Nach Wahlsieg: Schülerunion will "gläserne Note"

09. Juli 2010 13:45

VP-nahe Schülerorganisation will auch Lehrern Feedback geben und mehr Mitbestimmungsrechte für Schüler

Wien - Die VP-nahe Schülerunion will nach ihrem erneuten klaren Wahlsieg bei den Schülervertretungswahlen im kommenden Unterrichtsjahr die Mitbestimmung der Schüler stärken. Unter anderem sollen Landes-Schulgemeinschaftsausschüsse etabliert werden, die etwa bei Direktorenbestellungen mitreden dürfen, so Schülerunion-Sprecher Stephan Mlczoch. Weitere Anliegen sind die Einführung eines verpflichtenden Lehrer-Feedbacks sowie einer "gläsernen Note" für Schüler.

Die Schülerunion stellt nach den in dieser Woche zu Ende gegangenen Schülervertretungswahlen in der kommenden Bundesschülervertretung (BSV) 24 von 29 Mandataren.

Am Ende des Schuljahres haben die Schulsprecher des jeweiligen Bundeslandes in den drei Bereichen AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) sowie Berufsschulen ihre Landesschülervertretungen (LSV) für das künftige Unterrichtsjahr bestimmt. Die 27 Landesschulsprecher sowie zwei Vertreter der Zentrallehranstalten bestimmen dann am 17. September den Bundesschulsprecher. Derzeit hat diese Funktion Pia Bauer (Schülerunion) inne. 

Auch Lehrer sollen Feedback bekommen

Das von den Schülern abgegebene Lehrer-Feedback soll nach Ansicht Mlczochs auch zu Konsequenzen für die Pädagogen führen. Möglich seien etwa Gespräche mit dem Direktor oder Nachschulungen. Bei der "gläsernen Note" wiederum soll im vorhinein festgelegt werden, nach welchen Kriterien die Schüler-Beurteilung zustande kommt. Wichtig seien diese Kriterien vor allem in jenen Fächern, in denen es keine Schularbeiten gibt. Wird dagegen verstoßen, soll es Einspruchsmöglichkeiten geben. (APA) 

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13 Postings
f.j.neffe
 
14.07.2010 10:45
Mögen hätten wir schon wollen aber dürfen haben wir uns nicht getraut. (Karl Valentin)

Es erstaunt mich immer, wie vorsichtig und rücksichtig und umsichtig.... Erwachsene werden, wenn die Gefahr besteht, dass sie was Neues über sich erfahren könnten. Als Ich-kann-Schule-Lehrer habe ich den Spieß schon vor 35 Jahren umgedreht und das Feedback meiner Schüler herausgefordert. Wenn man es nicht vom hohen Ross herab versucht, geht das ganz praktisch. Ich hab auch meinen 4.Klässlern nicht bloß in ihr Poesiealbum geschrieben sondern sie auch in meines schreiben lassen.
Noch interessanter waren die Erfahrungen mit den 11. und 12.Klässlern, vor allem weil sie sich so wenig von denen mit den 10jährigen unterschieden.
Da kann ich nur sagen: Nur Mut zu EIGENEN Erfahrungen!
Franz Josef Neffe

Milchleber
12.07.2010 10:09
Beurteilung

des Lehrers durch den Schüler ist immer problematisch, da die Beurteilung von der Note des Schülers abhängt.

Je schlechter die Note des Schülers, desto schlechter die Beurteilung der Lehrer ... unabhängig davon, ob der Schüler einfach nur zu faul war, wirklich schlecht ist, oder der Lehrer mies ist.

Damit verliert die Beurteilung und ein Feedback schnell an Aussagekraft.

Debby2
11.07.2010 10:29
Forderung über Forderung

Fordern um gefordert zu haben.
Prinzipiell sind die Forderungen der Schülerunion ja zu begrüssen, nur frag ich mich, ob hinter der "gläsernen Note" auch wirklich ein Konzept, das umsetztbar ist, steckt oder nicht.

gratisinfo aus dem studienhandbuch
10.09.2010 14:41

meist kein konzept, der "schmäh" bei den wahlen zur lsv (landesschülervertretung) ist der, dass nur ein schulsprecher pro schule wählen darf und meist hat er mit der lsv nur am wahltag kontakt. die vpö-su (schülerunion) verspricht das blaue vom himmel weil sie weiß, dass im nächsten jahr ein neuer schulsprecher wählen kann und der "alte" dann schon meist matura macht und ihn das nicht mehr richtig interessiert.

G. Lavant
10.07.2010 13:46
Ich sehe doch überhaupt kein Problem:

man übernimmt einfach das Modell der HAK Klagenfurt:
aufsteigen mit fünf Nicht genügend.
Bis zur Matura können die negativen Noten ausgebessert werden.
Wenn nicht: wer hat vor der Matura den Nerv, herzugehen und zu sagen, dass jetzt leider Endstation ist und ausgestiegen werden muss.
Daher wird man auch diese Schülerinnen und Schüler irgendwie durchtragen - und alle sind zufrieden.
Oder auch nicht:
Die ehrliche Leistung wird entwertet und jeder, der sich ehrlich bemüht, muss sich fragen, wozu er sich anstrengen soll?
Und die Idee, aus Angst vor einem Einspruch ein Genügend zu geben, grenzt - mit Verlaub - an eine Vernachlässigung der Dienstpflicht: eine Note ist ein Gutachten und Gefälligkeitsgutachten sind strafbar.

sotho talker
 
10.07.2010 14:42
schlechte leistung

ist niemals schuld des schülers.

