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Wenig Geld, wenig Profs, viele Drop-outs

8. Juli 2010, 18:35
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    foto: apa/neumayr

    Studenten demonstrieren im Oktober 2009 gegen die "katastrophalen Bedingungen an den Hochschulen"

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    Quelle: IHS-Univergleich

  • Die Studie zum Download

Wissenschaftsministerium hält Uni-Finanzvergleich seit fünf Jahren unter Verschluss

Wien - Es war einmal eine Wissenschaftsministerin, die wollte etwas über ihre Universitäten wissen, und stellte die Frage: "Wohin fließt das viele Geld?" Es war Elisabeth Gehrer (ÖVP), man schrieb das Jahr 2004, und das Institut für Höhere Studien (IHS) bekam damals den Auftrag zur Erstellung eines "Finanzvergleichs von Universitäten in Zürich, München, Darmstadt und Wien" . Dem Vernehmen nach war der erste Arbeitsauftrag, zuerst einmal das Wort "viele" zu streichen. Im August 2005 war die Studie fertig - und verschwand dann im Ministerium auf Nimmerwiedersehen.

Bis jetzt, denn der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) wurde der 178-Seiten-Bericht zugespielt - und damit "der Beweis für die katastrophale Unterfinanzierung" , sagt Sigrid Maurer (Gras - Grüne & Alternative StudentInnen) vom ÖH-Vorsitzteam im Gespräch mit dem Standard, dem die Studie ebenfalls vorliegt: "Das Ministerium vertuscht die Studie seit Jahren. Statt sie als Argument gegenüber dem Finanzminister zu verwenden, ließ man lieber Gras darüber wachsen."

Was leistet diese Studie? Sie ist die einzige, valide Datensammlung über zentrale Kennzahlen von Universitäten. Verglichen wurden drei "Voll-Unis" (Uni Wien, Ludwig-Maximilians-Uni München, Uni Zürich) und drei Technische (TU Wien, TU Darmstadt, ETH Zürich). Was die Studie so aussagekräftig macht, ist, dass alles, was unvergleichbar oder einmalig ist, herausgerechnet wurde (z. B. Medizin, Mieten, Bauinvestitionen, Doppelstudien).

Die wichtigsten Ergebnisse:

Ausgaben pro Studierendem: An finanziellen Mitteln pro Studierendem "verfügt die LMU München über rund 40 Prozent und die Universität Zürich über 120 Prozent höhere Ausgaben als die Universität Wien". Zürich gibt also für einen Studierenden das rund 2,2-Fache von dem aus, das die Uni Wien ausgeben kann. Auch die TU Darmstadt dürfte "inzwischen etwa 20 bis 25 Prozent mehr Ausgaben pro Studierende/n aufweisen als die TU Wien" . Die ETH Zürich hat dagegen um ganze 300 Prozent höhere Ausgaben pro Studierendem als TU Wien und Darmstadt, hat also viermal so viele Mittel pro Studentenkopf zur Verfügung.

Deutliche Unterschiede - zulasten Wiens - zeigen sich auch bei Investitionen. Diese betragen pro Studierendem gerechnet an der LMU das Dreifache, an der Uni Zürich das Sechsfache gegenüber der Uni Wien. An der TU Darmstadt sind sie fast um das Dreifache höher als an der TU Wien, an der ETH Zürich um das Achtfache.

Drop-out-Rate: Mit einer geschätzten durchschnittlichen Abbrecherrate von 50 Prozent liegt die Uni Wien vorn, die LMU folgt mit 44 Prozent, die Uni Zürich mit 40.

Wobei hier eines deutlich wird - und das zeigt die elaborierte Studie sehr gut, weil sie die Ergebnisse auch auf die Fakultätsebene herunterbricht: Der schlechte Wert der Uni Wien resultiert "fast ausschließlich" aus der hohen Drop-out-Rate in den extrem überlaufenen Massenfächern in der (für den Vergleich an allen Unis konstruierten) geistes- und sozialwissenschaftlichen Fakultät (GeSoWi).

