Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Paul ist in aller Munde - allerdings (noch) nicht so, wie sich deutsche Fußballfans dies gerne wünschen würden. Das bereits weltberühmte "Orakel" im deutschen Oberhausen ist mit seinen zweieinhalb Jahren für einen Tintenfisch zwar schon recht betagt, erfreut sich aber noch tadelloser Gesundheit. Umso atemloser berichtet die internationale Medienwelt von den genialen Voraussagen des Octopus Vulgaris.
Die blinde Leichtfüßigkeit - oder auch leichtfüßige Blindheit -, mit der der Tintenfisch selbsterfüllende Prophezeiungen wie am Fließband in die Welt setzt, lässt nun aber einen merkwürdigen Verdacht aufkommen: Ist Paul, der deutsche Krake, etwa die (allzu) rasche Wiederkehr eines kürzlich verstorbenen Wiener Zeitungszaren?
Mehrere Umstände sprechen dafür: Paul erzielte seine größte Wirkung beispielsweise erst im hohen Alter. Ferner polarisiert er sehr stark, gibt aber vor, sich persönlich, statt Macht ausüben zu wollen, lieber an einem Seehund festzusaugen. Paul stürzt sich weiters mit Vorliebe auf das Muschelfleisch in dem einen Glashaus, während er das andere völlig außer Acht lässt. Und schließlich interessiert es Paul sowas von überhaupt nicht, was andere Medien sagen; er ist davon überzeugt, das einzig wahre Medium zu sein. "Für Paul ist das ein Spiel", sagt eine Sprecherin seines Quartiergebers "Sealife".
Nicht nur Medien-, sondern auch Marketingexperten lässt der Verdacht, Paul könnte eine Art seelische Wiederkehr Hans D.s sein, bereits mit den Ohren schlackern. Erste Buchprojekte werden angedacht, D.s gut dokumentierte Memoiren über seine Zeit bei der Kriegsmarine müssten dafür nur geringfügig umgeschrieben werden. Leserbriefe von Paul könnten zudem unter dem Titel "Das freie Luftblasen-Blubbern" im Flaschenpost-Abo bezogen werden. Einzig die Politik zeigt sich bisher - anders als zu Lebzeiten D.s - gänzlich uninteressiert an dem einflussreichen Medium. Das verwundert ein bisschen, gilt Paul doch - obwohl ihn nicht warme Luft, sondern kaltes Wasser umgibt - als ähnlich zugänglich.
Der Wirbel um Paul dürfte sich aber rasch legen, sollte beizeiten herausgefunden werden, ob Paul tatsächlich ein Wiederschwimmer Hans D.s ist, oder nur so tut. Eine ins Aquarium geschüttete Melange sollte da rasch für Klarheit sorgen. (Martin Putschögl, derStandard.at, 9.7.2010)
Aktuelle Aboangebote finden Sie auf derStandard.at/Abo
Habsburgologen wissen natürlich, dass der Tod für einen Habsburger nicht ein Ende - welches auch immer - bedeutet
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.