Die Klasnic-Kommission hat völlig zu Recht Anzeige erstattet
Der Vergewaltigungsfall eines Elfjährigen bei den Schulbrüdern in Strebersdorf vor 17 Jahren ist umstritten. Die Führung der Schulbrüder leugnet, allerdings mit Behauptungen ("wir wurden erst durch die Medien unterrichtet"), denen die Klasnic-Kommission vehement widerspricht.
Nun hat sich auch die ehemalige FPÖ-Abgeordnete und damalige Untersuchungsrichterin Helene Partik-Pablé gemeldet. Die Angaben der Mutter des Schülers seien widersprüchlich gewesen, sie habe den Fall eingestellt. Mit Verlaub, es gab Zeiten, und die sind nicht so lange her, da wurden solche Anschuldigungen gegen Kleriker schlicht und einfach nicht geglaubt. Oder es erschien jemand in der Staatsanwaltschaft nicht opportun, energisch gegen sakrosankte Institutionen wie die Schulbrüder vorzugehen. Außerdem ist die Meldung von Partik-Pablé ziemlich seltsam, wenn man bedenkt, dass der Fall jetzt noch einmal vor den Staatsanwalt kommen soll. Denn die Klasnic-Kommission hat völlig zu Recht Anzeige erstattet, und es wird nun neuerliche Untersuchungen geben (müssen). Was Partik-Pablé da tut, riecht stark nach Justizbeeinflussung.
Wir werden noch etliche solcher Fälle erleben, viele davon aus länger zurückliegender Vergangenheit. Die Opfer wagten oft nicht zu reden, und die Institutionen (nicht nur kirchliche) hatten die Macht des Establishments hinter sich. Da gibt es viel Schockpotenzial. (rau, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Juli 2010)