In den GeSoWi-Fächern schließen 58 Prozent der Studienanfänger an der Uni Wien ihr Studium nicht ab, das sei ein "besonders hoher" Wert, auch der am Juridicum (44 Prozent). Überdurchschnittlich hoch ist er auch an der GeSoWi (46 Prozent) und der Naturwissenschaft-Mathematik-Fakultät (53 Prozent) der LMU sowie an der Wirtschaft-Informatik-Fakultät in Zürich (53 Prozent).

Betreuungsverhältnisse: Wieder ist die Uni Wien mit der GeSoWi negativer Spitzenreiter. Auf ein/e Wissenschafter/in kommen hier "rund doppelt so viele Studierende" wie in München oder Zürich. Selbst unter Einrechnung der "deutlich mehr externen Lehrenden" in Wien und Zürich verbessert sich die Relation nur leicht. Die deutschen Unis haben "deutlich mehr ProfessorInnen" als die Wiener und Züricher Unis. Oder andersrum: "Vor allem die GeSoWi-Fakultät der Universität Wien ist weniger gut ausgestattet" als jene in München und Zürich - "das gilt besonders hinsichtlich ihres Personalbestands."

Dass die Zahlen fünf Jahre alt sind, hilft den österreichischen Unis auch nichts. TU Darmstadt, TU München und LMU sind Gewinner der deutschen Exzellenzinitiative - und haben viel Geld bekommen. Die zwei Münchner Unis jeweils 21 Millionen Euro. Jährlich. Von 2007 bis 2011. In Österreich gab es das nicht.

Resümee von Thomas Wallerberger (Fest - Fraktion engagierter StudentInnen) vom ÖH-Vorsitzteam: "Die angekündigten Budgetkürzungen treiben die Hochschulen in den endgültigen Bankrott." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2010)

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Resi Vonderalm
00
Wer mit Erdnüssen bezahlt, muss sich nicht wundern wenn Affen für ihn arbeiten

Kinder-Uni und Schrebergartenbildungspolitik, passt ja perfekt... für einen Häftling wird mehr Geld ausgegeben als für eine Studierende...
und mit diesen Witzbeträgen faselt Frau Karl fern der realität von Exzellenz, Elite usw. - Fr. BM was nehmen sie ? will auch was von dem stoff haben....

StandardMeinung
10
10.7.2010, 13:27
Künstliche Aufregung

Mit solchen (oder ähnlichen) Zahlen hat man eh gerechnet. Und jede/r kann das Ergebnis zu seinen Gunsten interpretieren.

Für Maurer ist es der "Beweis für die katastrophale Unterfinanzierung".

Karl wird die niedrigen Drop-Out-Quoten und die besseren Betreungsverhältnisse in DE als Argument für Zulassungsbeschränkungen anführen.

a o e
04
10.7.2010, 12:51
Karl einsparen!

oder, wo sonst anfangen?

Fortiter In Re
02
10.7.2010, 01:46
Alles relativ

Eins muss man auch sehen: Wenn 2 Studien bei gleichem Personal 50 (A) vs. 200 (B) Studierende haben, ist B pro Studi "4x so schlecht ausgestattet" wie A. (Vgl. Staatsneuverschuldung: Sinkt das BIP, steigt die Verschuldung.) Wenn jetzt in A 0% dropout herrscht (in Germany wird dropout in den regulierten Fächern "nachbesetzt") und in B 75%, haben beide 50 AbsolventInnen. "Wenig Geld pro Studi" kann in manchen Bereichen also auch heißen "zu viele Studierende" (von denen viele nicht abschließen, weil die Bedingungen so schlecht sind, usf.). Es wäre daher interessant, auch die absoluten Budgetzahlen (nicht nur pro Kopf) zu vergleichen. - Eins ändert das nicht: Bei der Zahl an Studierenden, die Ö's Unis zugetraut wird, ist das Budget ein Skandal.

