Fischer ist "für den freien Hochschulzugang gewesen"

11. Juli 2010 12:54
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    Foto: apa/schlager

    1961 promovierte Heinz Fischer an der Uni Wien als Jurist. 2008 gab es dann von der Universität Tel Aviv ehrenhalber noch einen Doktorhut für das österreichische Staatsoberhaupt.

Jetzt will der Präsident eine einjährige Studieneingangsphase und "das Optimum und nicht das Maximum"

Wien - Die Verkörperung eines zuletzt immer öfter geforderten rot-schwarzen Kompromisses in der Bildungspolitik saß am Sonntag in der ORF-Pressestunde. Und zwar in Person von Bundespräsident Heinz Fischer, der dort die Kernpunkte seiner Antrittsrede, die er am Donnerstag anlässlich der Angelobung für seine zweite Amtszeit gehalten hatte, präzisierte.

Dass Fischer für die gemeinsame Schule der zehn- bis 14-jährigen Kinder ist - natürlich ohne sie so zu nennen, sondern immer verpackt in Sätze mit den Passagen "mit innerer Differenzierung" und "Förderung für Schwächere und besonders Gute" - ist ja nicht neu, und will doch immer wieder diplomatisch ausgesprochen werden, auch vom Staatsoberhaupt.

Dass er aber in der Universitätspolitik - auch mit der Erfahrung als Wissenschaftsminister in den Jahren von 1983 bis 1987 - seinen Kompass neu ausgerichtet hat, machte Fischer am Sonntag noch einmal klar. "Ich bin für den freien Hochschulzugang gewesen" , sagte der Präsident wörtlich, nachdem er sein Festhalten "am Grundgedanken des freien Hochschulzugangs" deponiert hatte. Denn in der Zeit, in der er also noch für den freien Hochschulzugang "gewesen" ist, habe es "noch andere Bedingungen" gegeben.

Wie anders? Am Beginn von Fischers Ministerzeit tummelten sich an den österreichischen Universitäten 142.000 Studierende. 25 Jahre später sind es 267.084. Dabei sprach Fischer damals, 1984, von einer gewissen Stabilisierung und einer zu erwartenden nur mehr geringen Steigerung bei den Studierendenzahlen.

Heute ist es für ihn an der Zeit, das Ziel des freien Uni-Zugangs "den Realitäten anzupassen" , sagte Fischer. Denn es gebe "keine guten Regelungen" für den Uni-Zugang, und die Studierenden "leiden darunter" , dass die Unis in bestimmten Bereichen "unübersehbar verstopft sind" . Da müsse die Politik einen "Durchbruch schaffen" , mit dem Ziel, "die Zahl der Studierenden nicht zu senken, sondern zu erhöhen, und die Kapazitäten sinnvoll auszunützen und den Zugang sinnvoll zu regeln" . Das Studium könne nicht so organisiert sein, "dass am Schluss einer dem anderen im Weg steht, die Studiendauer verlängert und die Drop-out-Zahl erhöht wird" , sagte der Präsident. Er meint, eine einjährige Studieneingangsphase "wird sinnvoll sein" zur Klärung der Frage, "ob ein Studierender sich wirklich eignet" . Fischer, der sich noch als "kein Anhänger einer Elite-Uni" bezeichnete, will "das Studium in einer Art organisieren, dass das Optimum und nicht das Maximum erzielt wird" .

Und für Fischer ist auch klar, dass das eine - die Schulreform - und das andere - die Hochschulfrage - "zusammengehören" .

Kleine Gruppe, große Tafel

In der Ortstafelfrage hält der Bundespräsident den Druck auf die Kärntner Behörden aufrecht. "Es gibt wenige Probleme, wo die Zeit so reif ist" , sagte Fischer, der seinen Unmut über Tricksereien wie das Hineinmontieren von kleinen slowenischsprachigen Tafeln in die großen Ortstafeln - die Höchstrichter erklärten das am Freitag für verfassungswidrig - kaum verbarg: "Zu sagen, weil ihr eine Minderheit seid, kriegt ihr auch nur kleine Taferln, das ist ja wirklich ... Ich schluck's hinunter." Fristdebatten seien müßig. "Die Urteile des Verfassungsgerichts haben keinen Zeitrahmen. Die sind durchzuführen."

