Südafrikas Erfolg als Chance in der Weltpolitik

11. Juli 2010 16:30

Das riesige Land steht nach der WM an der Schwelle zu einer weltpolitischen Rolle

Jede Fußball-WM hat wie Olympische Spiele einen klaren Ablauf - getragen von den sportlichen Leistungen und von der Organisationskraft ihrer Leitungsgremien (Fifa und IOC).

Doch nie war die Angst vor einem Chaos oder vor Unruhen so groß wie im Falle Südafrikas. Die hohe Kriminalität, die fragile Sicherheitslage und grassierende Korruption prägten die mehrheitlich pessimistischen Einschätzungen vor Beginn der WM. Zu Recht.

Nicht wenige Kommentare aber waren von simplen Vorurteilen beeinflusst. Spiele in China, das konnte nur gutgehen - eine durchgehende autoritäre Organisation, fleißige Leute, tüchtige Manager. Aber eine WM in Südafrika? Schlampige Schwarze, schwer erkennbare Verantwortungen, seltsame Kulturen. Das werde in einem Chaos münden.

Das Gegenteil ist eingetreten. Südafrika tickt anders, vor allem für jene europäischen Gehirne, die dieses Land überhaupt nicht oder nur von Besichtigungen der südlichen Weinlandschaften und der Wildtier-Farmen kennen. Der Traum Nelson Mandelas, über eine Fußball-WM nicht nur die innere Solidarität des Landes zu steigern, sondern auch seine Leistungskraft der ganzen Welt zu zeigen, ist zweifellos geglückt.

Gleichzeitig dürfte eine Wandlung im Blick auf den afrikanischen Kontinent eingetreten sein:Es gibt nicht ein Afrika, sondern mindestens drei. Zunächst der muslimische, teils arabische Norden - ohne Ägypten, das zum Nahen Osten gehört. Dann die schwarzafrikanische Mitte, deren Fußballstrukturen von der Korruption fast zerfressen werden und wo mit Ghana ein Land am weitesten kam, das auch die relativ beste Demokratie der Zone hat. Schließlich der Süden mit dem von Robert Mugabe fast zerstörten Simbabwe, mit Mosambik, Namibia und anderen.

Das multiethnische Südafrika hat hier schon seit dem Sturz des Apartheid-Regimes eine führende Rolle gespielt. Jetzt ist es gefestigt, und seine politischen Führer können, wenn sie wollen, vor allem gegenüber Mugabe die Erfolge des historischen Kompromisses ins Treffen führen.

Dieses riesige Land steht nach der WM an der Schwelle zu einer weltpolitischen Rolle - die es aber nur dann ähnlich wie Brasilien nutzen kann, wenn mindestens zwei Bedingungen erfüllt werden:

1.) Wenn der erfolgreich bestandene Stresstest sowohl zu sozialen als auch zu politischen Fortschritten führt.

2.) Wenn man in Sachen Simbabwe mit der EU auf einer Linie vorgeht und die Opposition gegen Mugabe stützt.

Umgekehrt sollte die Europäische Union (so wie es asiatische Staaten mit Sicherheit tun) den positiven Effekt dieser WM und das gestiegene Selbstbewusstsein der Südafrikaner nutzen. Sie stärker einbeziehen bei internationalen Projekten - der Rolle entsprechend, die z. B. Südafrikas Kirchen spielen.

Die Rolle der Medien: Der ORF hat mit seinen Sozial- und Kulturreportagen mitten in den Sportsendungen gezeigt, wie man die Komplexität eines Landes einem Massenpublikum näherbringt. der Standard hat seriell das "andere" Südafrika gezeigt. Diese Ambition sollte nicht verlorengehen. (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2010)

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10 Postings
ja aber
12.07.2010 17:06
gemeistert zum preis von hohen schulden

z.b. sicherheit: laut "der spiegel" kostet JEDES der von der fifa geweunschte schnellgerichtsverfahren den suedafrikanischen steuerzahler im schnitt 200.000 euro. der stadiumumbau etc. rentiert sich (wie in anderen laendern) sowieso nie.

der autor hat von suedafrika sehr wenig erfahrung. z.b. wurden in den letzten jahre in suedafrika mehr weisse farmen umgebracht als in zimbabwe (ohne mugabe verteidigen zu wollen).

der artikel sieht eher nach bezahlter jubelmeldung der fifa statt serioeser berichterstattung aus.

der lobbyist
12.07.2010 12:27
soviel plattheit in so einem kurzen artikel! gerfried sperl hat KEINERLEI ahnung von (aktueller) internationaler politik und den entwicklungen betreffend afrika (und südafrika im speziellen).

Happels Erben
12.07.2010 08:55
Grassierende Korruption

das hat was ...

günter frank
12.07.2010 07:54
ich denke, dem Herrn Sperl..

..kann man im wesentlichen zustimmen.

Leider wird das aber viel zu wenig in den Vordergrund gestellt.

