Auch andere Öl-Gesellschaften in der Kritik: Hälfte aller Nordsee-Bohrinseln veraltet
Oslo - Der durch die Erdöl-Katastrophe im Golf von Mexiko in Bedrängnis geratene britische Ölkonzern BP ist nun auch in der Nordsee im Hinblick mit schwer wiegenden Vorwürfen konfrontiert worden. Der norwegischen Tageszeitung "Dagbladet" (Online-Ausgabe) zufolge, sei das von BP betriebene Feld "Valhall" in Fachkreisen als "größter Schrottplatz der Nordsee" bekannt.
Kritik gibt es auch gegen die anderen in dem nordatlantischen Meeresteil aktiven Konzerne. Insgesamt soll die Hälfte aller rund 100 Erdöl-Plattformen in der Nordsee veraltet sein und mit Pumpen arbeiten, die vom technischen Standpunkt längst ausrangiert gehörten. Grund für die vernachlässigenden Praktiken sei es, die Kosten möglichst niedrig zu halten. Dominierender Betreiber ist die norwegische Statoil.
"Dagbladet" stützt seine Informationen auf eine anonyme Quelle. Diese beschreibt BP als "Klassenschlimmsten" unter den Nordsee-Ölkonzernen. Die Briten hätten eine geradezu "zynische Sicherheitskultur". Die Rohre der BP-Bohrinseln seien durch Bakterienbefall an der Innenseite teilweise oft derart durchgerostet, dass es kaum mehr möglich sei, sie auseinander zu schrauben. BP habe trotz der bekannten schweren Mängel im Mai dieses Jahres erneut eine Betriebslizenz für ihre Bohrinseln bekommen.
Der norwegische BP-Sprecher Olav Fjells wies die Vorwürfe gegen sein Unternehmen zurück und forderte eine unabhängige Untersuchung. Außerdem kündigte Fjells gegenüber "Dagbladet" die Erneuerung von Bohr-Ausrüstung und den Einsatz neuer Plattformen in der Nordsee an: "Vieles davon wird schon im Lauf des Herbst an Ort und Stelle sein", so der Sprecher.
Laut einer Sprecherin der Bohrinsel-Aufsicht sind derzeit rund die Hälfte aller Fördereinrichtungen auf dem norwegischen Kontinentalsockel veraltet. In den kommenden zehn Jahren werden laut der Sprecherin weitere 25 Bohrinseln ihre technische Lebensdauer überschritten haben.
In der Vergangenheit kam es bei verschiedenen Konzernen mehrfach zu Erdöl-Austritten in die Nordsee. Einige Zwischenfälle sollen trotz Meldepflicht niemals an die norwegische Bohrinsel-Aufsichtsbehörde (Petroleumtilsynet) gemeldet worden sein. Zuletzt gab es im Juni auf einer dänischen Nordsee-Bohrinsel Probleme mit Pumpen, die jeweils zum Ausfließen von Erdöl ins Meer führten. Auch diese Vorfälle gelangten erst mit Zeitverzögerung an die Öffentlichkeit. (APA)