Die afrikanische Fußball-Krankheit

9. Juli 2010, 18:44

Das frühe Scheitern aller WM-Teilnehmer des Veranstalterkontinents spiegelt die mentalen Folgen einer mafiösen und korrupten Sportpolitik - Sechs Gründe, warum der afrikanische Fußball nicht abhebt

Im afrikanischen Fußball glaubt man eher an Wunder statt an langfristige Arbeit und Visionen: in den letzten vier Jahren haben die in Südafrika teilnehmenden Teams 24 Trainer beschäftigt. Kein Trainer hat eine Mannschaft mehr als drei Jahre lang trainiert. Im afrikanischen Fußball gibt es leider keine Mannschaften, sondern größtenteils Individuen, die die WM-Bühne ausnutzen um eine "One-Man-Show" zu präsentieren.

Das Beispiel von Kamerun ist diesbezüglich sehr aussagekräftig: Die kamerunische Mannschaft war schon vor der Weltmeisterschaft undiszipliniert, ineffektiv und sehr instabil in ihrer Leistung. Im Klagenfurter Trainingslager waren sie unfähig, ein Kollektiv zu bilden. Dieser Dauerzustand ist seit den 90er-Jahren bekannt. Aber es interessiert niemand Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Da Chaos das Wesen der gegenwärtigen autokratischen Fußballpolitik in Afrika ist.

Die Einmischung korrupter Politiker und mafiöser Netzwerke: Es herrscht ein Mangel an Infrastrukturen für die jüngeren Generationen. Politiker nutzen ihre Macht, um sich in den Fußball einzumischen. In Kamerun spielt der Trainer nur eine Nebenrolle. Politiker - manchmal Staatschefs - sind diejenigen, die die Mannschaft mehr oder weniger aufstellen. Rund um die kamerunische Mannschaft hat sich seit den 90er-Jahren ein Netzwerk aus korrupter Politikern, Kriminellen und Wirtschaftsinteressenten herauskristallisiert. Unzählige Beispiele aus anderen afrikanischen Ländern zeigen, dass es dort nicht anders ist. Aktuellstes Beispiel politischer Einmischung: der nigerianische Präsident Staatschef Goodluck Jonathan will den nigerianischen Fußball reformieren und hat das Nationalteam aufgrund seiner schlechten Leistungen für zwei Jahre für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt.

Entfremdung des afrikanischen Fußballs und Neokolonialismus: Fünf von sechs Trainern afrikanischer Mannschaften (außer Algerien) stammen aus europäischen Ländern. Diese Tatsache lässt vermuten, dass afrikanische Staaten 50 Jahre nach ihrer so genannten Unabhängigkeit unfähig sind an sich selbst zu glauben. Die Einbindung nationaler Trainer für afrikanische Teams ist aus heutiger Sicht scheinbar nicht vorstellbar.

Außerdem hat die Präsenz europäischer Trainer in afrikanischen Ländern weit reichende Folgen. Sie transportieren ein koloniales Bild in Fußballschulen, in denen Fußballtalente für europäische Klubs "produziert" werden. Sie dienen als Nachschub für europäische Clubs. Was aus den nationalen Ligen wird ist unerheblich. Dies führt zu einer Entwertung der afrikanischen Fußball-Ligen und zur Brüchigkeit des Nationalbewusstseins. Trainer transportieren oft nur Ihr Verständnis von Fußball. Plakativ formuliert: Ein französischer Trainer wird nie eine deutsche Fußballphilosophie predigen. Beinahe alle Afrikanische Mannschaften werden von unterschiedlichen Trainern mit unterschiedlichen Philosophien trainiert.

Entwertung der afrikanischen Ligen: Afrikanische Spieler, die in nationalen Ligen spielen haben fast keine Chance in die Nationalmannschaft zu gelangen. Diese Entwertung der nationalen Liga drängt Spieler in die Migration. Bei der jetzigen Weltmeisterschaft war die südafrikanische Nationalmannschaft, die einzige, in der der Großteil (14 von 23 Spielern) der Mannschaft in der heimischen Fußballliga spielt. In den Teams der Elfenbeinküste und Kamerun kam je ein Spieler aus heimischen Clubs. In Algerien spielte kein einziger Fußballer in der heimischen Liga.