Vor der WM war vom "gefährlichen Südafrika" mit hoher Kriminalität die Rede wo man nur drauf warten musste bis etwas passiert.

Dann ist -- eben nichts passiert.

Südafrika hat die WM supertoll gemeistert, - und das darf man ruhig öfter sagen..

tempa
13.07.2010 14:39

Tja, wer erinnert sich nicht an die Olympischen Spiele in Griechenland und die Befürchtungen im Vorfeld.
Nun, die Spiele waren gut organisiert.Wie wir jetzt wissen, sollte man von der Fähigkeit, ein grosses Sportevent zu managen nicht auf die Fähigkeit schliessen,ein Staatswessen zu organisieren.

Das gilt besonders nicht(entgegen dem Wunschdenken) für Südarika:
Die Situation vor zwei Jahren:
http://www.welt.de/politik/a... stand.html
und heute:
http://www.fr-online.de/in_und_au... fnung.html

http://nachrichten.t-online.de/suedafrik... 4998/index

günter frank
15.07.2010 08:11
dass natürlich...

...eine gut organisierte Fussball WM kein Indikator für die allgemeine positive politische und wirtschaftliche Situation ist ist schon klar, das sieht man am besten in Ländern mit Diktaturen.

Dass Städte wie Johannesburg, (oder New York mit der Bronx oder Rio de Janero) mit Townships die täglich wachsen Probleme mit Kriminalität haben ist auch klar.

Die politische Stabilität auch des südlichen Afrikas kann nicht mit der europäischen verglichen werden, - - da gab ich Ihnen auch recht.

Was ich sagen wollte war, die Fussball WM war eine tolle Chance für Südafrika, und sie haben es gut gemacht.

Man sollte nicht ein Land zuerst kaputtreden und dann totschweigen.

Ernst Guevara
12.07.2010 07:06
ist es nicht ziemlich gewagt, eine "weltpolitische rolle" von der abhaltung der fußball-WM abzuleiten?

scheinbar geht es herrn sperl vielmehr darum, dass die südafrikanische regierung ihre unterstützung für mugabe einstellen soll. das ist ja legitim, aber mit einer herbeiphantasierten "weltpolitischen rolle" hat das eher wenig zu tun. südafrika spielt sicher auf dem afrikanischen kontinent eine wichtige rolle. aber das war auch vor der WM schon so und hängt daher wohl mit anderen faktoren zusammen. und dass das südafrika-bild der europäer seit jeher durch rassismus und vorurteile geprägt ist, stimmt zwar, ist aber nicht gerade die neueste erkenntnis und daran wird auch die WM kaum etwas ändern. und wer von der hohen kriminalität in südafrika schreibt, darf vom rassismus der buren und den sozialen widersprüchen nicht schweigen.

sixela
11.07.2010 19:00
Ja, die WM haben sie gut über die Runden gebracht

Aber abwarten, was jetzt passiert, es werden massive Unruhen erwartet, vor allem gegen die Gastarbeiter aus Simbabwe.

Südafrika ist noch lange nicht über dem Berg. Der verrückte Präsident Jacob Zuma hat alle Chancen, ein zweiter Mugabe (dem die Linke, ja sogar eine zeitlang der Westen lange hofiert haben) zu werden und das Erbe Mandelas - Frieden und nationale Aussöhnung auch mit den Weißen - massiv zu verraten.

CK_DXB
12.07.2010 07:37
Zuma ist kein zweiter Mugabe

Zuma ist politisch sicherlich sehr weit links, rassistisch und vor allem sehr korrupt. Das ist sicherlich nicht die beste Ausgangsbasis für einen Präsidenten.

Er ist aber auch ein Law & Order Mann den man (=die Partei) leider nicht immer so agieren lässt, wie er will.

Ein zweiter Mugabe ist er aber nicht und auch deutlich mehr auf Distanz zu Mugabe als sein Vorgänger Mbeki es war.

Zuma ist seit seiner Wahl rhetorisch und in seinen Aktionen deutlich gemässigter als erwartet und auch vernünftiger als andere Exponenten des ANC.

Zuma hat sich in der jüngeren Vergangenheit auch mehrfach von Mugabe-Freund Julius Malema distanziert und eher zentristische Positionen vertreten.

Frau Ava
12.07.2010 01:50
nix sixela

Ihr koennt es nicht lassen ihr engagierten Miessmacher und Boykottaufrufer.
Suedafrika hat eine hervorragende WM hervorgebracht ob es euch passt oder nix.
Wer behauptet denn dass SA ueber den Berg ist,dies ist erst der Anstieg (nach 300 Jahre Ausbeutung und Unterdrueckung)Leute eurer Coleur sind wohl hinter dem Berg! Wer Zuma mit Mugabe vergleicht hat keine Ahnung von der aktuellen Situation noch von seinem diplomatischen (und pragmatischen) Geschick.

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