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Die Sehnsucht nach der unerreichbaren emotionalen Erfüllung: "Kasimir und Karoline" in Pregarten
Pregarten - Die Liebe in Zeiten der Krise, sie ist bei Ödön von Horváth eine endliche. Wenn er seinem Volksstück "Kasimir und Karoline" das Motto "Und die Liebe höret nimmer auf" voranstellt, dann klingt mit dem Bibelzitat vor allem die kleinbürgerliche Sehnsucht nach der unerreichbaren emotionalen Erfüllung an.
Eine Sehnsucht, die zwischen dem gerade entlassenen Kasimir und seiner Verlobten Karoline in die Brüche geht. Die Scherben, sie werden unter die Biertische des Oktoberfests gekehrt. Während Kasimir seinen Frust über den Jobverlust weder auf Beziehungsebene noch mit Bier loszuwerden vermag, frönt Karoline der Ablenkung per Fahrgeschäft.
Christian Scharrer und Melanie Kogler erweisen sich in der Inszenierung Markus Steinwenders als perfekt besetztes Titelpaar. Scharrers Kasimir schwankt zwischen Poltern, Melancholie und Scham, während Kogler ihre Karoline eine ebenso naive wie selbstbewusste Leichtlebigkeit angedeihen lässt.
Der Schauplatz Oktoberfest wird in der Aufführung der Bruckmühle mit Buden nachempfunden, an den aufgestellten Biertischen sitzt das Publikum selbst. Das Ensemble spielt um und zwischen den Reihen, für Wirbel auf den Wegen darf zuvorderst der aufbrausende Merkl Franz (Dominik Hohl ) sorgen. Die von ihm unterdrückte Erna (Susanna Bodingbauer) trällert trotzig Ich gehör zu dir, während sich Karolines Zufallsbekanntschaft Schürzinger (Daniel Ruben Rüb) an rassistischem Schlagergut versucht - Liedtexte als Variante von Horváths "Bildungsjargon" , hier der schlampigen Herzensbildung zugehörig.
Mit viel Sensibilität für Horváths Sprachgebung und gut integrierten Laien vermag die Inszenierung zu überzeugen. Und selbst der vorbeifahrende Zug wird eingebunden, als Symbol für das entglittene Leben, dem man noch fröhlich nachwinkt. (Wolfgang Schmutz / DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2010)
Pregarten, Bruckmühle, 07236/25 70. 20.00
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