Sprecher der deutschen Bischöfe räumt Fehler in Kommunikationsarbeit und Umgang mit Tätern ein
Hamburg - Wegen ihres Umgangs mit den
Missbrauchsskandalen bekommt die katholische Kirche heuer den
deutschen Kritikpreis "Verschlossene Auster" für den
"Informationsblockierer des Jahres". Dies erklärte die
Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche am Samstag auf ihrer
Jahreskonferenz in Hamburg. "Die deutschen Bischöfe geben bei der
Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nur die Tatsachen zu, die sich
nicht mehr leugnen lassen", erklärte Thomas Leif, Vorsitzender des
Netzwerkes.
Jahrzehntelang sei geschwiegen, und pädophile Pfarrer seien
trotz
bekannter Fälle des sexuellen Missbrauchs immer wieder geschützt
worden, sagte er. Die katholische Kirche habe trotz vieler
Medienberichte nur selten Bereitschaft zur Aufklärung gezeigt.
Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp,
erklärte, die Kirche wolle sich der Kritik stellen. "In der
Kommunikationsarbeit haben wir durchaus nicht alles richtig gemacht",
sagte er. Die katholische Kirche befinde sich derzeit in ihrer
größten Krise seit 1945. "Wir haben uns zu lange schützend vor die
Täter gestellt", sagte Kopp. (APA/apn)