STANDARD-Interview

VP schließt höhere Steuern auf Stiftungen nicht aus

8. Juli 2010, 18:40

Generalsekretär Kaltenegger will "jenen, die mehr haben, einen Beitrag abverlangen"

Standard: In vielen Ländern versucht man, über die Abschaffung der Wehrpflicht zu einem billigeren Verteidigungssystem zu kommen. In Deutschland wird die Abschaffung der Wehrpflicht diskutiert, sollte man das auch in Österreich seriös angehen?

Kaltenegger: Ich selber habe neun Monate gedient ...

Standard: Neun Monate? Das müsste vor 1971 gewesen sein.

Kaltenegger: Richtig, es waren acht Monate im Jahr 1997, es sind mir nur wie neun vorgekommen ...

Standard: ... wie so vielen jungen Männern, die mit dem System der Wehrpflicht nicht glücklich sind?

Kaltenegger: Mir ist eine Erinnerung übriggeblieben: Was ist meine Aufgabe als Soldat? Diese Frage ist auch aktuell zu stellen - für das ganze Bundesheer. Welche Aufgabe hat das Bundesheer? Wenn diese Frage beantwortet ist, liegen alle anderen Antworten auf der Hand. Der Verteidigungsminister bleibt da leider eine ganze Reihe von Antworten schuldig. Dies zulasten der Rekruten, zulasten der Offiziere und zulasten dessen, wofür das Bundesheer gut sein sollte, nämlich: mehr Sicherheit für Österreich zu schaffen.

Standard: Sind diese Fragen nicht von der Bundesheerreformkommission, die Verteidigungsminister Günther Platter einberufen hat, konsensual beantwortet worden?

Kaltenegger: Seit vier Jahren heißt der Verteidigungsminister Norbert Darabos. Es wäre schon wert, einmal von ihm eine klare Aussage zu hören, was die Aufgabe des Bundesheeres ist und welche Ressourcen er dafür braucht. Und welche vielleicht nicht mehr, Stichwort: Panzerflotte. Diese Frage wird mit Blick auf die Budgets 2011/12 zu beantworten sein.

Standard: Heißt das: Die ÖVP wäre bereit, das nötige Geld aus dem Budget lockerzumachen, wenn die Notwendigkeit überzeugend dargestellt würde?

Kaltenegger: Die ÖVP analysiert intensiv, welche Aufgaben es gibt und welche Verantwortung wir international zu erfüllen haben. Wir bereiten ja eine Debatte über eine neue Sicherheitsdoktrin vor.

Standard: Jede Diskussion zur Sicherheitsdoktrin landet bald bei der Verkürzung: Nato ja oder nein?

Kaltenegger: Ja, die Debatte leidet unter dieser verkürzten Darstellung. Deswegen werden wir dieser Verkürzung keine zusätzliche Nahrung geben. Es geht um die Aufgaben, die zu erfüllen sind. Und dann um die Mittel dafür.

Standard: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wäre es vielleicht sinnvoll, dem Militär Mittel für Investitionen zu geben, um die Wirtschaft anzukurbeln?

Kaltenegger: Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten treffen alle, jeden einzelnen Österreicher, jede einzelne Österreicherin. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Republik wieder auf Vordermann bringen können, um in die Zukunft investieren zu können, um Arbeitsplätze zu schaffen und letztlich mehr Wohlstand zu schaffen. Das ist Aufgabe der ganzen Bundesregierung, nicht nur des Verteidigungsressorts oder eines anderen Einzelbereichs wie etwa innere Sicherheit oder Bildung.

Standard: Lassen Sie mich beim Begriff "Wohlstand" einhaken: Derzeit gibt es eine starke Zurückhaltung der Arbeitgeber bei den Lohnverhandlungen. Gleichzeitig fürchten die Menschen, dass ihnen durch Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen noch mehr weggenommen wird. Das sieht doch nicht nach Mehrung von Wohlstand aus?

Kaltenegger: Wir müssen zuallererst an jene denken, die mit ihrer Arbeit, ihrer Wirtschaftsleistung, ihrer Steuerleistung alles finanzieren, wo andere gerne verteilen. Wir müssen denen dankbar sein, die in den Topf hineinzahlen.

Standard: Den Dank an jene, die Steuern zahlen, kann man schwer entdecken: Die, die massiv mit Steuern belastet sind, schauen neidvoll auf die, die Steuern vermeiden können, indem sie ihr Vermögen anderswo geparkt haben.

