"Zeitfressende Maschine"

"Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden"

09. Juli 2010 11:20
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    Matthias Horx

Zukunftsforscher Matthias Horx glaubt nicht an Zukunft von Social Networks

Die Art und Weise, wie der Mainstream-User das Internet nutzt, wird sich in den kommenden zehn Jahren massiv verändern. Fragt man Trend- und Technikexperten, spielen dabei vor allem die Schlagworte Sicherheit und Sinnhaftigkeit eine bedeutsame Rolle. "Von Facebook wird in fünf bis sechs Jahren kein Mensch mehr reden", zeigte sich Zukunftsforscher Matthias Horx überzeugt. "Soziale Netzwerke sind heute schon weit über ihren Hype hinaus." Massive Ausstiegswellen seien in den USA bereits jetzt Realität.

Eine "zeitfressenden Maschine"

Den Grund sieht Horx vor allem in der benutzerunfreundlichen Beschaffenheit des World Wide Web, die den Computer derzeit noch zu einer "zeitfressenden Maschine macht, die überhaupt nicht das bringt, was sie soll". Die Prognose des Forschers: "Soziale Verlierer verbleiben in den Netzen - diejenigen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich ständig gegenseitig die Unterhosen zu zeigen."

Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter des Ars Electronica in Linz befürchtet gar die Entwicklung einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: "Social Media baut derzeit auf der gratis Info-Freigabe auf." Bleibe das Internet rein über den freien Markt geregelt, dürften kostenlose Dienste zunehmend mit einem Offenlegen der Privatsphäre "bezahlt" werden. "Wer es sich leisten kann, benutzt dann teure Foren", meint Stocker, der in den kommenden Jahren aber auch zwei andere Alternativen für möglich hält.

"Das erste Szenario ist auf jeden Fall, dass es wesentlich stärkere Reglementierungen geben wird", so der Experte. Mit dem Argument, dass Bürger und Wirtschaft geschützt werden müssten, sei dies für Staaten nur eine Frage des technischen Aufwands. "Lieber" wäre Stocker eine Revolution, bei der die Bürgerrechte aus dem realen Leben auf die virtuelle Welt übertragen werden. Denkbar sei dies durch ein Übernahme gewisser Infrastrukturen in den öffentlichen Bereich, was einen ungehinderten, freien Meinungsaustausch sicherstellen würde, erklärte Stocker. Genauso wie der Staat für Parkanlagen und Räume sorge, an denen Menschen unbeschränkt kommunizieren könnten, sollte er dies auch im Internet ermöglichen.

"40 Prozent der Menschen kaufen im Internet ein - aber trauen ihm nicht"

Beeinflusst wird der bevorstehende Entwicklungsprozess laut beiden Experten maßgeblich von den immer deutlicher werdenden Gefahren und dem kriminellem Missbrauch des Internets, das dadurch seinen bisherigen Unschuldscharakter zunehmend verlieren wird: "40 Prozent der Menschen kaufen im Internet ein - aber trauen ihm nicht", kritisierte Horx. Die Folgen: "Wir werden in zehn Jahren so eine Art Cyberrecht haben." Und: "Es gibt einen Offline-Trend. Menschen gehen bewusst weg vom Internet und verweigern es. Die Frage ist, wie groß diese Bewegung wird." Am Beispiel Google Street-View "wird plötzlich klar, dass die neue Digitalität nicht vor dem Gartenzaun haltmacht. Wir werden noch viele solche Dinge erfahren", ist auch Stocker überzeugt.

Der Blick auf mögliche Innovationen im Internet ist ebenfalls nicht unbedingt rosig: Getreu dem Sprichwort "Geld regiert die Welt" werden Entwicklungen gebremst, nur was sich wirtschaftlich lohnt wird forciert. Ein Beispiel dafür ist laut Stocker der nicht vorhandene Einsatz von Mobiltelefon-Ortungen für Stauprognosen. "In jedem Auto fährt mindestens ein Handy mit", erklärte Stocker. Schon jetzt könne man anhand dessen sehr präzise feststellen, wie viele Personen an einem Ort eingelockt seien bzw. sich auf einen Punkt zu bewegen. "Nur es gibt niemanden, der damit Geld machen kann", kritisierte er. In fast jedem kleinen Gegenstand sei heute schon ein internetfähiger Chip integriert, profitiert werde davon aber nur bei einem volkswirtschaftlichen Nutzen.