Im Streit um die von der Regierung auf Dezember verschobene Budgetpräsentation konzedierte Fischer der Opposition, die dieses Vorgehen scharf kritisiert, "rechtlich auf einem soliden Boden" zu stehen. Der Verfassung gemäß hat die Regierung den Budgetentwurf spätestens zehn Wochen vor Jahresende vorzulegen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
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sari1
16.07.2010 18:32

1. gehört eine ausführliche berufsbildung in den schulen angeboten, damit sich die schüler umfassend informieren können, gekoppelt mit schnuppertagen etc.

2. sollte auf den unis ein orientierungssemester eingeführt werden, wo die inhalte verschiedener stud.richtungen vermittelt werden.

wer sich danach für ein studium entscheidet, soll auch einen platz bekommen, das heißt im endeffekt mehr geld für unis.

ö sollte sich damit abfinden, dass viele jobs, die heute durch eine lehre erlernt werden können, eig. keine zukunft mehr haben, da wir kein industriestandort bleiben werden, sondern ganz klar in richtung informationsgesellschaft tendieren.

in bildung investieren sollte sich doch eig. rentieren - höhere einkommen - höhere steuereinnahmen

eze eze
 
13.07.2010 14:14

Ich bin für Fischer gewesen.

dermartino
13.07.2010 08:11

Eine Frage:
Wenn die Medien von den akademischen Errungenschaften der Politiker sprechen, warum erwähnen sie nicht eine etwaige Habil?

"Der promovierte Jurist" ist für den Habilitierten Fischer etwas zu kurz gegriffen, nicht wahr?

"Die promovierte Juristin" für Beatrix Karl ebenfalls.

champagne
12.07.2010 21:30

"studieneingangsphase."
eigentlich kann man das wort gar nicht mehr hören.
es gibt studienrichtungen, die sehr gut ohne dieser eingangsphase auskommen.
da hat man eben mal die möglichkeit als erstsemestriger in ein höheres seminar zu schauen, um zu sehen ob einem das überhaupt gefällt.
die studieneingangsphase selbst bleibt doch thematisch immer an der oberfläche.

außerdem sollte man vorher schon gezielt informieren, welche studienmöglichkeiten es gibt, und zwar abseits von jus, wirtschaft etc.
ich denke da aber nicht ein ein seltsam einseitiges "MINT"-programm.

asinus
12.07.2010 20:14

Dafür ist Hr. Bundespräsident für die Beibehaltung der Wehrpflicht, diesen unnützen Ballast im Leben eines Jugendlichen....

ulli52
 
12.07.2010 19:13
bei der bundespräsidentenwahl

war er wirklich das kleinste übel, es arbeitet an seiner vergrößerung...
:-((((

Simplicius Simplicissimus
12.07.2010 13:33
Die Bedingungen haben ...

... sich geändert. Deswegen brauchen wir keinen BP mehr.

also dann ...
12.07.2010 13:08
mit seinem o.a.statement ...hat er sich als A_sozialdemokrat entlarvt und

damit eine ur-alt-forderung KREISKY´s...
(der sich ob solchen schwachsinns im grab umderehen würde) begraben.

