Wien-Aspern

Schöne neue Vorstadt mit Hindernissen

Martina Stemmer , 12. Juli 2010, 09:25
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    Nicht nur Wien, auch München wird in den nächsten Jahren massiv wachsen: Das Wohnhaus der Genossenschaft Wagnis (links) lockt junges Publikum nach Riem

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    Mittels ökumenischen Zentrums (rechts) will man die 14.500 Bewohner zusammenschweißen

Das alte Flugfeld soll sich zu einem Wohnviertel entwickeln. In München siedelten sich bereits vor zehn Jahren die ersten Jungfamilien in einem von der Stadt hochgezogenen Quartier am Rand an

München/Wien - Die von Bäumen gesäumten Zufahrtsstraßen sind schnurgerade, die dreistöckigen Wohnblocks in verschiedenen Pastelltönen gestrichen. Dass dieser Teil von München nicht natürlich gewachsen ist, ist auch heute noch, elf Jahre nachdem die ersten Mieter in die "Messestadt Riem" gezogen sind, auf den ersten Blick sichtbar. Vor allem im ältesten Teil rund um das Einkaufszentrum hat man sich auf das Wesentliche konzentriert - und günstigen, jungfamilientauglichen Wohnraum mit U-Bahn-Anbindung geschaffen.

Seit Mitte der Neunziger bemüht sich die Münchner Stadtverwaltung um die Entwicklung dieses 555 Hektar großen Areals auf dem ehemaligen Flughafengelände am östlichen Stadtrand. Wien hat ein sehr ähnliches Projekt am Start: In Aspern - ebenfalls ein altes Flugfeld - soll ein neues Quartier für 20.000 Bewohner entstehen. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) holte sich deshalb vor Ort Ratschläge für das Hochziehen eines neuen Viertels - und schaute sich im Wohngebiet neben der Münchner Messe um.

Laut Projektkoordinator Norbert Wendrich machten dort den Stadtentwicklern vor allem zwei Dinge zu schaffen: Zum einen die Frage der sozialen Durchmischung, zum anderen die Parkplatzproblematik. "Riem galt lange Zeit als Armutsinsel", sagt Wendrich. Denn anstatt wie geplant jeweils zu einem Drittel Sozialwohnungen, geförderte beziehungsweise freifinanzierte Eigentumswohnungen anzubieten, wurden anfangs großteils geförderte Mietshäuser errichtet. Inzwischen sind aber auch eine Reihe alternativer Wohnformen für Besserverdiener entstanden - etwa das selbstverwaltete Wohnhaus mit Kleingärten der jungen Genossenschaft Wagnis.

Ökologisches Vorbild Wien

Vom ursprünglichen Plan, Gemeinschaftsgaragen zu errichten, in denen auf eine Wohnung nur 0,5 Stellplätze fallen, blieb ebenfalls wenig übrig. "Dagegen gab es enormen Widerstand", sagt Wendrich. Inzwischen gehört wieder zu jeder Wohnung ein Parkplatz. In Aspern liegt die geplante Parkplatzdichte momentan bei 0,7 pro Wohnung. Stadtrat Ludwig hofft, damit durchzukommen.

In Riem, das bis 2013 fertiggestellt sein soll, leben großteils Familien. Das Schulgebäude musste bereits vergrößert werden. In Wien sollen auch ältere, alleinstehende Menschen ins Stadtentwicklungsgebiet im 22. Bezirk ziehen, sagt Ludwig. "Die generationsmäßige Durchmischung werden wir in Aspern sicher noch mehr betonen."

Der Wiener Wohnbaustadtrat schaute sich aber nicht nur die neue Vorstadt an, er eröffnete auch gleich die Ausstellung "Wiener Wohnbau" im Münchner Haus der Architektur. Seit zwei Jahren ist die Schau auf Europa-Tournee, erstmals war sie bei der Biennale in Venedig zu sehen. Dabei werden die Entwicklungen des Wiener Wohnbaus der letzten 100 Jahre nachgezeichnet.

Laut Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, wie Ludwig Sozialdemokrat, ist Wien in Sachen Wohnbau "leuchtendes Vorbild". Vor allem in ökologischen Fragen sei Wien München weit voraus, sagt der rote Stadtpolitiker, der gemeinsam mit den Grünen regiert.(Martina Stemmer, DER STANDAD Printausgabe 12.7.2010)

 

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