Die Provokation war gelungen, die Prognose nicht – denn „Schland“ spielt nur noch um Bronze mit
Mea Culpa. Asche auf mein Haupt. Deutschland ist aus dem Titelrennen, Spanien im Finale.
Man könnte von Schicksal sprechen. Das einzige Spiel in dem ich mich dezidiert für Deutschland ausgesprochen hatte (siehe Kommentar vor dem Spiel
) ging schief, musste quasi schiefgehen. Ich könnte auch behaupten, es wäre mir nur um die Provokation gegangen. Beides wäre zu billig.
Die Wahrheit ist, dass ich ehrlich an den Finaleinzug der Deutschen geglaubt habe, denn sie waren für mich bis dahin das stärkste Team der KO-Phase. Die Wahrheit ist aber auch, dass ich in einem Liveticker den Deutschen eine 60:40 Chance und nicht eine im Verhältnis von 100:0 eingeräumt hatte. Das soll aber freilich keine Ausrede sein. Wer Ausreden sucht wird hier keine finden.
Mutlos, nervös
Spanien war gestern das bessere Team. Klar besser, sogar. Und ich weiß nicht, was Jogi Löw da in Durban geritten hat, denn im ganzen Turnier habe ich Deutschland nicht so feig spielen gesehen wie an diesem Mittwoch Abend. Keine Offensivbemühungen am Anfang wie gegen England und Argentinien, kein Versuch ein Führungstor zu erzwingen. Hinten abwarten und vielleicht kontern – es fühlte sich an als wäre Rehakles noch dabei.
Vorne fehlte Müller, hinten die Organisation und insgesamt fehlte der Mut. Höchst nervös gab sich die Abwehr das ganze Spiel hindurch, mangelnder Chancenauswertung und Manuel Neuer war es gedankt, dass das Tor der Spanier erst relativ spät fiel, und dann mehr als verdient. Zumindest kehrte etwas Gerechtigkeit in den Fußball zurück, und Deutschland verwertete keine seiner wenigen, hochkarätigen Chancen.
Etwas symptomatisch war es freilich, dass ausgerechnet Villa an diesem Abend nicht zum Helden der Furia avancierte, sondern Defensivmann Puyol (der sich, und das zeichnet einen guten Fußballer aus, nach dem Abpfiff als äußerst fairer Gewinner zeigte). Es war sein Treffer, eines der extrem seltenen Eckballtore dieser WM, der das Spiel entschied. Das letzte Aufbäumen der Deutschen danach: Vorhersehbar erfolglos.
Falsch und trotzdem richtig
Ich weiß nicht woher die Angst kam, die man zuvor nicht hatte und die auch nicht nötig gewesen wäre. Vielleicht hat das deutsche Team das EM-Finale von 2008 noch nicht ganz verdaut. Vielleicht flatterten den vielen Youngsters aber einfach die Nerven so kurz vor dem Ziel. Vielleicht gab es auch einen ganz anderen Grund.
Deutschland versenkte den eigenen Traum und meine Prognose gleich mit. Das ist OK, auch wenn mich so mancher User nun mit Häme überschüttet. Ich habe daraus eine Lehre gezogen: Man sollte nicht gegen sich selbst setzen. Vor Beginn des Weltturniers habe ich Spanien als seinen Sieger getippt. Ich werde wohl Recht behalten – dank Deutschland. (Georg Pichler, derStandard.at, 08.07.2010)