Kaltenegger: Das muss aufhören. Der Respekt vor den Steuerzahlern muss Priorität haben. Wir müssen in erster Linie sparen, in zweiter Linie für Wachstum sorgen und drittens fragen, wie können wir zu mehr Einnahmen kommen. Ich habe den Eindruck, dass die SPÖ versucht, unter dem Titel"Die Reichen sollen zahlen" eine breite Besteuerung von Eigentum und eine breite Besteuerung des Mittelstands plant: Sie meint jeden in Österreich, der ein Haus, eine Wohnung, ein Sparbuch besitzt. Was wir wollen, ist ein faires und ehrliches System, in dem diejenigen, die mehr haben, einen fairen Beitrag leisten.

Standard: Tatsächlich gibt es doch Vermögen, die etwa in Stiftungen stecken und Steuerprivilegien genießen, von denen der Mittelstand nur träumen kann?

Kaltenegger: Es wird an den Stiftungen nicht scheitern. Wenn es etwa um einen höheren Eingangssteuersatz für Stiftungen geht, sind wir durchaus gesprächsbereit. Aber diejenigen, die jetzt schon das Gesamtsystem finanzieren, die arbeiten und Lohn- und Einkommenssteuer zahlen, dürfen nicht die sein, die zur Kassa gebeten werden.

Standard: Und was heißt das für die, die ihr Vermögen schon in Stiftungen geparkt haben?

Kaltenegger: Da liegt die Expertise bei der SPÖ - die hat ja ihr steirisches Parteivermögen in eine Stiftung gerettet. Aber bevor Sie mir Wahlkampf-Polemik vorwerfen, sage ich: In einem ausgewogenen, ehrlichen Gesamtsystem sind wir auch bereit, über die Besteuerung von Stiftungen zu reden. Was am Ende des Tages herauskommt, werden wir dann sehen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2010)

FRITZ KALTENEGGER (39) kommt vom Bauernbund, war Kabinettschef von Josef Pröll im Landwirtschaftsministerium und wurde 2008 ÖVP-Generalsekretär.

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blubb66
00
16.7.2010, 08:53
Können sich die ÖVP-Gschichtldrucker nicht mal entscheiden?

- Kaltenegger will "jenen, die mehr haben, einen Beitrag abverlangen"

- Pröll: "Er wolle nicht jene Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten und sich damit Schrebergärten, Eigentumswohnungen oder Betriebe geschaffen hätten, mit einer höheren Grundsteuer belasten. Denn: "es hat ja niemand was gestohlen in dieser Republik."" (diepresse.com)

Na was jetzt? Wieviele solche Aussagen gehen auf eine Kuhhaut? ...

Mercury12
00
10.7.2010, 11:46
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wäre es vielleicht sinnvoll, dem Militär Mittel für Investitionen zu geben, um die Wirtschaft anzukurbeln?

Is this Mr. Bush speaking? Unglaublich, dass so eine Frage vom Standard kommt. Super wenn zB die Produktion eines neuen STG Arbeitsplätze sichert und unsere Rekruten in den bürgenländischen Dörfern dann besser bewaffnet werden, aber ich denke der Mehrwert für die Zivilgesellschaft ist in anderen Bereichen als beim Militär doch bisschen höher....

Herr Schauer
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Die Stiftungen gehören verschont.

Sonst gehen die ins Ausland.

Nehmen muss man es denen, die eh nicht wegkönnen.

Hunderttausende haben ein Haus oder eine Wohnung. Wenn man das auch nur mit einem oder zwei Prozent des Wertes pro Jahr belastet, sind wir bald hochweiß.

Kakanien lebt!
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sie meinen wahrscheinlich auch, man soll von vornherein alle reichen von der steuer befreien, weil sonst hauen sie uns ab?

Faktum
43
retour

die mindestsicherung gehört abgeschafft, sie unterstüzt faulenzer/innen , alkoholiker/innen und sonstige arbeitsunwillige. menschen die arbeiten zahlen steuer, andere leben davon..... :-(

Kakanien lebt!
15

von stiftungen leben einige auch recht gut, ohne auch nur einen finger gerührt zu haben. aber diese arbeitsverweigerer meinen sie wohl nicht.

Faktum
21
meinen Sie die steirische SPÖ....

badblackguy.blogspot.com
 
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Warum???

Der Staat soll weniger ausgeben, einfach unsinnige
Förderungen und Leistungen streichen.

Warum Menschen belasten die schon genug gezahlt
haben, jenes fordere ich für alle Bürger!

