derStandard.at-Reportage

"Ich glaub, die ist Politikerin"

Julia Hold, 12. Juli 2010 15:30
  • Artikelbild
    Foto: apa/georg hochmuth

    Schon vor Beginn der Vorlesung waren die Kinder neugierig

  • Artikelbild
    Foto: apa/georg hochmuth

    Wissenschaftsministerin Karl vor ihrem jungen Publikum.

  • Artikelbild
    Foto: hold

    Sara macht sich bereit, um Ministerin Karl mit einer besonders schwierigen Frage herauszufordern.

  • Artikelbild
    Foto: hold

    Zwischendurch ließ die Konzentration auch mal nach.

  • Artikelbild
    Foto: benedikt loebell

    Am Ende der Vorlesung bekommen die Studierenden Stempel für ihren Uni-Pass.

Wissenschaftsministerin Karl hielt eine Vorlesung an der Kinderuni - Fragen zur Unipolitik musste sie ausnahmsweise keine beantworten

Vorlesungsbeginn am Campus der Uni Wien. Ein Mädchen kontrolliert den Inhalt ihres rosaroten Rucksacks mit Prinzessinnen-Aufdruck: Bleistift, Radiergummi und Block sind ordnungsgemäß eingepackt und bereit für den Vortrag. Einige Studenten versichern sich noch bei ihren Eltern, ob sie nach der Vorlesung auch wirklich abgeholt werden. Einer nimmt einen kräftigen Schluck aus seiner Spongebob-Trinkflasche.

„Ich glaub, die ist Politikerin“

Die Uni gehört ab heute für zwei Wochen nämlich den Kleinen. In der „Kinderuni Wien“ können sie das Studieren ausprobieren – ganz ohne Studiengebühren und mit einem gratis T-Shirt bei Inskription. Heute erwarten die Kinder einen besonderen Gast, der eine Vorlesung zum Thema „Alles, was Recht ist“ halten wird. Den großen Auflauf von Presse und Fotografen können sich allerdings nur die Wenigsten erklären. „Ich glaub, die ist Politikerin“, vermutet eine. Sie hat Recht. Denn Vortragende ist heute Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Erfahrung als Dozentin hat sie, denn sie unterrichtete nach ihrem Rechtswissenschafts-Studium an der Uni Graz.

Wie Gesetze entstehen

Die etwa 50 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren haben inzwischen Platz genommen und warten auf den Beginn der Vorlesung. Sara kennt das bereits. Die 11-Jährige war immerhin schon letztes Jahr probestudieren. Aber eigentlich will sie später gar nicht richtig studieren, erklärt sie. „Ich will eigentlich viel lieber Schauspielerin werden.“ Ministerin Karl kennt auch sie nicht. Trotzdem freut sie sich auf die Vorlesung und hat auch schon einige Fragen vorbereitet. Möglichkeiten, Fragen zu stellen, gibt es während des Vortrags der Ministerin genug. Immerhin ist das Themengebiet der Vorlesung komplex, es geht um Gesetze und wie diese in Österreich entstehen.

„Schule schließen“

Der Vortrag beginnt. Karl trägt, genau wie die meisten ihrer Zuhörer, das rote Shirt der Kinderuni. Nach der Eingangsfrage, ob denn alle das Match gestern gesehen hätten, hat sie die Aufmerksamkeit der Kinder auf ihrer Seite.  Ein paar Mädchen schreiben emsig mit, die meisten der mitgebrachten Notizblöcke bleiben allerdings leer. Denn hier ist Interaktion gefragt. Eine Abstimmung im Nationalrat wird nachgestellt.

„Worüber soll abgestimmt werden?“, fragt Karl. Ein Bub antwortet: „Dass die Schule für immer geschlossen werden soll!“. Einige springen sofort begeistert auf.  Damit wäre das Gesetz eigentlich angenommen, allerdings zeigt sich Karl mit dem Gesetzesvorschlag unglücklich. Es kommt zu einer gütlichen Einigung über einen späteren Schulbeginn anstelle einer kompletten Abschaffung der Schulpflicht. Die Neo-Parlamentarier sind auch damit zufrieden.