G. Lavant
10.07.2010 13:55

Alle reden von einer Verbesserung der Schülerleistungen.
Wenn nicht einmal Klarheit herrscht, wie Leistungen zu beurteilen sind, ja man sich nicht einmal ernsthafte Gedanken darüber macht, sondern alles tut, um diese Klarheit zu vernebeln, dann ist es besser, Noten zu würfeln.
Es ist wie beim Fußballspiel: per Videoaufzeichung ist genau zu sehen, dass es ein Abseitstor war, aber es gilt, was der Schiedsrichter pfeift.
Wer heute in der Schule alles pfeift, klingt nicht nach Schiedsrichter, sondern nur noch nach Vuvuzelas.
Daher ist eher zu fordern:
Klarheit in den Regeln,
klare Sanktionen bei Regelverstoß und
bessere Ausbildung der Schiedsrichter
- auf allen Ebenen - und Abstellen der Vuvuzelas.

wunderbar1
09.07.2010 20:14
Nicht wirklich einverstanden I

"wiederum soll im vorhinein festgelegt werden, nach welchen Kriterien die Schüler-Beurteilung zustande kommt."

Komisch, denn bei einem Elternabend in unserer Schule sagte der Schuljurist, dass es eigetlich gegen die Bestimmungen ist, schon am Beginn des Semester 2 Tests oder so anzusagen, da man Tests laut Gesetz nur dann schreiben darf, wenn anders eine ausreichende Leistungsfeststellung nicht möglich ist ... und woher soll man das zu Beginn des Schuljahres/Semesters schon wissen.

Und ich denke, dass eine Festlegung auch viel Freiräume in der Gestaltung des Unterrichts nimmt und das Eingehen auf Spezielle Situationen in der Klasse unterbindet, wenn das starr am beginn festgelegt wird.

PostingnameemangnitsoP
12.07.2010 20:09
ad tests

stimme ihnen grundsätzlich zu, nur ist es von den landesschulräten (zumindest in nö) erwünscht, dass auch tests bereits zu semesterbeginn bekannt gegeben werden; weiters ist bei den großen schülerzahlen und bei einsatz moderner unterrichtsformen (workshops, projekte, schülerversuche, ...) nicht immer möglich, allein über die mündliche mitarbeit (und die nötigen mündlichen wiederholungen) den lernfortschritt hinreichend zu belegen. bei kleinen gruppen ist's ohne weiteres möglich, da verzichten ALLE gerne auf die lästigen tests.

wunderbar1
09.07.2010 20:19
Nicht wirklich einverstanden II

Darüber hinaus ist eine Note nicht einfach ein erechneter mathematischer quantitativer Mittelwert.

Es geht ja auch darum besonderes Bemühen und individuelle Steigerungen mit zu berücksichtigen. Der Jurist nannte es eine auch eine "pädagogische Note" - gefiel mir recht gut. Das kann in einem (standadisiertem) festgelegtem System wohl kaum bis gar nicht berücksichtigt werden.

Klar sollten die Grundzüge der Benotung klar gestellt werden. Aber ein fix fertiges starres System wie hier gefordert, wo sich niemand mehr einen cm abweichen getraut, weil dann gleich sanktioniert wird ist sicherlich kontraproduktiv.

Ich gebs zu
09.07.2010 22:24
Haben Sie das wirklich nicht verstanden?

Wurscht, ob das sinnvoll ist oder auch nur funktionieren kann: Die Schülerunion muss "schülerfreundlich" etwas fordern, das einen Weg eröffnet, die Note am grünen Tisch zu erwirken. Was soll denn schon passieren? Wenn nichts daraus wird, kann man die Schuld auf die Lehrer schieben.

Debby2
15.07.2010 22:32
Wahlsieg hin oder her

Wurst wer die Wahl gewonnen hat heuer. Im Endeffekt zählt, was die Schülerunion mit dieser Mehrheit in der LSV und somit in der BSV anfängt.

Was die Umsetzung dieser gläsernen Notengebung anbelangt, bin ich doch SEHR skeptisch.
Fordern schön und gut, doch müssen Worten auch Taten folgen, was wie man in den letzten Jahren der Schülerunion dominierten BSV gesehen hat, nicht wirklich das Motto war.
Wenn es überhaupt Pressemeldungen/Konfernzen von der BSV gab, dann waren es meist leere Worte, die im Endeffekt keine Veränderungen für Schüler_innen bedeutet haben.
Statt bloß zu fordern und fordern, wäre es wirklich sinnvoll sich mal etwas kleiner Schritte vorzunehmen und diese auch in die Tat, mit ernst zunehmenden Konzepten, umzusetzen.

wunderbar1
10.07.2010 08:04

Ja, aber ich denke eben, dass das nicht schülerfreundlich wäre, da alle über einen Kamm geschert werden würden und in letzter Konsequenz wie irgendwelche Nummern bewertet, da der Lehrer sich ja auf nichts mehr einlassen wird.
Und ich glaube eben auch - wie oben angedeutet - dass das dem abwechslungsreichen Unterricht (der ja für die Schüler ist) nicht zuträglich ist, wenn alles starr am Beginn vereinbart werden muss und auf Anliegen und Eigenheiten jeder Klasse keine Rücksicht mehr genommen werden kann bzw. dann ja gesetzlich darf.

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