Das gefährlichste Land der Welt hat die WM fast geschupft

8. Juli 2010, 18:49

Man soll das Turnier nicht vor dem Finale loben. Aber es sieht so aus, als hätten die Bedenkenträger wieder einmal zu schwarz gemalt

Johannesburg - Terroranschläge waren befürchtet worden, Rassenunruhen, Mord und Totschlag und ein überforderter Polizeiapparat. Die WM-Realität in Südafrika, laut Statistiken das gefährlichste Land der Welt, sah anders aus. Nur vereinzelte Überfälle auf Touristen und Journalisten sowie Auseinandersetzungen zwischen Stadion-Ordnern und Polizeikräften in Kapstadt und Durban trübten das Bild.

"Mit Blick auf die Befürchtungen, die vor der WM zum Teil nicht ganz unbegründet die Runde gemacht haben, muss man nun auch einmal sagen: Hut ab!" , sagte Hendrik Große Lefert, der Einsatzleiter der deutschen Polizei in Südafrika. "Im Hinblick auf die Sicherheitslage und auf die Zusammenarbeit vor Ort sind wir positiv überrascht worden."

Zahlen zu WM-relevanten Straftaten wurden bis dato nicht veröffentlicht, Südafrikas Parlament muss derartige Statistiken erst freigeben. Die bei der WM 2006 in Deutschland dokumentierten Vorfälle - 7000 Straftaten, 875 verletzte Personen, darunter 250 Polizisten, und 9000 polizeiliche Festnahmen - dürfte Südafrika weit unterboten haben. Der Hauptgrund: Anders als 2006 in Deutschland traten Hooligans gar nicht in Erscheinung. Selbst beim Risikospiel zwischen Deutschland und England (4:1) im Achtelfinale in Bloemfontein blieb es weitgehend ruhig.

Abschreckend dürften die rigorosen Strafen der eigens zur WM eingerichteten 56 Schnellgerichte gewirkt haben. Ein Dieb wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er einem Touristen das Handy gestohlen hatte. Ein Nigerianer bekam wegen illegalen Besitzes von WM-Tickets drei Jahre.

Ein tragischer Unfall hatte das Gastgeberland allerdings schwer erschüttert. Zenani Mandela, die 13-jährige Urenkelin von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela, war auf dem Rückweg vom WM-Eröffnungskonzert in Soweto von ihrem betrunkenen Chauffeur in den Tod gefahren worden. Mandela hatte daraufhin seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier abgesagt. Bedenken, dass auf den zum Teil katastrophalen Straßen Südafrikas zahlreiche WM-Touristen sterben könnten, erwiesen sich jedoch als falsch.

41.000 Polizisten hat Südafrika in den WM-Spielorten zusätzlich aufgeboten. Dass die staatlichen und von der Fifa subventionierten Anstrengungen nach der WM zurückgefahren werden, ist die größte Sorge der Bevölkerung. Zumal es in einigen Townships kräftig rumort. Truppen in Ramaphosa und Du Moon sind in Alarmbereitschaft, weil es bereits zu rassistischen Übergriffen gegen Ausländer, vor allem aus Simbabwe und Malawi, gekommen ist. "Wenn die Fans gehen, müsst ihr auch weg" , lautet die Parole. (krud, sid - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8.7. 2010)

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Fakelaki
00
10.7.2010, 19:15
Laut Statistiken das gefährlichste Land der Welt

Aso? Gefährlicher als Afghanistan? Dann spricht ja nichts dagegen, die nächsten Spiele in Kabul auszutragen.

peter schmidt
 
00
Südafrika hat das super gelöst und die fans waren auch fein.

Ist oft nichtmal schlecht wenns ein bisschen weiter weg von England und diversen anderen eher rüpelhaften fangruppen stattfindet. dadurch kann sich der ruß nicht immer ein ticket leisten.

auch die uhrzeit ist auf grund der zeitzone natürlich um klassen besser als es bei der wm in asien war.

DIe Südafrikaner haben die mannschaften super unterstützt.

von schwerwiegenden übergriffen ist nichts bekannt.

hätten nicht manche journalisten (vielleicht gesponstert von neckermann und TUI??) eine katastrophe herbeigeschrieben wären auch noch mehr leute gekommen.

bei länderberichten muss man immer auch aufpassen weil ganz uneigennützig ist sowas oft nicht. OFt gehts darum eigene pauschalurlaubsdestinationen als sicherer darzustellen als andere.

schlander cinaedi sunt
02
naja

war alles abgesperrt, die kriminellen sind in den vororten, da habens einen zaus aufgestellt

nebenerwerbsposter
10
wirklich?

pakistan war bei der wm dabei? in der gleichen gruppe wie irak und afghanistan?
hab ich gar nicht bemerkt.

silverfinger
10

Südafrika ist nicht weniger gefährlich als manche Suburbs in den USA ... mit diesem Artikel hat man einfach wieder die Meinung der Masse wiedergegeben

a grünes stricherl
 
00
ähm .. naja in etwa so ungefährlich wie der norden mexicos .. das triffts eher

da leben sie in den vorstädten seattles entschieden sicherer.

