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In der letzten Plenarsitzung vor der Sommerpause hat das Europäische Parlament Entscheidungen zu drei außerordentlich wichtigen Gesetzesvorhaben für alle Bürger getroffen. Und damit - sieben Monate nach Inkrafttreten des neuen EU-Vertrages von Lissabon - ein kräftiges Lebenszeichen seiner neuen Macht gegeben.
Zuerst: Das Swift-Abkommen, das den Zugriff der US-Behörden auf europäische Bankdaten regelt, wurde heute mit 484 gegen 109 Stimmen angenommen, bei nur 12 Enthaltungen. Noch im Februar war der von Ministerrat ohne Konsultation "hingeworfene" Swift-Entwurf glatt durchgefallen. Das jetzt beschlossene Gesetz wird den Maßstäben zum Daten- und Bürgerschutz in den strengsten EU-Ländern nicht genügen. Aber die EU-Parlamentarier haben doch einiges erreicht: dass es überhaupt eine EU-Regelung gibt und die USA die Europäer nicht via Nationalstaaten austricksen; ein Klagerecht in den USA; die Beaufsichtigung der Dateneinschau durch EU-Beamte (bisher saugten die US-Behörden die Daten rein privatwirtschaftlich mit Swift-Mitarbeitern ab). Vor allem verpflichtete sich die EU-Exekutive binnen drei Jahren selber ein System der Datenkontrolle zur Terrorbekämpfung aufzubauen, damit man den direkten Zugriff der USA einmal nicht mehr braucht). Manchen ist auch das zu wenig. Aber man muss doch anerkennen, dass es vor allem das Parlament ist, das für die Bürgerrechte kämpft, nicht die EU-Kommission, nicht der Ministerrat.
Mit sehr breiter Mehrheit von 549 zu 78 Stimmen wurde dann auch die Einrichtung und die Struktur des neuen Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) angenommen, nach einem heiklen Kompromiss mit der EU-Kommission und Außenministerin Catherine Ashton. Es ist nicht gelungen, den übermächtigen Einfluss von Briten und Franzosen auf die künftige gemeinsame Außenpolitik einzudämmen (den sie schon bisher ausübten), aber ein paar wichtige Prinzipien - Priorität für Menschenrechte, Geschlechtergleichberechtigung, ein Mindestmaß an Budgetkontrolle, Absicherung des Gemeinschaftsrechts in der Entwicklungspolitik) ist gelungen. Wäre es nach den Regierungen der Mitgliedsländer gegangen, wäre es ganz anders gelaufen.
Und bereits am Dienstag hat das Parlament gegenüber den Regierungen der Nationalstaaten aufgezeigt, indem es über den Vorschlag für eine EU-Richtlinie zur strengeren Regelung der Finanzmärkte NICHT abstimmte. Das klingt kurios. Aber nur so wurde die Chance gewahrt, dass die von den Abgeordneten verlangten Abänderungen bis September doch noch kommen könnten, die die vielen nationalen Ausnahmen (insbesondere am Finanzplatz Großbritannien) verhindern sollen.
Ein glattes Nein zum EU-Richtlinienvorschlag wäre den Gegnern einer europaweiten Regelung zum Einbremsen des hemmungslosen Bankgeschäfts nur allzu recht gewesen. Dann hätte sich alles um viele Monate verzögert. Das Parlament aber will die Regierungen zwingen, schon in den nächsten Wochen beschlussfähige Kompromissvorschläge vorzulegen - was vor allem bedeutet, dass die Mehrheit der Regierungen die Nein-Sager in London und in Tschechien zu einer Haltungsänderung zwingen müssen. Ob es gelingt, wird man sehen. Aber auch hier gilt: Das Europäische Parlament erweist sich als Richtungsgeber einer stärkeren Demokratisierung, einer eher sozial- und grundwerteorientierten Ordnung.