Fortiter In Re
02
10.7.2010, 02:01
Eben, S. 114 des Berichts:

55.000 Studis an der U. Wien, 36.000 an der LMU München, 20.000 an der U. Zürich, 8.000 an der ETH. Bekäme die U. Wien also gleich viel Budget pro Kopf, käme sie (dem Staat) 1,5x so teuer wie München und fast 3x so teuer wie die U. Zürich. Und das ist niemandem aufgefallen? Pfusch, elender...

Dexter M.
01
10.7.2010, 00:43
Wir sind Drop-Out !

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
04
österreich ist eben kein land der bildung...

ich überlege schon, meinen Master in deutschland zu machen, weil ich in Ö keine perspektiven sehe...

und der fail der tu, den jüngsten uniabsolventen nach deutschlad ziehen zu lassen (weil die tu keine stelle für ihn schaffen wollte...) unterstreicht nur, wie österreich und bildung funktionieren...

ausserdem: schauts euch mal die anderen unis an!
schon die gebäudekomplexe sind vieeeeeel größer, räumlicher und besser ausgestattet!

Raubkopierer
04

eigentlich handelt die politik streng wissenschaftlich nach den gesetzen der biologie. man hofft dass sich alles nach art der natürlichen auslese (soll heißen, die schwachen studenten werden im kampf um laborplätze von den stärkeren gefressen, und ja genau so mein ich das!) von selber regelt, wenn man nur lang genug nichts tut. dazu soll demnächst das gesetz des dschungels ins universitätsgesetz aufgenommen werden.

Resi Vonderalm
00
Gesetz des Dschungels

der war wirklich gut

Stoppt den ZENSURWAHN der Politiker - JETZT
02
ist bereits geschehen, indem das rektorat im "neuen" UG

viel mehr macht bekommen hat...

verteilerkreis
20
kennt man schon die undichte Stelle im Ministerium?

War die seinerzeitige Umfärbung etwa doch lückenhaft?

a o e
01
10.7.2010, 13:08
War die seinerzeitige Umfärbung

der gelbschwarze anstrich ist älter, kommt aber nicht aus der k&k zeit, sondern von den giebelkreuzlern.
die undichte stelle ist bereits länger bekannt:
Karl, Beatrix.

ja aber
02
wir brauchen ein neues bildungskonzept vom kindergarten bis zur pension

nur bei den unis herumdoktorn wird nicht reichen.

aber in oesterreich ist bildung schon immer ein makel. leider kann nicht jeder arbeiter oder bauer wie im vorigen jahrtausend sein.

trace route
16
Die Banken haben hundert Milliarden bekommen,...

... und bei den Unis sind die versprochenen 34 Millionen noch immer nicht da?

Liebe Studis, überlegt auch mal, ob ihr nicht schön langsam beginnen solltet euch das Geld SELBST aus den Banken zu holen?

IRONIE OFF

Sarah "Washingtonula Augustula" Palin 2012
02

Während der Demos wurden die Banken entlang des Weges brav von den polizeilichen Bütteln des kapitalistischen Systems geschützt. Wollen Sie den Schießbefehl austesten?

kerkerichyto
20

Und Sie meinen die sind dann so selbstlos, dass Sie das Geld anderen Studenten weitergeben. Also was dümmeres habe ich nocht nicht gelesen.

C18H27NO3
03
Die wirtschaft braucht idioten

sonst kauft keiner das gammelfleisch

Klaus Klaus3
01

danke auch für die komplette studie !

Okzitanier
04

finde ich auch ein tolles Service, dass die Studie im Original bereitgestellt wird, danke!

Jens Kampe
64
Verstehe ehrlich gesagt nicht...

...diese Abneigung gegen einen Numerus Clausus in Österreich.

