Nur zehn Prozent der versprochenen Hilfsgelder wurden nach Haiti überwiesen. Schuld wird der Regierung gegeben - und den offiziellen Komitees
Port-au-Prince - Versprechen werden in der Politik immer gemacht, gebrochen werden sie fast ebenso so oft. Auch in Haiti, dass am Montag vor einem halben Jahr von einem katastrophalen Erdbeben heimgesucht worden ist. Umgerechnet 4,19 Milliarden Euro hat die internationale Gemeinschaft für den Wiederaufbau zugesagt, angekommen sind bisher nur zehn Prozent, kritisiert der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, der die Verwendung der Gelder mitkontrollieren soll.
Tatsächlich Geld überwiesen hätten bisher nur Brasilien, Norwegen und Australien. Auch die USA hätten Geld in den Hilfsfonds eingezahlt, aber nur 23,7 Millionen Euro statt der angekündigten 910 Millionen Euro. Der große Rest der Staaten habe lediglich Schulden erlassen.
Kritik an internationalen Komitees
1,6 Millionen Menschen leben nach wie vor unter erbärmlichen Verhältnissen in provisorischen Zeltstädten. Schuld daran geben Hilfsorganisationen und manche Geberländer Haitis Regierung, berichtet der Observer am Sonntag. Andere kritisieren allerdings auch die internationalen Komitees - wie jenes von Clinton.
Schon kurz nach dem Beben, bei dem über 200.000 Menschen starben und durch das 1,6 Millionen obdachlos geworden sind, wurden von Uno, Regierung und NGOs sogenannte Cluster gegründet. Die sollten eigentlich Pläne für den Wiederaufbau der Häuser oder der Gesundheitsinfrastruktur entwickeln. Bisher mit mäßigem Erfolg - noch immer wird beispielsweise debattiert, ob Neubauten eher aus Holz oder Beton sein sollen und ob man größere Gebäude bauen oder die Hauptstadt Port-au-Prince flächenmäßig ausdehnen soll.
Viele Bewohner sehen sich in diesen Kommissionen zu wenig vertreten. Auch die britische NGO ActionAid kritisiert im Observer, dass nur die Wünsche der Geberländer berücksichtigt werden. Die Regierung selbst sei noch immer gelähmt und desorganisiert. Auch die Uno hat Probleme: Am Samstag wurde Bernard Ouellette,
Oberbefehlshaber der UN-Mission Minustah, abgesetzt, da es ihm nicht
gelungen sei, die Moral der Soldaten zu heben. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 12.7.2010)