Irgendwo am Donaukanal wird sich schon ein Platzerl finden. Gemütlich die Beine ausstrecken, ein Kracherl in der Hand, gute Sicht auf einen etwas größeren Bildschirm oder gar eine Leinwand. Das war der Plan. Public Viewing, wenn man so will, halb gemütlich, halb stimmungsvoll, eh nicht unbedingt so groß wie in Berlin. Das sollte sich doch machen lassen, wir leben schließlich in einer Großstadt. Aber schmeck's. Wien ist anders. Entweder viel zu viele Menschen auf viel zu wenig Raum (Herrmanns Strandbar, Flex) oder ein seltsamer Bildschirm ganz ohne Ton (Adria).
Also doch wieder in den Hollerbusch. Wirt nett, Fernseher okay, Sender deutsch, aber von mir aus - Christoph, Hollerbusch-Stammgast aus Bayern, soll auch leben. Dass man drinnen sitzt, macht gar nichts bei der Hitze. Und seit einiger Zeit schon schenkt er Freistädter Bier aus, der Wirt, das ehrt ihn. Der Schopfbraten kann sowieso viel, ab und zu geht sich dann auch noch ein Kaiserschmarren aus.
Nur einen Fehler hat der Hollerbusch. Sonntag Ruhetag, WM-Finale hin oder her. Der Wirt hat sich nicht erweichen lassen, ausnahmsweise aufzusperren. Dabei wäre die Hütte garantiert g'steckt voll gewesen. Aber am Ende, obwohl er gern einmal jammert, der Wirt, geht es ihm wohl doch zu gut. Man fragt sich nur, wo er sich selbst das Finale reinziehen wollte. Hoffentlich hat er es am Donaukanal probiert. (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe, 12.7.2010)