Die nächste Generation von Pedelecs hat höhere Reichweiten, ist leichter und soll das angegraute Image der eBikes hinter sich lassen, erklärt KTM-Fahrrad-Chefin Carol Urkauf-Chen
Frage: Das KTM eCross ist „Made in Austria" - viele Teile können aber gar nicht aus Österreich stammen. Woher genau bezieht KTM welche Teile für dieses Rad?
Carol Urkauf-Chen: Ein eCross wird in Österreich produziert und verpackt, das ist „Made in Austria." KTM hat ein weltweites Netz von Lieferanten: Von Shimano aus Japan bezieht KTM für das eCross die 24-Gang-Schaltung, die Kettenrad-Garnitur inklusive Mittellager sowie die Vorderradnabe. Die Antriebseinheit, ein 250 Watt bürstenloser Gleichstrommotor, kommt von der österreichischen Magna-Tochter BionX und wird in Kanada produziert. BionX liefert auch den Lithium-Mangan-Akku mit SANYO-Zellen aus Japan sowie das beleuchtete Multi-Funktions-Display, das als Steuereinheit dient. Aus der Schweiz, von DT Swiss kaufen wir die DT Champion Speichen für das Vorderrad sowie die extra verstärkten DT Alpine 2,3 mm Speichen für das Hinterrad. Der Sattel stammt von Selle Royal aus Italien. Von Ritchey aus den USA kommt der integrierte Steuersatz. Die Bereifung, also Schlauch und Mantel, beziehen wir von der deutschen Qualitätsmarke Schwalbe.Die Federgabel liefert uns Suntour, eine taiwanesische Firma, die im Trekkingradbereich unangefochtener Weltmarktführer ist. In Mattighofen wird der Rahmen entwickelt, der laut KTM eigenem Design und Geometrie, unter strenger Qualitätskontrolle bei der Firma APRO, dem berühmtesten Rahmenbauer in Taiwan, an dem ich beteiligt bin, gebaut wird.
Frage: Welche Arbeitsleistungen erfolgen in Mattighofen?
Carol Urkauf-Chen: KTM hat eine eigene Entwicklungsabteilung mit mehr als zehn Ingenieuren, in der alle Rahmeninnovationen und Anbauteile entworfen werden. Wir verfügen über ein eigenes Testlabor, zudem wurde eigens ein Komplettrad-Teststand entwickelt. Auf diesem ist es KTM möglich ein ganzes Fahrradleben in 70 Stunden zu simulieren und zu testen.
KTM verfügt über eine eigene Laufrad-Fertigung - teils maschinell, teils manuell. Aus einzeln gelieferten Speichen, Naben und Felgen werden hochwertige Qualitätslaufräder gefertigt, die in der nächsten Abteilung mit Bereifung, Zahnkranz und nach Bedarf mit Bremsscheiben et cetera komplettiert werden.
In Mattighofen haben wir eine eigene moderne Lackieranlage - gleiche Technik und Qualität wie die Autoindustrie. Alle verwendeten Lacke sind wasserlöslich und umweltfreundlich.
Frage: Die KTM Fahrrad GmbH beschäftigt 330 Mitarbeiter. Wie viele Fahrräder produziert diese jedes Jahr?
Carol Urkauf-Chen: Von August 2009 bis Juli 2010 verkaufte KTM 190.000 Fahrräder. 160.000 hiervon wurden in Mattighofen, plus 30.000 Einstiegsmodelle von der 100-Prozent-KTM-Tochter in Tschechien produziert, bei der weitere 130 Mitarbeiter tätig sind. Zusätzlich wurden dort circa 70.000 Fahrräder für andere Marken gefertigt. Für das kommende Geschäftsjahr 2010/2011 planen wir den Verkauf von 225.000 KTM Fahrrädern."
Frage: Wie sieht es mit der Entwicklung echter Mountainbikes mit Elektrounterstützung bei KTM aus?
Carol Urkauf-Chen: KTM hat mit dem eRace bereits im September 2009 ein eMTB auf den Markt gebracht. Dieses Rad ist als erstes eMountainbike des gesamten Fahrradbereichs anzusehen. Sowohl das eRace als auch das eCross erfreuen sich vor allem im Tourismus großer Beliebtheit, weil sie nun vielen Gästen ermöglichen, Plätze, Ziele, Almen zu erreichen, die bisher zu Fuß zu weit, mit dem Rad zu beschwerlich oder mit dem Auto verboten waren.
Frage: Was sind die Next-Generation-eBikes?
Carol Urkauf-Chen: KTM entwickelt seit 1995 Pedelecs und hat im vergangenen Herbst zehn sogenannte Next-Generation-Pedelecs eingeführt. Sie haben deutlich mehr Reichweite, geringeres Gewicht und 100 Prozent mehr Einsatzmöglichkeiten: Weg von der mobilen Gehhilfe für Senioren, hin zu einer modernen und attraktiven Fortbewegungsalternative.
Zur Person: Carol Urkauf-Chen stammt aus Taiwan und ist seit 1997 alleinige Eigentümerin der KTM Fahrrad GmbH, und ist am taiwanesischen Fahrrad-Rahmenbauer APRO beteiligt.