"Der Euro kann an Anerkennung gewinnen"

13. Juli 2010, 10:29

Ex-Minister und Kontrollbank-Vorstandschef Rudolf Scholten war zu Gast im Chat - Nachlese

Rudolf Scholten, Vorstand der Österreichischen Kontrollbank und ehemaliger Kulturminister, glaubt, dass der Euro in der derzeitigen Krise "sogar an Anerkennung gewinnen kann, wenn die Länder der Euro-Zone in ihrem Krisenmanagement Entschlossenheit und Vorsicht zeigen".



Bezüglich einer europäischen Ratingagentur zeigte er sich am Dienstag im derStandard.at-Chat eher skeptisch, "weil das Grundproblem der Ratingagenturen ist, dass sie irren können wie jeder, aber zugleich eine marktbeherrschende Position einnehmen". Ein Vorteil wäre aber, "dass den bestehenden Agenturen immer wieder Interessenkollisionen vorgeworfen werden und eine europäische Agentur transparenter aufgestellt werden könnte".

Grundsätzlich denkt er, dass "die Feuerwehr nach dem Brand auch den Schauplatz wieder verlassen sollte. Das heißt, dass die EU-Behörden in der akuten Krise wesentlich stärkere Kompetenzen hätten haben sollen, zugleich der Normalbetrieb nicht durch neue Überregierungen verkompliziert werden soll."

Den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben, antwortete er auf die entsprechende Frage, mit der Einschränkung: "Wenn wir vorsichtig damit umgehen."

Auch zu den so genannten "Bilderberg-Treffen", an denen er schon mehrmals teilgenommen hat, gab Scholten Auskunft: "Es gibt dort die Vereinbarung, sich gegenseitig nicht öffentlich zu zitieren, daraus entstehen diese Verschwörungstheorien. In der Realität geht es dort überhaupt nicht konspirativ zu, sondern wie bei jeder ähnlichen internationalen Veranstaltung. Die Teilnehmer sind nur etwas offener, weil sie sich auf diese Vertraulichkeit verlassen."

In die Politik will Scholten nicht zurück: Seine siebenjährige Ministerzeit sei "eine sehr aufregende, erfahrungsreiche und schöne Arbeit" gewesen. "Ähnlich einer spannenden, über Jahre gehenden Reise, von der man nach Hause zurückgekehrt ist, bin ich sehr froh über die Erfahrung, würde aber deshalb die Reise nicht gleich wieder beginnen." (red)
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