Mangel an Nationalbewusstsein: im Vergleich zu Spielern der 80er und 90er Jahre riskieren die Spieler ihre Füße eher für den Arbeitgeber, d.h für europäische Vereine, wo sie sehr gut bezahlt werden, als für die Nationalmannschaft - wenn diese existiert. Bei der WM-Vorbereitung von Kamerun bevorzugte es Samuel Etoo, für einen seiner Sponsoren einen Werbespot zu drehen, statt mit der Nationalmannschaft zu trainieren. Eine klares Zeichen von mangelndem Patriotismus gekoppelt mit einer Frechheit, die nur zum Ausdruck kommt wenn Verantwortliche nicht dafür büßen müssen. Wie der in Südafrika lebende kamerunische Politologe Achille Mbembé bemerkt - "Jede nationale Fußballmannschaft ist das Abbild des Landes, das sie vertritt, die Widerspiegelung seiner Kultur, seiner Organisationsmethoden und seiner Mängel. Was uns betrifft, so ist die Feststellung einfach: so viele Möglichkeiten, aber auch so viele Schlamassel auf dem Hintergrund einer moralischen Kraftlosigkeit und kollektiven Machtlosigkeit."

Migration als einziger Weg zum Erfolg: Da die Spieler der einheimischen Ligen nicht wahrgenommen werden, ist die Tendenz in außerafrikanische Länder zu immigrieren groß. Mehr als 400 afrikanische Fußballer spielen in 36 europäischen Topligen. Nigeria ist diesbezüglich mit 94 Spielern auf dem ersten Platz, gefolgt von Kamerun mit 87. Beide Länder sind in Südafrika Gruppenletzter gewesen. Diese Migration führt zum Teil, wie die Organisation Foot Solidaire entdeckte, zu einer "Spieler-Wäsche". Betrügerische Agenten locken Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren unter falschen Versprechen nach Europa und beuten sie aus. Wenn sie nicht die erwartete Leistung erbringen werden sie einfach im Stich gelassen.

Diese Schlepperagenten nutzen dafür nicht mehr den traditionellen Weg - von einem afrikanischem Land zu einer ehemaligen Besatzungsmacht. (Nigeria - Großbritannien, Kamerun - Frankreich), sondern den Weg nach Osteuropa, wo die Einreisebestimmungen noch gelockerter sind. Für viele Europäische Clubs sind afrikanische Spieler billige Ware. Sie werden am Rande des Menschenhandels, mit der Mitwisserschaft hochrangiger Beamten und mafiöser Netzwerke nach Europa importiert. (Simon Inou, Clara Akinyosoye, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 10. Juli 2010)

Simon Inou ist Chefredakteur, CLARA AKINYOSOYE stv. Chefredakteurin des Online-Portals afrikane.info.at in Wien.

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    Posting 1 bis 25 von 133
    1 2 3 4
    LiTaiPe
    22
    11.7.2010, 14:24
    was für ein absoluter..

    schw....sinn

    was soll man hierauf antworten? etwa dass frankreich, italien auch unter den letzten der vorrunden gruppen waren? obwohl jeder deren spieler mehrfach EUR millionär ist? (und seinen a... keine 90min bewegen kann?)

    war nicht ghana im 1/4 finale ?? und kamerun mit einem 1:2 gegen den möglichen weltmeister holland -fast gleichwertig, und elfenbeinküste in einer gruppe mit brasilien und portugal und hier mit einem 0:0 genen den zweiten möglichen weltmeister EXTREM gut unterwegs ??

    wie hätten denn die lieben ÖSIS abgeschnitten gegen diese gegner?

    das war wohl eine der ersten WMs überhaupt wo fast alle teams gleichwerig waren, auch die afrikanischen - und eines ist klar diese hätten alle zuhause gebliebenen klar besiegt

    gensfleischs_erbe
    20
    11.7.2010, 14:21
    Der Afrikanische Fußball ist auf dem Zenith

    Alles, was noch kommen wird, wird schlechter sein. 1990 bis 2010 waren die goldenen Jahre des Afrikanischen Fußballs. Der Aufwand, der betrieben wird, um eine konkurenzfähige Mannschaft wird immer größer, Fitnesspläne, Spielzuganalyse, Schwachstellenanalyse, gezielte Nachwuchsförderung usw.. Das kostet Geld und Nachhaltigkeit. Beides hat Afrika nicht oder kaum. Nur Talent und Enthusiasmus werden nicht reichen, und die sind woanders auch vorhanden.
    Und zu dem Vergleich mit Österreich, Österreich hat wenigstens das Potential aus dem Schlamassel rauszukommen.

    wwg
    60
    11.7.2010, 13:23

    wenn ich an 3 (!) nicht gegebene klare Elfmeter bei Ghana gegen Uruguay denke, spielen vielleicht auch die stark tendenzioesen Schiedsrichterentscheidungen mit eine Rolle. Zuerst muss die europaeische Mannschaft aufsteigen, wenn keine Eropaeer spielen, dann die weissere.

