Aids kennt keine Grenzen

Von Haiti in den Rest der Welt

20. Juli 2010, 14:41
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    foto: reuters/eliseo fernandez

    US-Forscher fanden 2007 heraus, dass das HI-Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit von Haiti aus in die USA gelangte. Auch dort blieb es längere Zeit unerkannt, bis es 1981 erstmals beschrieben wurde.

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    foto: apa/ramon espinosa

    HI-Viren sollen im Karibikstaat Haiti ungefähr 15 Jahre lang unerkannt zirkuliert sein

Der Karibikstaat gilt als das "Ursprungsland" von Aids - Das Virus zirkulierte 15 Jahre lang unerkannt und gelangte von dort aus in die USA und den Rest der Welt

Haiti hat die höchste HIV-Rate außerhalb Afrikas, vor dem Erdbeben im Jänner 2010 waren 120.000 Menschen des Neun-Millionen-Einwohner-Landes mit dem Virus infiziert. Seit einigen Jahren gilt der Karibikstaat sogar als das "Ursprungsland" von Aids: Das HI-Virus soll in den Sechziger Jahren von Zentralafrika nach Haiti eingeschleppt worden sein, wo es Jahre lang unentdeckt blieb, bis es in die USA gelangte und sich von dort aus weltweit verbreitete.

Wissenschafter erstellen HIV-Verbreitungskarte

Wissenschafter der Universität Arizona in Tuscon haben diese "Haiti-Theorie" 2007 aufgestellt. Dazu analysierten sie Virusproben der ersten bekannten Aids-Patienten aus Haiti, deren Viren zur Variante HIV-1-Gruppe M, Subtyp B und damit zur ersten entdeckten und weltweit am stärksten verbreiteten Variante gehörten. Im Anschluss verglichen sie die Daten mit mehreren Proben aus Afrika, Amerika und dem Rest der Welt und erstellten eine Verbreitungskarte für das Virus.

Demnach gelangte es 1966 bei der Heimkehr haitianischer Arbeiter  aus dem ehemaligen Belgisch-Kongo und späterem Zaire, heute Demokratische Republik Kongo, nach Haiti. Dort verbreitete es sich zunächst über heterosexuellen Geschlechtsverkehr, später auch von Müttern auf Kinder. Die Annahme, dass das Virus wie bisher vermutet direkt aus Afrika in die USA eingeschleppt wurde, konnten die Wissenschafter mit hoher Wahrscheinlichkeit widerlegen: Ein zweites Verfahren ergab, dass es zu 99,8 Prozent via Haiti in die USA gelangte.

Virus blieb 15 Jahre unentdeckt

Der Erreger soll im Karibikstaat ungefähr 15 Jahre lang unerkannt zirkuliert sein: Haiti war und ist eines der ärmsten Länder der Welt, der Bildungsstand war niedrig, die Gesundheitsversorgung schlecht.

Dorothee von Laer, Direktorin der Sektion Virologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, nennt zwei konkretere mögliche Gründe für die Nicht-Entdeckung des Virus. Einerseits könnte die eher unspezifische Symptomatik von Aids daran Schuld sein: Beschwerden wie Durchfall, Gewichtsabnahme oder Lungenentzündung kommen in Staaten wie Haiti ohnehin häufiger vor als in wohlhabenderen Ländern. Hinzu kommt, dass Erkrankungen, die man nicht kennt, leicht fehldiagnostiziert werden - besonders wenn die Dichte der medizinischen Versorgung gering ist. "Erst wenn die Häufigkeit einer neuen Erkrankung deutlich höher ist als die Häufigkeit bekannter ähnlicher Erkrankungen, wird die Aufmerksamkeit des Gesundheitssystems geweckt - also für Aids recht spät", erklärt von Laer.

Eine mögliche zweite Theorie, die man "nicht ausschließen" könne: Die Anpassung des Virus an den Menschen als Wirt könnte vor 1980 noch nicht abgeschlossen gewesen sein. Das würde bedeuten, dass HIV über die Jahre infektiöser und damit immer leichter von Mensch zu Mensch übertragbar wurde.

Von den USA in den Rest der Welt

Von Haiti aus gelangte das Virus vermutlich 1969 in die USA, wo es ebenfalls lange unentdeckt bleibt und erst 1981 - 15 Jahre nach dem erstmaligen "Import" nach Haiti - beschrieben wurde. Der Grund dafür: Forscher vermuten, dass es sich zuerst langsam in der heterosexuellen Bevölkerung verbreitete und erst in der Folge in der Hochrisikio-Gruppe homosexueller Männer. Dort wurde es schließlich bemerkt und gelangte von den USA aus in die ganze Welt. Hätte sich diese rasante Ausbreitung verhindern lassen, wenn das Virus in Haiti schon frühzeitig entdeckt worden wäre? Die Virologin glaubt nicht daran, denn bis heute gebe es kein Mittel, um die Epidemie effektiv zu stoppen. Aber: "Möglicherweise hätte man die Ausbreitung etwas verzögern können."