Genowo
02
Mir scheint, der Herr Kaltenegger ist im Sternkreiszeichen ein Wurm.

Weil er sich gar so windet.

gerry68
01
das mit den stiftungen wäre doch ganz einfach...

die möglichkeit dieser stiftungsform wurde eingeführt unter dem gesichtspunkt "lieber ein bisschen steuer von viel...als viel steuer von fast nichts"...und jetzt muss man überprüfen ob das so eingetroffen ist...ob wir wirklich so viel kapital angelockt haben mit unseren steuergesetzen...aber unsere parteien geben lieber ideologische sprechblasen von sich....

Paul der Tintenfisch
14
"jenen, die mehr haben, einen Beitrag abverlangen"

mei liab :-)

Kakanien lebt!
01

sie können es noch so zynisch darstellen, das ändert aber nichts an der tatsache, dass endlich die reichen zur kasse gebeten werden müssen. bei den armen gibt es nichts zu holen und der mittelstand zahlt eh seit jahren sämtliche umverteilungen nach oben (die sich dann bankenpakete, konjunkturpakete usw. nennen).

natoll
02

wenn die övp sowas nicht ausschließt, ist höchste vorsicht geboten. ich tippe mal auf erhöhung des eingangssteuersatzes auf 3% damit das volk ruhe gibt und weiter gehts. man wählt sie ja trotzdem.

gerry68
02
ist doch eine tolle lösung....

övp und die stifter grinsen sich einen ab...und die spö versucht das dann als erfolg zu verkaufen...ironie off

natoll
01

genau. und darum wird es auch so oder ähnlich kommen.

Therimon
24
VP schließt höhere Steuern auf Stiftungen nicht aus ...

Und: "Generalsekretär Kaltenegger will "jenen, die mehr haben, einen Beitrag abverlangen"

Was sind denn das für marxistische Poitionen aus dre schwarzen Ecke..?? Autsch, dann können wir uns schon mal ausmalen, was im Budget am Jahresende kommen wird ...

Ganz ladylike möchte ich anmerken:
01
Das Budget am Jahresende...

Tja, unser Herr Finanzminister zählt ja nicht so zu den "Leistungswilligen" wie man sieht.

Kakanien lebt!
25

gehören sie zu den superreichen, die das betrifft oder sind sie eh nur ein typischer mittelständler, der sich dauernd angesprochen fühlt, wenn davon die rede ist, die reichen zur kasse zu bitten?

Black Adder
00

Haben sie eventuell noch nicht gemerkt, dass damit IMMER der Mittelstand gemeint ist und war ? Wo waren sie die letzten 50 Jahre ?

Vielleicht haben sie das wirklich noch nicht verstanden, das würde es allerdings auch nicht besser machen.

multivitamin saft
 
00

*fürcht*

die schwammigkeit lässt schlimmstes erahnen.
dafür hat er beim thema bundesheer zu 100 % recht.

Dagobert Glavoschnikow
30
Ja leider. Auch die Schwarzen machen es sich

leicht und erhöhen einfach weiter die Steuern.
Auch weil viele (vor allem linke Etatisten) das ja erstaunlicherweise auch noch beklatschen.

Dagobert Glavoschnikow
63
Vermögenssteuern treffen den Mittelstand, Häuslbauer und Familienunternehmen.

Bei den Reichen ist nichts zu holen, ertragsreiche Vermögenssteuern belasten den Mittelstand.

Genowo
05

"Bei den Reichen ist nichts zu holen"

auf welcher Droge sind Sie denn?

*kopfschüttel*

Hansi Huber
01
Vermögensteuern

betreffen alle. Jeder könnte im Lotto gewinnen und dann würde er sich furchtbar ärgern, wenn er sein Vermögen nicht mehr steuerschonend parken kann. Daher sollte jeder dafür sein, dass die Niedrigverdiener mehr zahlen und die Vermögenden damit durchgefüttert werden.

bladerunner
04
Für Sie nochmal:

Verflixt noch mal, es ist die MittelSCHICHT. Nicht der MittelSTAND. Wir reden ja auch nicht vom "Unterstand" und vom "Oberstand".

Der Mittelstand sind Betriebe mit ca. 10 bis 500 Mitarbeitern. Die Mittelschicht ist (zumindest in DE) definiert mit Einkommen zw. 860 bis 1.844 Euro Netto.

Siehe auch:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelschicht
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelstand

P.S.: ich habe langsam das Gefühl, die ÖVFSPÖ verwendet das Wort "Mittelstand" absichtlich falsch...

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