Dass Wien die Stadt der besten Eissalons weltweit ist, gilt hierorts als ausgemacht
Dass Wien die Stadt der besten Eissalons weltweit ist, gilt hierorts als ausgemacht. Und tatsächlich: Wer Erdbeere am Schwedenplatz, Grapefruit am Hohen Markt oder Nougat in der Tuchlauben kostet, dem fällt Widerspruch schwer. Auch weil Palermo weit ist. Kreativität bei der Sortenauswahl ist aber nicht unsere Stärke. Es verlangt ja keiner, dass wir uns mit Erdnussbutter-Curry und anderen Waghalsigkeiten anfreunden, wie sie im berüchtigt avantgardistischen "ice cream parlor" Humphry Slocombe an der Ecke Harrison und 24th Street in San Francisco angeboten werden - aber als Inspiration kann der Sortenwahnsinn allemal dienen, der da von einem michelinbesternten Patissier gepflogen wird.
Auch weil er die Welt der nicht jugendfreien Eiscreme auslotet. Secret Breakfast etwa, der Topseller, ist eine Kombination aus gerösteten Cornflakes, Obers und so viel Jim Beam, dass die Creme kaum noch friert. Oder Schokolade mit geräucherten Salzflocken. Oder Guinness-Spekulatius, Zuckermais-Brombeer oder Erdbeere mit kandierten Jalapeños. Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang freilich die Konditorei Kaplan in Bad Tatzmannsdorf bleiben, die Eiscreme allerhöchster Qualität mit hohem kreativem Input zu verbinden weiß. Köstlich walderdbeerig, auch nicht jugendfrei: Uhudler-Eis! (Severin Corti, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.07.2010)