    Alina Zak
    00
    18.7.2010, 12:25
    die ausrede wirkt immer, =allheilmittel

    Für eine Welt ohne Tofu!
    07
    11.7.2010, 12:55
    Das Standard-Ceterum-Censeo

    Der Westen ist böse und schuld.
    Das Thema ist gleichgültig.

    Warum ist Österreich eigentlich selbst an den schlechten Fußballleistungen schuld? Sind wir zu weiß und westlich für fremde Schuldige?

    Alina Zak
    00
    18.7.2010, 12:28
    lassen sie den Beschuldigenden doch die Freude

    sie wollen die Opferrole noch weiter auskosten...solange der "Täter" sich schuldbeußt gibt, kann das lange ein erfolgreiches konzept sein

    Wieviel Demokratie ist es bitte?
    07
    11.7.2010, 10:04
    Also praktisch

    österreichische Verhältnisse.

    headbang0r
    95
    11.7.2010, 03:27
    Neokolonialismus??

    Sind die Trainer schwerbewaffnet nach Afrika gekommen, haben alle afrikanischen Trainer erschossen und sind deshalb Trainer dort? Was soll dieser Mist? Wenn ich völligen Stuss lesen will, dann lese ich Krone. Habe ich bis jetzt immer gedacht.

    KTHXBYE
    03
    11.7.2010, 10:37

    Wußten Sie das nicht? Egal was los ist, Kolonialismus ist immer schuld, ob neo oder schon gut abgelegen.

    headbang0r
    00
    12.7.2010, 01:24

    achso? nein, das wusste ich nicht, das erklärt alles!

    Stephen Covey
    14
    10.7.2010, 19:54

    Landesliga- und Bezirksligavereine in Ö rekrutieren auch schon vermehrt ungarische, tschechische und slowakische Spieler, die nur zum Spiel kommen und gar nicht mittrainieren. Auch hier zeigt der "Neokolonisalismus" seine hässliche Fratze.

    Redwraithvienna
    12
    10.7.2010, 20:01
    Nein ...

    das zeigt nur das es für Klubs in den Liegen billiger ist Spieler einzukaufen als sie auszubilden und das diese clubs dann auch noch besser zahlen als die vergleichbare klasse in ungarn etc ... aber mit (neo) Kolonialismus hat das nichts zu tun.

    Stephen Covey
    13
    10.7.2010, 20:11

    Das wollt ich eigentlich eh damit sagen......

    Redwraithvienna
    20
    10.7.2010, 20:13
    Dann würde ich den Neokolonialismus nicht erwähnen

    denn der hat damit wirklich nichts zu tun ...

    leftjustified
    00
    12.7.2010, 00:47

    Sie scheinen diesen beitrag nicht zu verstehen!
    Ersetzen sie im obigen beitrag Österreich mit frankreich und ungarn mit kamerun und schon sollte die ironie auf den schwachsinn im Artikel von wegen "kolonialismus" klar werden.

    Thomas Eugene
    00
    11.7.2010, 15:38

    Sie kennen anscheinend keine Ironie.

    Stephen Covey
    01
    10.7.2010, 20:18

    ist in anführungszeichen

    -..--.--
    00
    10.7.2010, 19:12
    Wenn ein junges afrikanisches Talent

    in einem europäischen Klub das Tausendfache verdient wird er sicher alles daransetzen hinzukommen. Agent hin oder her.

    1116er
    101
    10.7.2010, 18:29
    fussball, ach was solls?

    dafür sind die african-boys die besseren liebhaber!
    fragen sie ihre frau oder freundin....

    leftjustified
    00
    12.7.2010, 00:48

    Ich habe ihre frau gefragt und sie meinte ich wäre der bessere liebhaber ;)

    es ist ein menschenrecht, in afrika zu leben
    00
    11.7.2010, 10:37
    kling rassistisch und ist es auch...

    und durch märchen wird die welt nicht eine scheibe...

    der Ringe
    03
    11.7.2010, 01:11

    Ihre Frau hab ich grad gefragt - sie sagt nein !

    Khun Khuat
    01
    10.7.2010, 20:50
    ...dafür sind die african-boys die besseren liebhaber!..

    eines der vielen märchen wie auch das alle Schwarze den rythmus schon im blut haben oder latinos schon mit dem perfektem merengue schwung geboren werden.

    J.J
    00
    10.7.2010, 19:59

    toll

    Gaviota
    05
    10.7.2010, 19:43

    Ich glaub, das kann man nicht verallgemeinern. Sicher bin ich mir nur, dass komplexbeladene Rechtsextreme miserable Liebhaber sind.

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