Die Theorie, Haiti quasi als "Ursprungsland" von HIV zu bezeichnen, hält van Laer nicht für sinnvoll: Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Aids-Epidemie in den USA tatsächlich von einem einzigen Land ausging. "HIV wurde sicherlich mehrmals in die USA eingeschleppt, unter anderem auch aus Haiti." Daher kritisiert die Virologin "dieser Art der Forschung": "Sie birgt das Risiko, dass bestimmte Länder stigmatisiert werden und trägt nicht wesentlich zur Bekämpfung der Epidemie bei." (mak, derStandard.at)

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24 Postings
DagmarRehak
 
00
21.7.2010, 23:12

Nicht seit einigen Jahren und nicht seit 2007.
Das wusste man gesichert schon 1987, dass es aus Haiti kommt.

DagmarRehak
 
00
22.7.2010, 11:12
Nein, sogar 1985.

Damals hat meine Freundin Taïnina Bonaparte, deren Vater aus Haiti stammte, sich deshalb zur Risikogruppe gezählt.
Weiß jemand, was aus ihr geworden ist?

Godesberg
00
23.7.2010, 10:16

Also ich weiß nicht was aus ihrer Freundin geworden ist, aber wissen Sie vielleicht was aus Peter Müller geworden ist? Den hab ich seit der Grundschulzeit nicht mehr gesehen!

Die genetische Bestätigung für die Vermutung, dass das HI-Virus über Haiti in die USA eingewandert ist, gibt es seit 2007.

Die Vermutung hatte man schon 1981, da ungewöhnlich viele Haitianer betroffen waren.

DagmarRehak
 
00
23.7.2010, 14:36

Wenn ungewöhnlich viele Haitianer betroffen waren, ist das durchaus etwas, das man verstehen und worauf man reagieren kann. Man muss nicht auf die genetische Bestätigung warten.

Peter Müller wohnt gleich bei dir ums Eck.

Godesberg
00
24.7.2010, 09:37

Was für eine Reaktion? Haiti bombardieren?

Da geht es nicht um irgendeine Handlungsanweisung, sondern einfach nur darum, dass man wissen will wie der Weg des Virus gewesen ist. Forschung um des puren Wissens wegen.

DagmarRehak
 
01
24.7.2010, 10:23

Komm doch einmal aus deinem gewattätigen Schneckenhaus heraus!
Niemand hat damals Haiti bombardiert, aber meine Freundin hat sich halt gedacht, sie gehört einer Risikogruppe an. Und ein Bewusstsein für Risiko zu entwickeln - egal, ob berechtigt oder nicht - gehört auch zu den möglichen Reaktionen. Man muss nicht immer gleich bombardieren.
Ja, es wurde bestätigt, was man schon lange gewusst hat. Das ist doch schön, oder?

Godesberg
00
24.7.2010, 11:30

Sie hat nicht zu einer Risikogruppe gehört.

DagmarRehak
 
00
24.7.2010, 13:20
Korrekt, Godi.

Wann ist dir denn diese geniale Erkenntnis gekommen?

Und jedem seine eigene Busspur
00
21.7.2010, 13:59
In der arabischen Welt

und in islamischen Ländern ist AIDS praktisch nicht präsent....

1360145
 
00
21.7.2010, 15:49
sie haben prozentuell nur geringfügig weniger aidskranke als in europa

siehe http://www.bpb.de/files/59Q5QT.pdf

derSubStandard
01
20.7.2010, 22:47
bis es in die USA gelangte und sich von dort aus weltweit verbreitete!

Kohlhaas1
01
21.7.2010, 10:54
Lediglich in einem abgeschnittenen Gebiet in dem Inzucht herrscht kann es sich nicht verbreiten.

Mit dem Tourismus kam´s auch zu uns nach Schilda.
Und zwar nicht mit pöhsen US Touris sie hier alles schwängerten was einen Rock an hatte, sonder via Ösi Sextouris.

Wos sogst jetzt ?

Kohlhaas1
00
21.7.2010, 10:47
Und ?

Redwraithvienna
00
21.7.2010, 09:25
und ?

No na net verbreitet es sich von den USA aus wesentlich leichter weltweit als aus einem dritte welt land.

Allein schon wegen der besseren verkehrsanbindungen etc ...

tohuwabohu
00
27.7.2010, 20:42

bessere verkehrsanbindung...nettes wortspiel *hehehe*

Redwraithvienna
00
27.7.2010, 20:43
ich muss allerdings gestehen das dies unbeabsichtigt war

und mir erst im nachhinein aufgefallen ist :)

celiz
04
20.7.2010, 21:10

Die GOP arbeitet darauf hin dass 2012 alles darauf deuten wird dass das Virus aus dem Iran stammt ;-P

Contra gegen alles
13
20.7.2010, 17:40

Letzter Satz trifft auch auf den Artikel zu. "Sie" einfach mit "Er" ersetzen. Trotzdem interessant, danke.

the JJ
00
21.7.2010, 13:03

DIE Art der Forschung...da passt das "sie" schon...

Beamen bei Magnetstürmen
01
21.7.2010, 08:51

Der Forschung?

f 3
01
21.7.2010, 09:08

er - der artikel?

birka
05
20.7.2010, 23:58

im letzten Satz könnte auch "das" durch "dass" ersetzt werden...

nichtkaefer
04
21.7.2010, 00:24

könnte, mus aber nicht (wir sind hier beim Standart).

freezingbreath
30
21.7.2010, 06:48

dachte StandarD?!

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