KREISKY...
war auch der einzige reg.chef, unter dem es gelang, eine höhere tertiäre bildungsbeteiligung der arbeiterschichten zu erreichen.

alle spö-partei_appartschiks...,
wie fischer, androsch, vranz etc. profitierten von de weitsicht und den wahlerfolgen kreiskys.
und die möchtegern-akademiker...
der marke, cap,
gusi etc (die jahrzehnte studierten!) würden bei solchen aussagen wohl kaum die zulassung zur uni...
schaffen.

kreisky würde fischer....(so wie damals nenning)
wohl einen w u a s c h t l nennen.
völlig zu recht.

es sei bemerkt
12.07.2010 13:59

da überdribbeln sie sich aber. indirekt finden sies nämlich gut, wenn möchtegernakademiker (wohl solche, die es nicht wirklich verdienen?) auch weiterhin zu möchtegernabschlüssen kommen können.
wenn die von ihnen kritisierten kreaturen das nun nicht mehr schaffen würden, wäre das dann im sinne ihrer kritik an den "wuaschteln" eine verbesserung oder eine verschlechterung?

also dann ...
12.07.2010 18:36
es ist ganz einfach :

unter "möchte-gern-akademiker" verstehe ich jene
(wie cap, gusi) die nun die grosse KEULE g e g e n
- mehr studienplätze/kürzere stud.dauer schwingen -und selbst dieses (alte) system bis zum abwincken...
ausnutzten.
solche würde kreisky w u a s c h t l n...bezeichnen.

all die anderen ...
= der überwiegd.teil der arbeitenden studierenden...
haben es aus eigener kraft (und eben nicht dank sog. jobs in partei-vorfeld-organisationen, wie ögb, AK, ÖH...etc) mit kurzer überschreitung er stud.dauer geschafft.

genau für d i e s e gruppe...
hat kreisky in seiner bildungspolitik (d. z.b. erhöhung d. stupendien, abschaffg. der studgebühren etc,)
die durchlässigkeit...geschaffen !

und fischer...ist nun dagegen ?

Ehemalige Kardinalschnitte
 
12.07.2010 10:39

Die Debatte zeigt ja schon klar auf, was die Matura heute noch wert ist. Nämlich nix! Eigentlich sollte das ja die Reifeprüfung für die Uni sein, wozu sonst gibt's eine AHS Matura? Wenn jeder Matura machen kann, will auch jeder studieren und niemand mehr einen Beruf erlernen. Da verschenkt man die Matura und ermöglicht watscheneinfache Studienberechtigungsprüfungen und dann muss man für den Unizugang rigoros selektieren... Blöd sowas!

asinus
12.07.2010 07:57

Ja ja, ein bisschen erinnert unser BP an seinen deutschen Namensvetter, und der war ein ordentlicher Wendehals...

anra10
12.07.2010 12:25

Fischer ändert seine Meinung berechtigt, wenn sich die Bedingungen ändern. Die Wahrheit bezüglich Zugangsberechtigungen an der UNI liegt wohl irgendwo zwischen "komplett Ausfinanzieren für alle" und "beinhart mit Kreuzerltest aussieben".

Akademiker (speziell die werdenden) sollten schon versuchen, auch die Argumente der "Gegenseite" zu verstehen, nur kategorisch dagegen zu sein hilft wenig.

asinus
12.07.2010 14:27

Nur was die Entscheidung für die sog. Massenuniversität eine grundsätzliche und sollte ja auch den Kreisen den Zugang zum Studium eröffnen, die bisher nicht davon profitiert haben (abgesehen davon, dass sich das kaum ereignet hat). Mit seiner Aussage rückt Fischer davon eindeutig ab.

Herzerzog Johann
12.07.2010 12:12
Eher Adenauer:

"Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Sie werden mich nicht daran hindern, schlauer zu werden."

inness robins
12.07.2010 09:07
BP

ja, BP,eindeutig der Verursacher einer Katastrophe!

Fortiter In Re
12.07.2010 00:51
Alle, die hier oberschlau posten, ...

... sollten sich einmal fragen, warum die österreichische Facon des sogenannten "Freien Hochschulzugangs" in ganz Europa im wahrsten Sinne des Wortes "unique" ist. Schweden, die Niederlande, Finnland - lauter neoliberale Schurkenstaaten? "Freier Zugang als Weltkulturerbe" ((c) Hans Pechar)? Aufwachen aus der Lebenslüge! Gute, andere, sozial faire und unterstützende Lösungen suchen (und gleichzeitig Unis besser budgetieren und das Schulsystem ändern)!

