Schon allein aufgrund seiner überragenden Körpergröße könne Ägidius Zsifkovics nie wirklich unauffällig sein
Er sei, sagen seine Kritiker, in den elf Jahren als Generalsekretär der österreichischen Bischofskonferenz eher unauffällig gewesen. Unsinn, meinen seine Freunde: Schon allein aufgrund seiner überragenden Körpergröße könne Ägidius Zsifkovics nie wirklich unauffällig sein. Zurückhaltend, bescheiden und verbindlich, das ja - aber das müsse ein Mann wohl sein, der mit Bischöfen wie Kurt Krenn ebenso auskommen musste wie mit Alois Stecher oder Christoph Schönborn.
Studienkollegen erzählen, dass sie dem aus Güssing stammenden Burgenland-Kroaten von jeher zugetraut hätten, Bischof zu werden - denn er habe seelsorgliche und politische Fragen gleichermaßen auffassen können. So wurde Zsifkovics gleich nach dem Studium (Priesterweihe 1987) Sekretär des damaligen burgenländischen Bischofs Stefan László, der in den Wende-Jahren den Kontakt zwischen der österreichischen Kirche und den Kirchen in den östlichen Nachbarländern gepflegt hatte, was seinem Nachfolger Paul Iby viel weniger gelungen ist.
Eine Aufgabe, die der Karriere-Katholik Zsifkovics in seinen verschiedenen Funktionen umso lieber weitergeführt hat. Mit Beharrlichkeit und Feinfühligkeit gelang es ihm, die Nachbarn zu bewegen, 2004 einen Mitteleuropäischen Katholikentag gemeinsam in Österreich auszurichten. Nicht im alten Machtzentrum Wien, sondern in Mariazell, das als Wallfahrtsort weit in den Osten strahlt.
Neben diesen Aufgaben achtete Zsifkovics aber stets darauf, dass er die Bodenhaftung nicht verliert: Seit 1994 ist er Pfarrer der nordburgenländischen Gemeinde Wulkaprodersdorf/Vulkaprodrstof.
Dort weiß man, dass er nur auf den ersten Blick spröde wirkt - nach spätestens drei Minuten finde Zsifkovics mit beinahe jedem Gesprächspartner eine Verbindung, in der man gemeinsam lachen könne. Den Kritikern von Zsifkovics ist das Lachen angesichts der überfallsartigen Bestellung allerdings vergangen. Der Theologe Paul Zulehner hat ihm zu große Rom-Nähe vorgeworfen - Zsifkovics war einige Zeit Vizerektor des Instituts Santa Maria dell'Anima in Rom. Hans Peter Hurka von "Wir sind Kirche" erinnert sich daran, dass der Dialog mit Zsifkovics eingeschlafen ist - und dass man mit ihm als "ideenlosem Vollzieher" römischer Entscheidungen keine Gesprächsbasis finden werde. Abwarten, sagen seine Freunde: Zsifkovics sei zwar "ein traditioneller Priester" , aber wandlungsfähig. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2010)