Keine Almosen für Bettler

08. Juli 2010 16:45

Plakataktion von Stadt Wien, Wirtschaftskammer und Polizei: Geschäftsleute in Einkaufsstraßen sollen Kunden auffordern, Bettlern kein Geld zu geben

Wer in den nächsten Tagen auf einer der Wiener Einkaufsstraßen flaniert, dem könnte ein violettes Plakat in Schaufenstern ins Auge stechen. Auf diesem ruft die Stadt Wien, die Polizei und die Wirtschaftskammer Wien einkaufenden Kunden dazu auf, Bettlern, die vor den Geschäftslokalen um Almosen bitten, kein Geld zu geben. Denn "gut gemeinte Spenden vor Supermärkten und in Einkaufsstraßen können ungewollt das gewerbsmäßige Betteln fördern", heißt es im Wortlaut.

"Gut sichtbar" im Geschäft anbringen

Die Plakate rufen auf, das Geld lieber "anerkannten Hilfsorganisationen" zu spenden. Und argumentieren: Das gewerbsmäßige Betteln sei in Wien verboten. Je zwei Plakate wurden in den letzten Tagen an die UnternehmerInnen der Wiener Einkaufsstraßen versendet, mit der Empfehlung sie "gut sichtbar" im Geschäftslokal anzubringen.

"Eine zynische Frechheit", ärgert sich Hans Arsenovic, Landessprecher der Grünen Wirtschaft Wien. Kein Mensch, so Arsenovic, bettle aus Vergnügen, und nur ein Bruchteil gewerbsmäßig. Er vermutet hinter der Kampagne ein "Vorwahlgeplänkel" und sieht seine Meinung bestätigt, dass "die ÖVP immer mehr nach Rechts wandert" - und mit ihr die Wirtschaftskammer.

"Immer wieder Probleme"

In der Wirtschaftskammer Wien betont man, dass es sich bei der Kampagne um ein Projekt der Stadt Wien und der Polizei handle. "Wir wurden gefragt ob wir mitmachen, und wir haben ja gesagt". Warum man sich zum Mitmachen entschlossen habe? Aus Rückmeldungen von Gewerbetreibenden wisse man, dass es in Einkaufsstraßen "immer wieder Probleme" gegeben habe. Bei inhaltlichen Fragen zum Projekt verweist man auf die Stadt Wien.

Dort kann Rudolf Gerlich, Sprecher der Magistratsdirektion, an den Plakaten nichts Polarisierendes erkennen. Der Hintergrund der Aussendung sei, dass es seit Anfang Juni in Wien das Gesetz gegen gewerbsmäßiges Betteln gebe, dass man auf diese Weise "den Kunden und den Betrieben kundmachen" wolle. Auf die Kritik der Grünen will Gerlich nicht näher eingehen, nur soviel: "Natürlich bettelt nicht jeder in Wien gewerbsmäßig, aber man darf auch nicht die Augen vor denen verschließen, die das tun".

"Heute Bettler, morgen irgendeine ethnische Gruppe"

Zahlen darüber, wieviele Unternehmer sich über Bettelei ärgern, gibt es nicht, ebensowenig wie Statistiken darüber, wie viele den Vorstoß von Kammer und Stadt Wien unterstützen. Einige Geschäftsinhaber wollen die Kampagne jedenfalls nicht unkommentiert lassen. "Heute sind es die Bettler, und morgen dann irgendeine ethnische Gruppe", ärgert sich etwa Anna Jeller, Eigentümerin einer Buchhandlung in Wien. Für sie ist es "unappetitlich", wenn eine Interessensvertretung "gegen eine Menschengruppe mobil macht". Jeller meint, der Schuss könnte auch nach hinten losgehen und den Geschäften schaden. "Ich persönlich würde in kein Geschäft mehr einkaufen gehen, dass diese Plakette im Fenster kleben hat", meint Jeller.

Der Unternehmer Walter Meissl, Inhaber eines Keramikladens, wandte sich in einem offenen Brief an die "Bettellobby Wien", die immer wieder gegen ein Bettelverbot mobilisiert. In dem Brief beschwert er sich über die Kampagne: "Ich finde es eine Ungeheuerlichkeit, mich zum Komplizen einer Hysterie zu machen, die darauf abzielt, die Schwächsten dieser Gesellschaft zu drangsalieren, um unter dem Deckmantel der Sauberkeit und Menschlichkeit eigene Ängste und Frustrationen zu kaschieren." (Anita Zielina, derStandard.at, 8.7.2010)

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Briefmarkenkleber
13.07.2010 14:52
Elendiglich

Musster mich heute in der U-Bahn wieder an-bitte-bitten lassen. Wie komm´ich dazu? Da wird Armut exportiert (und von Gebefreudigen importiert) und ich als unbeteiligter kann von den Bitte-Spuckern vielleicht noch eine TBC ausfassen...

meintäglichesmüsligibmirheute
22.07.2010 10:01
ist nur zu hoffen

dass sie einmal in ihrem leben nich selbst in die lage kommen, um etwas bitten zu müssen!
aber wie heißt es so schön: alles im leben fällt einmal auf einen zurück! ich wünsche ihnen, dass sie immer genau das bekommen, was sie VERDIENEN! nein - ich brauche es ihnen nicht zu wünschen, denn sie bekommen es! hundertpro ;)

blubb66
13.07.2010 12:29
Typisch Wirtschaftskammer

Um das Geld für die Plakate hätte man zahlreichen Bettlern ein etwas angenehmeres Dasein verschaffen können, aber für so etwas existiert dort absolut kein Bewußtsein. Ich schäme mich, bei dem Verein noch Mitglied zu sein.