Soulman
12.07.2010 18:40

Genau so ist es: Der sog. "freie Unizugang" ist eine spezifisch österreichische Lüge - um die uns übrigens niemand beneidet, der seine Tassen im Schrank hat. Man sollte sich endlich von diesem Unfug schleunigst verabschieden, bevor das Niveau noch weiter sinkt im internationalen Vergleich. Die Chancen dafür stehen ja jetzt recht gut.

Gleichzeitig gehört die Matura wieder aufgewertet - momentan ist das ja mehr so eine Bestätigung, dass man mit 18 gerade des Lesens und Schreibens mächtig ist. Daher kommt auch dieser spezifisch österreichische, leider weitverbreitete Unsinn im öfentlichen Diskurs über Uni-Politik, dass das Züchten von Eliten pfui ist und die Unis eigentlich für die Allgemeinbildung da seien. Was für ein Schwachsinn!

Conchobaris
12.07.2010 10:20
Korrekt...

Und außerdem muss es auch für Politiker legitim sein seine Meinung zu ändern, wenn - und das ist das entscheidende - diese Änderung begründbar ist. Fischers Gesinnungswandel ist für mich absolut nachvollziehbar, schließlich sind 25 Jahre vergangen.

h 90
12.07.2010 05:28

Und was spricht gegen einen freien Zugang?
Die Kosten sicher nicht, weil wir leisten uns viel Bloedsinn der viel mehr kostet (9 Bundeslaender zb, ein paar unnoetige Beamte, OEBB.....)

lemming0815
12.07.2010 11:38

da ich nicht in wien wohne, bin ich froh, dass es wenigstens noch ein 2. bundesland gibt in dem nicht alles wien-lastig entschieden wird

Globetrotter1
12.07.2010 10:22

Sogar wenn es ausreichende Budgetmittel GÄBE...
sofern jeder Vollkoffer studieren kann, sinkt damit einfach automatisch die Studienqualität.

Daher ist diese ja derzeit nach dem ersten Studienjahr meist weit besser, da die Dümmsten und Faulsten bereits "aussortiert" wurden.

aceFruchtsaft
12.07.2010 09:19

Gegen einen gänzlich freien Zugang spricht, dass dann jeder Koffer studieren kann.

Keine Ahnung an welchen Unis du warst, aber ich habe mich schon oft genug gefragt, wie manche überhaupt jemals die Matura schaffen konnten. Diese Leute ziehen das Niveau der ganzen LV runter, weil man bei denen nicht das notwendige Vorwissen voraussetzen kann.

Ich weiß es entspricht nicht der idealistischen Sichtweise, aber es sind eben nicht alle Menschen gleich. Manche sind zu dumm für die Uni, und das muss man entweder zur Kenntnis nehmen, oder aber schon viel früher ansetzen.

h 90
12.07.2010 10:51

BOKU, 1990.
Da war es eigentlich so, dass alles wichtige voneinander abhaengig war. Damit wenn Leute diese Pruefungen nicht geschafft haben, dann ging es einfach nicht weiter. Damit hat jeder die gleichen Chancen, er muss nur die Leistung erbringen und dann wurden einfach 50 % ausgesiebt.
Ich hatte zb das notwendige Vorwissen nicht, waere nicht zugelassen worden. Hab es mir aber brutal durch extremen Fleiss in Kuerze beigebracht.
Andere sind bei der Pruefung stehen geblieben.
Natuerlich waren die auch in anderen Vorlesung, aber eben sehr gebremst.

john.carter.denton
12.07.2010 00:50
hab ich das richtig verstanden?

zugangsbeschränkungen deshalb, weil heute zu viele menschen studieren, mit dem ziel, die zahl der studierenden zu erhöhen?

schon seeehr skurril...

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