Großreisetag zum WM-Finale nach Johannesburg. 1500 Kilometer in zwei Tagen
Kurz nach Halbzeit am Weg von Kapstadt nach Johannesburg beginnt die Provinz Free State, die Grenze bildet der Orange River. Da wir im Auto kein Internet haben - am Steuer sitzt jetzt Reisebegleiter Rene - spekulieren wir einfach einmal, woher der Fluss seinen Namen hat. Rein farblich hebt er sich nicht von anderen Fließgewässern ab, aber vielleicht ist er auch in seinem Quellgebiet noch stärker sedimentiert, was ihn Orange erscheinen lässt. Die Benennung könnte auch daher stammen, dass dieses Gebiet früher Oranje Vrystaat geheißen hat und bis heute als Hochburg der burischen Nachkommenschaft in Südafrika gilt.
Auch jetzt sind die Holländer gerade wieder recht stark vertreten auf der Überlandstraße N1, die sich auf knapp 1500 Kilometer immer höher hinauf, durch das Hochplateau der Karoo über den Free State mit der Hauptstadt Mangaung/Bloemfontein bis nach Johannesburg zieht.
Gestern haben wir in Beaufort West übernachtet, der einzigen wirklichen Karoo-Stadt - je 500 km von Cape Town und Bloemfontein entfernt. In zwei Guesthouses waren alle Zimmer gebucht, erst im Oasis Hotel (für billige 350 Rand, also 35 Euro, im Doppelzimmer) wurden wir fündig. Abends sind wir die "Autobahn", an der sich in Beaufort West alles abspielt, entlang spaziert. Vorbei an der New Dutch Reform Church bis ins einzige vernünftige Restaurant "Ya Olde Thatch" ("Das alte Reetdach"). Dort haben sich rund 15 Holländer bei Bier und Spare Rips schon auf das Finale eingestimmt.
In den zwei Stunden herrschte ein stetes Kommen und Gehen von Gästen, die allesamt aus den Niederlanden kamen. Stolz wurden die Finaltickets hergezeigt. Eine Partie war sogar mit einem alten, orange lackierten Doppeldeckerbus unterwegs.
Heute allerdings haben wir das bunte Fan-Gefährt schon kurz vor Hanover (250 Kilometer von Beaufort West) am Pannenstreifen stehen gesehen. Einer der Freaks ist verdächtig unter dem Bus gelegen. Zum Glück war gleich gegenüber eine Tankstelle. Was auf der N1 nicht so eine Selbstverständlichkeit ist, weil auch einmal 100 km keine Tanke sein kann. Ob's der Bus noch über den Orange River geschafft hat? Ein bisschen Zeit ist ja noch bis zum Anpfiff. Wir sind jetzt in Bloemfontein und nur noch gut 400 Kilometer vom Ziel in Soweto entfernt.