Agenten mussten Austausch auf freiwilliger Basis bestätigen - US-russischer Gefangenentausch vollzogen
Wien - Auf dem Wiener Flughafen ging am Freitag der größte Agentenaustausch zwischen den USA und Russland seit dem Kalten Krieg über die Bühne. Nach 75 Minuten war der Deal - zehn russische Spione gegen vier aus den USA - vorüber und die Flugzeuge wieder in der Luft.
Für den Austausch auf neutralem österreichischem Boden hatte der heimische Staatsschutz strenge Regeln vorgegeben: Alle Agenten mussten eidesstattliche Erklärungen abgeben, dass sie freiwillig mitmachten. Den Begleitern wurde verboten, die Spione in Handschellen als Gefangene nach Wien zu bringen. Waffen mussten an Bord der jeweiligen Maschinen gelassen werden. In Wien gab es vorerst keine offizielle Erklärung zu der Aktion. Washington und Moskau bestätigten hingegen bereits den Agentenaustausch.
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"Kein Kommentar, ich will keine Menschenleben gefährden", sagte Innenministerin Maria Fekter (VP) Freitagmittag. Der Zufall wollte es, dass sie just, als auf dem Wiener Flughafen der größte Agentenaustausch zwischen Russland und den USA seit dem Kalten Krieg stattfand, im Herzen der "Hauptstadt der Spione" eine Pressekonferenz zur Kriminalitätsentwicklung gab.
Die kleine russische Regierungsmaschine landete gegen 11.15 Uhr, kurz danach eine Boeing der Charterfluglinie Vision Airlines, beide wurden am Ende des noch in Bau befindlichen Skylink geparkt. Dann ging alles sehr schnell. Behörden und Flughafen lieferten sich ein Katz- und Mausspiel mit den zahlreich angereisten Medienvertretern. Während Journalisten, Fotografen und Kameramänner am Zaun des General Aviation Center auf günstige Fotogelegenheiten und nähere Informationen warteten, wurden am anderen Ende des Flughafens Personen aus dem Flugzeug geschleust und danach sofort mit einem schwarzen Van zu der jeweils anderen Maschine gebracht. Der Deal: zehn jüngst in den USA festgenommene russische Spione gegen den russischen Atomwissenschaftler Igor Sutjagin und drei russische Doppelagenten. Sutjagin soll schon am Donnerstag in Wien angekommen sein.
Rein praktisch war der Agentenaustausch keine große Sache. Die Spione kamen als Transitpassagiere, ihre Pässe wurden überprüft, dann wechselten sie die Flugzeuge und flogen als ganz normale Passagiere weiter. Doch für das heimische Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) war es eine der größten bisherigen Herausforderungen. Bei den fieberhaften Verhandlungen für den kurzfristig angesetzten diplomatischen Coup machten die Staatsschützer strenge Vorgaben: die Spione mussten eidesstattliche Erklärungen abgeben, dass sie freiwillig und ohne Zwang umsteigen. Die jeweiligen Begleiter mussten versichern, dass die Passagiere keine Gefangene seien. Wäre jemand in Handschellen ausgestiegen, hätte die Polizei einschreiten müssen. Und: Etwaige Schusswaffen mussten die Begleiter an Bord des jeweiligen Flugzeuges lassen. Nach 75 Minuten war der Spuk vorbei, beide Flugzeuge starteten wieder in den klaren, blauen Himmel.
Offiziell war von Innen- und Außenministerium nur zu erfahren, dass es Landungen und Starts von Flugzeugen aus den USA und aus Russland gegeben habe. Wie viele Passagiere umgestiegen seien, falle unter Datenschutz. Die USA hingegen bestätigten laut New York Times schon eine halbe Stunde nach Start der US-Maschine den erfolgreichen Austausch.
Auch die heimischen Staatsschützer sind - natürlich nur inoffiziell - stolz auf den kurzen, reibungslosen Verlauf. Österreich habe wieder einmal beweisen, "dass es im Verhältnis der Weltmächte eine wichtige Vertrauensrolle spielt", zeigte sich ein Fahnder sichtlich erleichtert. (Von Stefan Binder und Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2010)