdarstellerin vom Lugner

Die Liste ließe sich noch fortsetzen.

peter schmidt
 
13.07.2010 13:08
naja die aktuelle

bringt sich eh gerade mit abnehmen und "tabletten" (was immer sich dahinter verbergen mag) um, und alle sehen dabei amüsiert zu.

Mir ist schon klar, dass sie es sich ursprünglich mal selbst so ausgesucht hat, aber irgendwann müssts auch mal Gnade geben und man auf die - eh nicht so großartige Unterhaltung - zugunsten eines Menschenlebens verzichten.

Susanne_B
13.07.2010 11:28

OK. 1 und 2 stell ich mir heftig vor. Als Humers BEichtmutter hätte ich wohl eine Riesenhetz. Keszler ist nicht unsympathisch. Als Diättrainerin des Prölls könnte ich meine sadistischen Neigungen ausleben. Tja, letzteres wäre wieder schrecklich....

Dirty Sanchez
 
13.07.2010 12:33
Unterschätzen Sie die Arbeiten nicht,

als Hund vom Gery Keszler haben Sie keinen Schlaf und müssen von einem Halb-Society-Event zum Nächsten, da begegnen Ihnen Unmengen von Lugners und Co.; als Diattrainerin vom Pröll sind Sie zum Scheitern verdammt und als Humers Beichtmutter werden Sie in die tiefsten Abgründe der menschlichen (?) Seele blicken.
Da ist es sogar entspannender, mit einer offen transportierten Ladung Cognacs durch den Iran und Saudi-Arabien zu fahren. ;-)

Susanne_B
13.07.2010 14:43

Das Hundsi hat es ja gut: versteht die Menschen nciht, kann sich zusammenrollen und schlafen. HErrlich!

Ich bin mir nicht sicher, ob ich als Diättrainerin des Dicken versagen würde - ich kann ziemlich gemein und hartnäckig sein... Manchmal sagt man, ich könnte als Domina durchaus einiges verdienen. :-)

Und den Humer stell ich mir großartig vor! Da braucht man wahrscheinlich nur ein paar Vierterln udn schon nimmt man das mit Humor. Ich erinnere mich noch, wie er einmal im TV mit leuchtenden Augen erzählt hat, wie schwer es sei, den ganzen Tag Pornos zu sehen. Großartig!

Flash Flash
13.07.2010 08:38

Rudi Roubinek und Thomas Rottenberg haben die gleiche Badehaube.

139
13.07.2010 08:32

"Denn die Alternativ-Horrorvision, dass das Fräulein Tochter mit vier Freundinnen ebenso zugedröhnt "

Lustig wie dieses sich ins Nirvana bechern völlig außer Diskussion steht. Das hat der werte Herr Vater hier wohl auch akzeptiert und somit verlagert sich die Verantwortung in Richtung 'Das richtige Umfeld für den Rausch' zu gewährleisten.
Naja schließlich lautet die Devise: Wer nüchtern lebt, lebt nicht!

Susanne_B
13.07.2010 14:20

In meiner Klasse waren immer diejenigen am Schulskikurs als erste besoffen, deren Eltern ein striktes Alkoholverbot ausgesprochen und kontrolliert hatten. Für diejenigen, die auch zu HAuse ein Bier oder ein Glas Wein trinken durften und deren Eltern nciht gebrüllt haben, wenn sie mal betrunken waren, war das Kampftrinken nämlich nur halb so lustig. Sie können sich aber gerne der Illusion hingeben, ein Achtzehnjähriger auf MAturareise kenne sich so genau, dass er (a) weiß, wann er genug hat und (b) statt eines Cocktails lieber mal ein Glas Wasser trinkt. Wundern Sie sich aber bitte nicht, wenn Ihre Kinder der wunschvorstellung nicht entsprechen können - das können ja viele Erwachsene nicht.
BTW: Der Teufel hat NICHT den Schnaps gemacht!

brummbaer
13.07.2010 08:58

auf unserer maturareise 1983 haben wir uns in griechenland selbstverständlich nur apfelsaft in den tarvernen bestellt. der unterschied zu heute: wir hatten unsere ruhe und trotzdem VIEL spass

Dirty Sanchez
 
13.07.2010 07:41
Investigativer Journalismus in seiner reinsten, härtesten und unverblümtesten Form!

Pulitzerpreisverdächtig. Wen interessiert denn noch das Elend der Welt, wenn er über irgendwelche Halbwichtigen als bezahltr Gäste auf Maturareisen lesen darf! Weiter so, Standard!

Lorenzo von Matterhorn
 
13.07.2010 06:39

werden noch wetten angenommen, bzgl wann sich hc strache auf den maturareise blicken lässt?

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