sie kennen die kriminalitätsraten aus südafrika?

und ja .. in den eingezäunten villenvierteln der weissen und der kleinen schwarzen oberschicht passiert weniger ..

silverfinger
00
11.7.2010, 16:42

naja war ein Jahr in USA und hab dort gelebt ... wenn man sich New Orleans oder LA anschaut ... da will man in manche Viertel nicht mal am Tag mit dem Auto durchfahren

f 3
01

... nicht weniger gefährlich?!

silverfinger
00
11.7.2010, 17:02

sorry meinte das Gegenteil - nicht mehr gefährlich als die Suburbs

derKannibale
00

Gefährlichstes Land der Welt? So ein Schmarrn.

aereo
00

Wobei schwarzmalen nicht ganz der richtige Ausdruck ist.
Die Wahrscheinlichkeit eines tödl. Verkehrsunfalls pro zugelassenem Kfz ist in SA 20 x höher als in D. Das ist ein großes Problem auch wenn vielleicht keine Fußballtouristen zu Schaden kamen. Ebenso dramatisch die Zahlen an Gewaltverbrechen. 'Juhu, gar nix ist passiert' ist also nur ein Teilaspekt.

rapidfans.at
01
man muss ehrlich zugeben, daß man sich das ganze durch vorurteile wesentlich schlommer vorgestellt hat.

gut, aufgrund der fehlenden 'fanhorden' gabs zwischen den fans weniger reiberern. aber befürchtet wurden ja eher verschleppungen von banden usw.

muss man wirklich eingestehen: haben sie sicher viel besser gelöst, als viele geglaubt haben.

SagServus
01

Die höchste Kriminalitätsrate von Staaten mit Polizei ist wohl kein Vorurteil.

Caysan Laclacée
06
"dass auf den zum Teil katastrophalen Straßen Südafrikas"

Wer so einen Blödsinn als Redakteur in die Printausgabe schreiben darf gehört sofort hinausgeworfen.

Südafrika ist Straßenbaulich erste Klasse! Autobahnen durch's ganze Land, breite Landstraßen überall... - maximal die Zufahrt zur einen oder anderen abgelegenen Farm ist eben nur 4x4 tauglich.

wie kommt man nur auf sowas...?

cyber ferkel
00

Ich wollte gerade ähnliches schreiben - der Redakteur war noch nie in SA!

MarcoMadre
01
schön dass wenig passiert ist, aber:

"Ein Dieb wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er einem Touristen das Handy gestohlen hatte. Ein Nigerianer bekam wegen illegalen Besitzes von WM-Tickets drei Jahre."

WTF???
Diese Strafen sind sowas von unverhältnismässig, dass es fast schon Straftaten seitens des Staates sind!

peter schmidt
 
00
gestern hat am landesgericht ein russe für den diebstahl einer flasche wiskey

bei eurospar 10 monate strafe (unbedingt ) erhalten und weiters den widerruf seiner beisher bedingt nachgesehenen strafe in höhe von 8 monaten . also 18 monate insgesamt. (waren bisher seine einzigen vorstrafen) . eh ganz ordentlich auch oder?

mister moster
00
stimmt, das ist der Abschreckung mehr als viel

i am austrian
01

ironie das die einzigen 2 Toten(Mordopfer)der WM in einem der sichersten Länder zu beklagen sind?

Roman Weinhofer
 
01

Gibt es das Wort "Bedenkenträger" oder ist dem Autor nur kein besseres eingefallen?

Quant N. Sprung
00
Ja, das Wort gibt es...

... und zwar auch im Duden:

http://www.duden.de/definitio... r%C3%A4ger

public enemy
18
7. und letzter teil

FAZIT:

nur eigenwahrnehmungen

anzahl der pissenden männer vor nach stadion in sa: 0
in EM 08: im prater blühen immer noch die bäume davon

anzahl der schlägereien vor und nach stadion / fanzone: sa 0- em08 min. 20

anzahl der polizei einsätze gesehen:
sa: 0- em 08 min. 4

wartezeit von stadion weg max. wartezeit mit öffentl. verkehr / taxi
sa: 30 min. em 08: bis zu 2 h: cl final 09: 3,5 stunden

gäbe noch viel zu schreiben, aber ich hoffe , dass ich mal ein authentischeres bild gezeichnet habe. zumindest dass ist den leuten dort geschuldet !

Ruben Manuel Da Silva
00

danke für den subjektiven und informativen bericht!

start wearing purple
00
danke

SOWAS ist interessant!

Top "Serie"!

Little Dombi
02

Ich fand Ihren Bericht super und würde auch noch weiterlesen.

Auch Ihre Vergleiche (z.B. "our success") kann man sicher so unterstreichen. Nur die Vergleiche mit der EM verstehe ich nichts ganz. Ich war bei fünf EM-Spielen in Wien und Salzburg, die Wartezeiten habe ich ganz anders erlebt (das U-Bahn-System beim Happel ist 1a). Was ich aber eigentlich sagen will, freuen wir uns, dass es eine gute WM ist und machen wir doch deswegen nicht die EM schlechter als sie war.

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