Gilgamesh
27.07.2010 10:08

Ein Gutmensch, wie er im Buche steht.

Die MEISTEN ausländischen Bettler sind nicht freiwillig da, aber närrische Gutmenschen füttern verbrecherische Organisationen auch noch, weil sie ja sooooooooo gute Menschen sind...

Treten sie aus der WK aus und verschenken sie ihr Geld gleich an die rumänische Mafia, aber bitte verschonen sie uns mit ihrer lächerlichen Gutmenschenmoral...

Angelika70
13.07.2010 08:04

Wem ich etwas gebe, entscheide immer noch ich selbst. Also le**t mich!

Gilgamesh
27.07.2010 10:11

Nun lecken möchte ich sie sicher nicht.

Es sollte aber zu denken geben, wenn man gegen verbrecherische Organisationen vorgeht und das Gutmenschentum sich aufregt...

Niemand sagt etwas gegen echte Bettler und auch diesen geben ich etwas, wenn jedoch österreichische Bettler von ausländischen Banden von ihren Plätzen vertrieben, weggeprügelt werden, dann steckt dahinter eine massive kriminelle Energie, die man NICHT unterstützen sollte...

meintäglichesmüsligibmirheute
12.07.2010 21:51
diese

stadt, diese wirtschaftstreibenden und tw. diese gesellschaft zeigt immer stärker ihre fratze, vor der einem nur noch grausen kann!
1.ich lasse mir nicht vorschreiben, wen ich was geben darf!
2. sind genau diese: die wirtschaft an erster stelle, so wie die politiker auch jene, die diese systeme erst geschaffen haben!!
3. wie wärs mit einem ganz ehrlichen plakat:
SEI ASOZIAL! oder noch besser: WIR FÖRDERN ASOZIALES VERHALTEN! GUTMENSCHEN RAUS!

der winter war nicht kalt genug! diese psychopathen an oberster riege sind um einiges kälter!
pfui teufel! nur das notwendigste kaufen und "shoppen" boikottieren! geht eh allen anscheinend zu gut, die gier macht sie nur noch fetter, blöder und präpotenter!

Gilgamesh
27.07.2010 10:15

Wie immer vergleichen Gutmenschen Äpfel mit Birnen.
Es geht hier NICHT um bedürftige, es geht um Opfer von mafiösen Organisationen, die hier betteln MÜSSEN.
Aber egal für Gutmenschen, kriminelle Ausländer sind ja generell bei der Fraktion Gutmensch kein Problem, die darf man ja auch nicht abschieben, sind ja sooooooo arm, ja GEwalt ist ja eine kulturelle Bereicherung.

Das dieses Pack österreichische Bettler von deren Plätzen wegprügeln, interessiert unsere Gutmenschen nicht, sind ja nur unnötige Österreicher.

Leute wie sie widern mich an, sie kommen sich moralisch überlegen vor, sind aber dennoch nur ein amoralischer Sumpf….

Antony Kohlencherry
12.07.2010 14:43
Diese Aktion

ist im Sinne der Mehrheit der steuerzahlenden Bürger dieser Stadt.
Von der Bettelei einzelner wirklich Bedürftiger (die es in dieser Stadt mit ihren hervorragenden Sozialleistungen aber nicht wirklich gibt) zum massiven Bettlerunwesen bis hin zur Wegelagerei ist es, so hier nicht gegengesteuert wird, oft nur ein kleiner Schritt. Als Nebeneffekt werden dadurch ganze Stadtteile versifft. Und das will die große Mehrheit eben nicht. Die paar Proteststimmen aus parteitaktischen Gründen sind hier vernachlässigbar.

virginia plain
12.07.2010 21:28
proteststimme

Sie mögen sich ja für die "mehrheit" halten, aber das sehen zum glück viele leute anders.

für alle, die trotz "hervorragender Sozialleistungen" (haha) durchs netz fallen, ist das nur hohn.

oder denken Sie wirklich, jemand würde sich der demütigung des bettelns aussetzen, wenn er eine menschenwürdigere option hätte?

Maxengine
12.07.2010 12:52
Die meist rumänischen "Bettler" werden von der Mafia missbraucht...

Die werden alle 500m zb. 1030 Landstraße (sehr beliebt bei Rumänen) ausgesetzt und dann mit dem VW Bus eingesammelt, das Geld wird Ihnen zu 90% abgenommen vom "Aufseher" und aus....