"Menschen lieben die jetzige Physikalität, vor allem Männer. Das Auto ist ein lange evolutionär gewachsener Gegenstand."

Zusätzlich dürfte das Festhalten an archaisch Verankertem für nur schleppende Fortschritte sorgen. Modernisierungen im Autosektor seien beispielsweise schwierig, betonte Horx. "Menschen lieben die jetzige Physikalität, vor allem Männer. Das Auto ist ein lange evolutionär gewachsener Gegenstand." Triumphmeldungen über die bald bevorstehende Fernsteuerung des Straßenverkehrs machen den Zukunftsforscher daher ebenso skeptisch wie der generelle Ruf des Internets: "Es ist ein großer Irrtum, dass das Internet wahnsinnig schnell ist. In Wirklichkeit ist das Internet wahnsinnig langsam", verurteilt Horx den gängigen Ruf des World Wide Web als reine "Selbst-Propaganda".

Seine Argumente dafür: Nur ungefähr 15 Prozent der Menschen nützen Social-Network-Plattformen und erst 20 Prozent leben im sogenannten Internet-Zeitalter. Die meisten Menschen gehen immer noch von ihrem Desktop online und verwenden keine mobilen Geräte. Bis das Internet als Hintergrundtechnologie für alle realisiert wird, dauert es laut Horx mindestens bis Mitte dieses Jahrhunderts. (APA)

UPDATE: Matthias Horx hat einen ergänzenden Text auf seiner Homepage veröffentlicht: Meine wirklichen Thesen zum Internet.

 

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Posting 1 bis 25 von 296
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Noxventa
15.07.2010 07:28
Komisch

Warum leben nur 20% im Internetzeitalter aber 70% aller österreichischen Haushalte haben Internet? Quelle: http://www.statistik.at/web_de/st... index.html

Selbst meine Oma's (65 bzw. 70) schreiben täglich E-Mails und nutzen das Internet fleissig.

freeye
21.07.2010 12:28
lesen?

Die meisten Menschen gehen immer noch von ihrem Desktop online und verwenden keine mobilen Geräte.

Noxventa
15.07.2010 07:25
Facebook

WOW, die Erkenntnis dass es in 5-6 Jahren kein Facebook mehr gibt ist wirklich sensationell.

Fast kein Online-Angebot überlebt 5-6 Jahre, außer es ist extram außergewöhnlich oder wird laufend adaptiert.

Und langsam ist das Internet bestimmt nicht, die Geschwindigkeit in der Informationen im World Wide Web verbreitet werden, ist enorm. Onlineportale berichten über Ereignisse fast Live. (Europark-Kindesentführung, Haiti, Unfälle etc.)

Andrian Susu
15.07.2010 00:12
herr horx wettert immer gegen das was gerade aufmerksam hat

so bekommt er aufmerksamkeit und trifft es nicht zu, so gibt es ausreden und tritt es ein, dann hat er es immer gewusst.

man sollte ihm einfach keine aufmerksamkeit schenken!

isfaran
 
14.07.2010 21:30
Abstimmen über Zukunft von Facebook

Mal schauen, was ihr denkt über die Zukunft von Facebook, und in 3 Jahren können wir ja schauen, ob Horx oder ihr recht hattet:
http://www.vizu.com/poll-vote... l?n=215652

Theatre of Tragedy
14.07.2010 19:15
Es ist ein großer Irrtum, dass das Internet wahnsinnig schnell ist. In Wirklichkeit ist das Internet wahnsinnig langsam

Mein Professor für Prozessregelung, Prof. Coufal, müsste das jetzt lesen. Er würde den werten Herren Zukunftsforscher entgegnen:

"DAS INTERNET IST NICHT LANGSAM, ES VERMITTELT DATEN MIT LICHTGESCHWINDIGKEIT!!!"

Mit gefühlten 130 Dezibel. Und er würde Recht haben.

01052004
14.07.2010 18:34
willkommen im sommerloch!!!

jedes jahr rülpst uns der hnerr zukunftsforscher irgendwas aus dem sommerloch entgegen... leider sinds nur rülpser

mich würd interessieren, was der herr "technikexperte" zur zukunft von verwendeten energien sagen wird...schweigen???...dann muß es ja wirklich wichtig sein...

und was mir auffällt: der war auch schon freizeitexperte, lebensstilexeperte, kommunikationsexperte undwasweißich...

wie hat er denn zur fußball-wm getippt??? daneben??? blöd. sogar ein viech wußte das besser als er...

Eiffel LaTour
14.07.2010 16:40
"Von Hoax wird in fünf bis sechs...

