Russland noch ohne großem Fußballturnier - Blatter: "Arabische Welt verdient eine WM"
Johannesburg - Auf dem grünen Rasen spielt Joseph S.
Blatter selbst nicht mehr mit. Doch der umtriebige Präsident des
Fußball-Weltverbandes FIFA bereitet sich trotzdem gewissenhaft auf
zwei große Endspiele vor. Am 2. Dezember wird das Exekutivkomitee
der FIFA, dem Blatter als eines von 24 Mitgliedern angehört, zwei
WM-Gastgeberländer auf einmal auswählen, jenes für die WM 2018 und
jenes für die Endrunde vier Jahre später. Und im Juni 2011 will der
Schweizer in Zürich für weitere vier Jahre als FIFA-Boss bestätigt
werden.
Beide Endspiele haben auf den ersten Blick nichts
miteinander
zu tun. Doch Blatter wäre nicht Blatter, zöge er nicht schon längst
im Hintergrund die Fäden. Über die WM 2018 und die WM 2022 stimmen
die 24 Exko-Mitglieder ab, deren Entscheidung wiederum dürfte einen
nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Abgeordneten aller 208
FIFA-Mitgliedsverbände haben. Von diesen will Blatter ein halbes
Jahr nach der Ernennung der WM-Gastgeber für eine vierte Amtszeit
gewählt werden.
Schon in Johannesburg wurde offensichtlich
Stimmung gemacht
beim Tauziehen um die WM-Endturniere 2018 und 2022. Australien, das
sich zunächst für beide Turniere beworben hatte, machte während der
WM in Südafrika einen Rückzieher und bewirbt sich nur für 2022. Im
Vertrauen war den Australiern, denen zwischenzeitlich die
Bestechung von FIFA-Entscheider vorgeworfen wurde, wohl mitgeteilt
worden, sie hätten für 2018 eh keine Chance. In acht Jahren, das
scheint klar, ist nach Afrika und Südamerika (Brasilien) wieder
Europa dran.
England vs. Russland
Für die Turniere 2018 und 2022 haben sich aus
Europa England,
Russland sowie die Partner Portugal/Spanien und Belgien/Niederlande
beim Weltverband beworben, dazu die USA. Nur für 2022 stehen Japan,
Südkorea, Australien und Katar in der Bewerberschlange.
Doch
um den Zuschlag für 2018 kämpfen wohl nur zwei
Schwergewichte: England und Russland. England war 1966 WM- und 1996
EM-Gastgeber, Russland hat noch nie ein großen Turniers
veranstaltet. Randnotiz: In England und Russland finden die
kommenden Olympischen Spiele statt.
Als Favorit gilt England.
Das Mutterland des Fußballs hatte im
Mai einen kleinen Skandal aufzuarbeiten - Verbandspräsident Lord
David Triesman soll Mitbewerber der Manipulation verdächtigt haben.
Der gute Mann trat zurück, in Johannesburg halfen dann unter
anderem Kronprinz William und Bruder Harry mit, gut Wetter für
England zu machen. Die russischen Bewerber boten ihrerseits den
mittlerweile unvermeidlichen und allgegenwärtigen Roman
Abramowitsch auf, der nach wie vor den Status eine Milliardärs
genießt.
USA mit bislang höchstem Zuschauerschnitt
Nach Europa im Jahre 2018 wäre vier Jahre später ein
Land
außerhalb des Alten Kontinents dran. Blieben nur die USA, die 1994
einen bislang unangetasteten Zuschauerschnitt pro Spiel erreichten
und mit einem Rekordumsatz locken, und vier Kandidaten aus Asien.
Japan und Südkorea bewerben sich diesmal im Alleingang - waren aber
gemeinsam erst 2002 WM-Gastgeber. Australien scheint, nicht zuletzt
dank seines Rückzugs für 2018, gesetzt für 2022. Der australische
Verband gehört seit vier Jahren zur asiatischen Konföderation.
Katar scheint überhaupt keine Chance zu haben. Das Emirat hat
nur 1,6 Millionen Einwohner, und im Sommer herrschen dort 40 bis 45
Grad im Schatten. Doch die Kataris sind clever: Fünf Stadien wollen
sie bauen, alle mit einer Art 'Klimaanlage', nach der WM sollen die
Arenen zum Teil demontiert und in 'bedürftige' Länder weitergegeben
werden. Und dann gibt es noch eine Aussage, die nicht unterschätzt
werden sollte. Sie stammt von Joseph S. Blatter: 'Die Arabische
Welt verdient eine Weltmeisterschaft.' (SID)