Lieber Spenden anerkannten Hilfsorganisationen.

meintäglichesmüsligibmirheute
12.07.2010 21:36
spenden an anerkannte hilfsorganistionen

... da bekommens wieder nur die, die an der ganzen maschinerie beteiligt sind! von 10€ bleiben 0,05c für den, ders braucht!
ich lasse mir nicht vorschreiben, wen ich was geben darf!
die gier der wirtschaft kennt weder anstand noch mitgefühl!

AutoDitakt
 
12.07.2010 10:18
Plakat der WKO

Da spührt man richtig, wer diese Plakataktion in die Wege geleitet hat. Sicher nicht die Mittel- und Kleinbetriebe, sondern die großen Multis, die wöchentlich mit Feibra und Post um Kunden betteln...
Nimm drei zahl zwei; Nur heute; etc. etc.
Doch die individuelle Kundeninformation fällt in den Keller...
Hauptsache der Kunde nimmt drei obwohl er nur eins braucht.
Und zum eigentlichen betteln: Wenn mich wer fragt, ob ich ein paar Cent habe, damit sich jene/r etwas zu essen kaufen kann... Wenn ich etwas übrig habe, gebe ich kein paar Cent, denn damit bekommt man nichts. Ich frage was sich er, sie denn kaufen würden und wenn ich zur Antwort kriege "eine Wurtsemmel" gehe ich mit jenigem/er dort hin und kaufe ihm/ihr eine Wurstsemmel...

Zukunftsoptimist
12.07.2010 13:47
Bei der 10. Wurstsemmel

wirds fad...

komischerVogel
13.07.2010 12:53

aber um Unterhaltung gehts hier nicht...

Zukunftsoptimist
13.07.2010 16:14
wer weiß?

CM88
12.07.2010 13:36
hab ich auch mal gemacht

doch der arme wollte plötzlich lieber eine dose bier!

meintäglichesmüsligibmirheute
12.07.2010 21:57
na

schon allein durch die dose bier muss er doch dieser versoffenen gesellschaft, wie unsere eine ist, eh sympathisch sein! was haben sie für ein problem damit? damit ist er angepasst, danach schreien doch alle, oder?

virginia plain
12.07.2010 21:32
na und,

ist das so schlimm?

wenn ich nicht wüsste, wo ich die nächste nacht verbringe, wär ich auch lieber fett.

maria kidalg
 
11.07.2010 22:34
Webseite der BettelLobbyWien

Weiter Infos und Protestmail der BettelLobbyWien
http://bettellobbywien.wordpress.com/

Ernst Kratochwil
12.07.2010 11:29
Aber auch "dürfen" muß er/sie nicht.

Ganz im Gegenteil - es ist eher zu überprüfen unter welchem Aufenthaltstitel diese Leute hier sind. Auch in der EU-gibt es keine uneingeschränkte Reise- und Niederlassungsfreiheit.

RS69
12.07.2010 13:23

Rumänen? Rumänien ist EU-Mitglied.
Damit haben sie die volle Niederlassungsfreiheit in Österreich. Beschränkt ist - mit Übergangsfrist - der Zugang zum Arbeitsmarkt (Betrifft Beschäftigung als Angestellter).

Für Leute wie Sie, die zwar gerne posten, aber sich nicht auskennen: http://www.help.gv.at/Content.N... 50500.html

Ernst Kratochwil
12.07.2010 13:51
Aber nur wenn er/sie sich selbst erhalten kann, und darunter

fällt sicher nicht gewerbsmäßiges Betteln.

Ah ja, und unselbstständige Tätigkeit ist wie Sie richt bemerkten vorerst noch eingeschränkt.

Selbstständige Tätigkeit, muß beim Finanzamt und ev. bei der Kammer angemeldet werden.

RS69
12.07.2010 14:28

Sie haben's wirklich nicht verstanden - Niederlassungsfreiheit ohne Einschränkungen, dh keine Sichtvermerke, nichts.

Sie müssen ihre Tätigkeit übrigens beim Finanzamt des Unternehmenssitzes melden - das wäre für einen Rumänen das rumänische. Die Steuern und SV fallen ja auch dort an. Anders wäre es nur, wenn die Betreffenden hier Ihren Unternehmensmittelpunkt festlegen würden.

Ich melde meine Projekte in Rumänien, Tschechien etc auch nicht dem dortigen Behörden - sondern meinem Unternehmenssitz-Finanzamt hier. Und zahle meine Abgaben und Steuern hier.

Spannend zu beobachten, was Sie alles nicht wissen, und doch daher posten.

Ernst Kratochwil
12.07.2010 14:49
Wo habe ich was von Sichtvermerk geschrieben?

Wenn Sie in Österreich einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen oder einen Gewerbebetrieb betreiben, ist das natürlich für das österr, Finanzamt relevant und die öst. Kammern.

Das jemand in Rumänien, einen europaweit tätigen Betrieb hat, und hier auf der Straße bettelt, wird eher selten vorkommen.

Oder was glauben Sie?

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