Kopffüßler werden im Fußball normalerweise mit Millionen geködert
Paul ist, wie der Wiener sagt, "ein Wahnsinn normal" . Wieder ist er richtig gelegen. Hat Wettkönige rund um den Erdball beschämt. Hat nicht auf das bezaubernde Deutschland getippt, wo er unbehelligt zu Hause ist. Sondern auf Spanien, wo er normalerweise in die Paella geschnipselt wird. Aber klar, Paul kann nicht anders. Er ist ein Kopffüßler. Und wer sonst als er sollte eine Ahnung vom Fußball haben, in dem die Kopffüßler jene Ausnahmen sind, die man mit Millionen ködern muss.
Und auch klar, dass so ein Ausnahmeexperte von quasi prohaskaoidem Zuschnitt bald auch der schnöden Trittbrettfahrerei zum Opfer fällt. Gestern tauchte im Internet eine Paul'sche Prä-Prophezeiung auf, wonach Holland den Titel holt. "De Telegraaf" enthüllte das freilich umgehend als Fälschung und mahnte: "Wir dürfen uns nicht zu früh freuen!" Denn die offizielle Orakelstunde ist erst am Freitag. X internationale TV-Stationen werden dann wieder live übertragen.
Xabi Alonso, der selber ja auch acht Füße hat, hält den Paul aus dem deutschen Ruhrpott, der den Ausgang aller deutschen WM-Spiele qua Muschelfleisch-Alternativen richtig vorhergesagt hatte, schlicht für "ein Wunder" . Kein Wunder also, dass der spanische Ministerpräsident José Luiz Rodríguez Zapatero vorm Finale verspricht:"Wir schicken ein Leibwächterteam."
Das wiederum könnte dann nur von Angela Merkel, der Chefin auch in Oberhausen, bezirzt werden. Dann aber sähe es wohl sehr schlimm aus für die schmackhafte Paella-Zutat. Oder für Joachim Löw. Oder wenigstens für seinen blitzblauen, sauteuren, aber wirkungslosen Pullover. (Wolfgang Weisgram - DER STANDARD PRINTAUSGABE 9.7. 2010)