Jahren kein Mensch mehr reden", erwiderte Facebook am Dienstag auf die Aussage vom Zukunftsforscher.

Taji Soron
14.07.2010 11:48
Es redet schon lange niemand mehr davon

was Herr Hoax (Nomen est omen) vor fünf, sechs Jahren vorausgesagt hat (warum das so ist, kann man sich an einem der Links in einem Posting weiter unten überzeugen). Nichts desto trotz wird er nach wie vor zu "eh fast allem" befragt und darf seinen Senf dazugeben. Bei der Menge an heisser Luft, die dabei produziert wird, sollte er - geschäftstüchtig wie er nun einmal ist - doch gleich auch ins Erneuebare-Energie-Business einsteigen...

Mad Max
14.07.2010 10:48

Von einer Qualitätszeitung wie dem Standard würde ich mir erwarten solche Meldungen zumindest ein wenig journalistisch zu hinterfragen.

Zu Horx:
http://www.datum.at/0209/stor... -matthias/

Alf von Melmak
14.07.2010 07:27
"Zeitfressende Maschine"

Wie wahr!

Hoffentlich behält der gute Mann mit seinen Prognosen recht!

See Tang
14.07.2010 08:02

er wird sicher weiter heiße Luft verbreiten...

Alf von Melmak
14.07.2010 07:25
"Soziale Verlierer verbleiben in den Netzen - diejenigen, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als sich ständig gegenseitig die Unterhosen zu zeigen."

Also die überwiegende Mehrheit der Nutzer?

tarte tatin
13.07.2010 16:01
hype ohne grenzen?

so sehr horx schon öfters danebengelegen ist, glaube auch ich nicht unbedingt an ein unbegrenztes wachstum von facebook. das wünschen sich nur die, die ihre zeit am liebsten dort verbringen.

es ist nun mal kein web-angebot für die ewigkeit geschaffen, im gegenteil lebt ja das internet von kurzen aufmerksamkeitsspannen und kurzfristigen hypes. die hypes um myspace, second life (zugegeben nicht ganz dasselbe) oder hierzulande studiVz sind abgeklungen - aber die netzwerke immer noch da, ohne dass sich dort groß etwas tut.

ähnlich wird es wohl auch bei facebook sein. irgendwann hört es einfach auf, spannend zu sein, und das nächste heiße ding wird serviert. wieso sollte es gerade hier anders sein?

GreyPaladin
13.07.2010 16:52

"glaube auch ich nicht unbedingt an ein unbegrenztes wachstum von facebook. "

Ich hoffe du glaubst bei gar nichts an ein unbegrenztes wachstum..

Tobias P
13.07.2010 15:45
Statistiken...

"Nur ungefähr 15 Prozent der Menschen nützen Social-Network-Plattformen und erst 20 Prozent leben im sogenannten Internet-Zeitalter."

=> 75% der im "Internet-Zeitalter" lebenden Menschen (danke für das wahnsinnig kreative Wort - ich nehme an es ist gemeint "Menschen mit permanentem Internetzugang") verwenden Sozial networks.

Wenn ich mir jetzt noch ansehe, weshalb "nur" 20% im "Internet Zeitalter" leben - sprich wie denn wohl die Zugangsmöglichkeiten sind?
WIR können uns einen permanenten Zugang leisten
Wir = große Teile von EU, US, Canada & OZ. Ja und in Asien wohl noch Japan.

Meine Folgerung:
Nahezu alle die mit PCs (halbwegs) umgehen & sich Inet leisten können, nutzen es auch.

Alfred Jodelhuber
 
13.07.2010 13:25

"Never make forecasts, especially about the future."
(Sam Goldwyn)

See Tang
14.07.2010 08:05
nerd__
14.07.2010 16:31
wichtiger link!

silverfinger
14.07.2010 11:25

danke für den link - hat mich sehr erheitert ;)

Konopke
13.07.2010 13:17

"Wir werden in zehn Jahren so eine Art Cyberrecht haben."
...und Horx ist schon jetzt der Scharfrichter!

Ret Marut
13.07.2010 07:39
Horx Schmorx

truly
13.07.2010 00:09
das ist wirklich ein unfreiwilliges kabarett

:D :D

truly
12.07.2010 23:19
schmonzens

BeInformed
12.07.2010 22:36

Klar! Es hat ja auch mal einer festgestellt, dass es weltweit einen Bedarf von 5-10 Computer geben wird! :-)

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