Dringliche Anfragen

Im Laufe der Vorlesung dürfen sie immer wieder Fragen stellen, die Ministerin versucht redlich auch die kniffligsten („Warum darf mein Nachbar Sträucher über der Grundstücksgrenze aufstellen?“) zu beantworten. Die Vorlesung dauert eine Stunde, dann dürfen sich die zukünftigen Studenten von der Ministerin persönlich einen Stempel für ihren Kinderuni-Pass holen. Die Meinungen über die Qualität der Vorlesung sind geteilt. Sara hat es gut gefallen, der siebenjährige Gregor hingegen fand es „ur fad.“ (Julia Hold, derStandard.at, 12.7.2010)

Newalds Photoblog: Kinderuni in Wien

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
smea_gol
05.08.2010 16:18

nun, hat fr.karl auch die frage bekommen, darf ich als ministerin gesetze willkürlich anwenden oder nicht? so wie den lieben notfallparagraphen?

celesto
16.07.2010 18:42

obwohl es sicher super is für die kleinen, aber das ist wieder ein beispiel, wo die uni geld zum fenster raushaut für solche sachen...da muss man der uni schon sagen, dass sie auch richtig investieren soll, wenn sie mehr geld vom staat verlangt und dass sollte sie auch kriegen. die pensionsfonds sind 30 Mrd schwer, die uni-fonds nur 2 Mrd. hallo?

Raubkopierer
26.07.2010 18:15

man sieht wo die prioritäten liegen. kaum ein politiker wird auf seine alten tag noch einen studienplatz beanspruchen wollen, eher schon eine pension.

manfredo 66
13.07.2010 13:59
Sag mal, kommentieren eigentlich hier nur Frustwuchteln? :-)

Also, Kinder-Uni ist doch was Gutes. Finde ich halt.

einer123
26.07.2010 11:30

das personal ist gepisst, dass die unis kaputtgespart werden. aber die kinder sind eh lieb, vor allem die karl

Alec
14.07.2010 22:32
Antwort: Ja, sehr sehr viele.

Und ALLE kennen sich aus!

systemfehler1
13.07.2010 10:35
"Ich glaub, die ist Politikerin"

Werch ein Illtum.

Hikikomori
26.07.2010 00:47

Ich glaube die tut nur so, als wäre sie eine...

Kirgo
13.07.2010 09:27

Nette Aktion!

Kirgo
13.07.2010 11:55

Äh sorry.. ich meinte natürlich ganz ganz schlimme Aktion...unfassbar...ist ja wirklich so böse was hier gemacht wird...uff die armen Kids

standardabweichung
13.07.2010 09:15

tja, kinderküssen ist eine kardinalstugend der politik.

dr.no3
13.07.2010 11:31
in der kirche ist das schon was anderes

systemfehler1
13.07.2010 10:36
...und der Kirche.

Mondmann
13.07.2010 09:09
Geh bitte...

Politiker-Pack bei ihrer drittliebsten Beschäftigung nach Kassieren und Packeln: Volkstümelnd unter dasselbe mischen und grinsen, obwohl eigentlich keiner heiß auf sie ist...

Alec
14.07.2010 22:35
Politiker kassieren?

Wo lebst du denn???

Ist doch ein Hungerlohn für so einen besch... Job.

Das ist ja HC-Niveau!

Ganymede
13.07.2010 06:06
"Eine Abstimmung im Nationalrat wird nachgestellt."

Meinungs- und Gehirnlos abstimmen wie der Clubchef es anschafft nachdem die Lobbies seine Taschen prall gefüllt haben. Reine Ver*rschung. Man sollte den Kindern schon sagen, dass sie letztendlich nur über den Tisch gezogen werden von diesen Sozialschmarotzern.

Beatrix Karl, TRETEN SIE ZURÜCK!
13.07.2010 04:28

Und wie viele ECTS hat der Besuch gebracht? Freiwillig würde sich wohl niemand das Gelaber unserer Bundesministerin fürs Kaputtsparen der Hochschulen anhören...

:
13.07.2010 00:42

Neulich war in Nature eine ganzseitig Anzeige:

Research Location Austria - www.investinaustria.at

Vielleicht sollte österreich erst mal in Wissenschaft investieren, bevor man die Investoren bittet, in Österreich zu investieren. Die Kinderuni ist eine nette Idee, aber angesichsts der österreichischen Wissenschaftspolitik hab ich das Gefühl, dass sie über die Kinderuni nicht hinauskommt.

mtcup
 
12.07.2010 23:12
der Gregor

gefaellt mir jetzt schon, aus dem wird mal was!:)

populäre Front
 
13.07.2010 14:00
Ich wage mal einen Blick in meine Kristallkugel ;-)...

http://www.youtube.com/watch?v=XGSG1aJvYaM

Mirstetta Toni
13.07.2010 09:51

hihi.

Die Hummel
 
12.07.2010 22:57

Angeblich ist die Karl ja ziemlich klein ...

Michael Food
12.07.2010 22:15
attraktiv

Endlich einmal eine Frauenpolitikerin, die man(N) gerne sieht.

Wesentliches (Un)Wesen
13.07.2010 09:40

Wie hoch war die Geschwindigkeit mit der Sie gegen den harten Gegenstand geknallt sind?

Megacruiser
13.07.2010 07:55

frauenpolitikerin?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.