Eisenbahnerstreik sorgte für Chaos in Verkehrsknotenpunkten wie Mailand, Bologna und Rom
Nach Richtern und Ärzten haben am Freitag die italienischen Eisenbahner 24 Stunden lang gestreikt. Obwohl Nachbarländer wie Österreich und die Schweiz durch Sonderzüge (Innsbruck-Verona, Lugano-Mailand) versuchten, den Schaden für den internationalen Verkehr zu begrenzen, herrschte in den Verkehrsknotenpunkten wie Mailand, Bologna und Rom Chaos. Selbst die Verbindungen zu den Flughäfen verkehrten unregelmäßig. Grund für den Bahnstreik, der durch eine Arbeitsniederlegung bei den lokalen Verkehrsbetrieben flankiert wurde, ist ein neuer Kollektivvertrag.
Laut dem Fremdenverkehrsverband Federturismo wirft der heiße Streiksommer in Italien Schatten auf den Tourismus. Nachdem bereits im Vorjahr die Ankünfte um knapp fünf Prozent zurückgingen, erwarten Branchenkenner auch 2010 eine negative Entwicklung. "Im ersten Halbjahr lagen Ankünfte und Deviseneinnahmen unter dem Vorjahresergebnis", bestätigte ein Verbandssprecher. Bis zum 20. Juli sind weitere Arbeitsausfälle des Flugpersonals der italienischen Fluglinien sowie des Bodenpersonals der Mailänder Flughäfen angekündigt.
Am Freitag streikten auch Italiens Journalisten. Grund ist das zur parlamentarischen Diskussion stehende Gesetz "bavaglio", welches die journalistische Freiheit einschränkt. Telefonabhörungen der Magistratur dürfen künftig nur mehr zum geringen Teil weitergegeben werden. "Dadurch sind uns die Hände gebunden, dem Leser werden wichtige Informationen über Mafia und Korruptionsskandale vorenthalten", so der Journalistenverband. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.7.2010)