Es ist doch nunmal so, dass gerade akademische Studiengänge dem Steuerzahler sehr, sehr teuer kommen. Z.B. ist ein Medizinstudium zwölfmal so teuer wie ein BWL-Studium.

Da finde ich es nur fair wenn man für solch kostenintensive Studien im Vorfeld schon entsprechende Leistungen sehen will. Davon ab leben wir generell in einer leistungsorientierten Gesellschaft, weshalb diese "Gleichmacherei" mehr schadet als nützt.

Aber gut, das scheint man bei Euch wohl anders zu sehen.

Resi Vonderalm
00
gegen den numerus clausus spricht

entwicklungspsychologische gründe, soziale selektion, wer keinen entsprechenden NC erreicht, bleibt auf der strecke, und belastet so erst recht die transfersysteme. abgesehen davon , sie vergessen(?) den sozialen nutzen, den die allgemeinheit von akademikern hat, und den volkswirtschaftlichen überdies, wieviel zahlt denn ein akademiker im laufe seines berufslebens ein ? und was hat das studium gekostet ?... wollen wir bei aller emotionalität in der debatte, nicht lieber fair und aufrichtig bleiben ?

Hepkat
31

Ich bin als Amerikaner genau von der selben Meinung, aber leider hier in Ö scheinen die Leute noch nicht bereit, diese Wahrheit zu erkennen. Bei uns in den USA muss man auch strenge Prüfungen machen (die SAT), gute Noten haben, viele außerschulische Aktivitäten und freiwillige Arbeit nachweisen können, Aufsätze und Motivationsbriefe schreiben, Vorstelleungsgespräche führen und Referenzbriefen vorlegen bevor man überhaupt an einer Uni zugelassen werden kann. Und warum? Das zeigt Motivation und Fleiß!

Hier in Ö darf jeder so lang studieren wie man will, Prüfungen so lang verschieben wie man will, es gibt kaum Qualitätssicherung und alles wird vom Steuerzahler bezahlt. Und trozt freiem Zugang hat Österreich immer noch zu wenige Akademiker!

xpla
01
19.7.2010, 13:22

Strenge Prüfungen?

Wirklich JEDER, aber wirklich jeder den ich kenne und bei euch auf Auslandssemester war, bewertet das Niveau deutlich unter dem europäischen.

Weiters geht's bei euch um gute Noten. Bei uns geht es nicht um den Notenschnitt, denn z.B. kann ein genügend auf der einen UNI, in einem Fach, ein Sehr Gut auf einer anderen UNI in einem äquivalentem Fach sein. Aussagekraft der Noten: 0 komma Josef.

Fritz Meyer
12
10.7.2010, 13:51
Bei euch in den USA...

Es gibt vieles, das Europa zum Glück nicht von euch abschauen muss. Eure Bildungsmisere ist nur eines davon.

Nur das Märchen, dass es "besser" wäre bei euch, das haben's euch wirklich gut eingebläut.

Hepkat
10
10.7.2010, 21:18

Ach so? Erklären Sie mir dann bitte, warum ihr unser Bachelor/Master/PhD eingeführt habt. Und warum bald das amerikanische Fakultätsystem. Vielleicht konnen Sie auch sagen warum zweimal soviele europäische Studenten studieren in den USA als umgekehrt oder warum europäische Studenten streben nach amerikanischen Qualifikationen, insbesonders in den Fächern Wissenschaft und Technologie. Erklären Sie mir auch wie diese so-gennante "Bildungsmisere" die meisten Nobelpreisträger hervorgebracht hat, oder wie sie den höchsten Betrag pro Student der Welt (25.000 Dollar im Gegensatz zu 11.000 in Europa) investiert. Wir haben die reichste Universitätssystem der Welt mit der höchsten Akademikerquote (38% im Gegensatz zu 21% der EU).

Erklären Sie bitte!

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