Zieht man da einen Vergleich etwa zum Nationalrat in Wien, ist die Straßburger Volksversammlung geradezu eine erfrischende, reformerische Veranstaltung: vor allem sachorientiert, weniger parteigebunden wird gearbeitet, vielfältig, eher rational statt lagertreu. Im EU-Parlament kommt es vor, dass Konservative mit Liberalen und auch den Grünen intensiv zusammenarbeiten, um bessere Ergebnisse im Sinne des EU-Vertrages zu erreichen. Das ändert aber nichts daran, dass dieselben Fraktionen (und Länderdelegationen) bei anderen Gesetzesmaterien als verbissene Gegner auftreten.
Insofern können wir uns über den vielgescholtenen EU-Vertrag von Lissabon nur freuen. Er ist die Grundlage für diesen neuen, stärkeren Parlamentarismus. Und die Abgeordneten in Straßburg haben in den vergangenen sieben Monaten gezeigt, dass sie gewillt sind, sich zu emanzipieren, ihre neue Macht zu nützen. Das sollte so weitergehen.
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wie sehr ich mir das für Österreich wünsche! dann könnten z.b wichtige themen wie integrationspolitik endlich sachlich besprochen werden und die bevölkerung würde nicht mehr den rechten in die arme getrieben werden!
lebe zur zeit in großbritanien und finde die politik hier auch sehr erfrischend. im gegensatz zu österreich ist hier nicht jeder beschluss ein schlechter kompromiss.
daß das parlament de jure ein größerer machtfaktor ist, als man gemeinhin glaubt, da stimm ich durchaus zu (v.a. auch seit dem lissabon-vertrag). aber dann sollte es diese macht auch in der praxis einsetzen. und ich sehe echt nicht, wo beim braven abnicken des SWIFT-abkommens (mit grad mal ein paar lächerlichen abschwächungen) diese macht ausgeübt worden wäre. dieses abkommen gehört nicht mittels ein paar beistrichen minimalst abgeändert, sondern so ein abkommen darf es als solches in einem rechtsstaatlichen system einfach nicht geben. punkt. das ist so ähnlich, wie wenn man in den usa ein paar "inhumane" todesstrafenarten verbietet, aber die todesstrafe an sich nicht in frage stellt.
Dass es so ein Abkommen nicht geben dürfte, ist keine Frage. Doch trotzdem war es nicht verhinderbar. Es war mehr als klar, dass die USA es geschafft hätten, ihr Ziel auch über nationale Abkommen zu erreichen (Ö war zb schon bereit dazu!!!)
Dh. wenn man ein europäisches Abkommen wollte, musste zugestimmt werden. ABER das Wesentliche ist, dass es gelungen ist, den USA und auch den nationalen Regierungen gehörigt auf die Zehen zu treten.
Und im Vergleich zur ursprünglichen Version ist doch einiges erreicht worden, zb dass sich die USA EUBehörden unterordnen müssen, die nicht national erpressbar sind.
"Doch trotzdem war es nicht verhinderbar"
falsch. seit dem lissabon-vertrag braucht so ein abkommen die zustimmung des eu-parlaments. also wäre es - mit etwas gutem willen - sehr wohl verhinderbar gewesen. und es ist ja wohl kaum anzunehmen, daß die usa europa bombardiert hätten, wenn das eu-parlament nicht zugestimmt hätte.
Haben Sie eigentlich gelesen, was ich geschrieben habe?
Verhinderbar wäre es nur auf europäischer Ebene gewesen, aber dann hätte es 27 nationale Abkommen mit den USA gegeben. Ohne irgendeine Kontrolle und nur zu den Bedingungen der USA. Das wäre der Datenschutz-Supergau gewesen.
einen mangel an mächtigen hatten wir davor auch nicht.
das parlament vertritt genausowenig meine interessen wie die anderen mächtigen.
ändern kann ich daran gar nichts, ich kann nur wählen, wie sich unsere parteien auf unsere 17 stimmen verteilen, aber was kann einer davon jemals ausrichten gegen die mehr als 700 anderen die ich nicht wählen kann.
mit der zustimmung zum swift abkommen hat das parlament jede glaubwürdigkeit, jeden respekt und jeglichen wert verloren.
sind nur ein paar hundert weitere unnedige die wir teuer durchfüttern müssen und die uns zumutungen aufzwingen die keiner will und keiner braucht.
johui schrieb: "ich kann nur wählen, wie sich unsere parteien auf unsere 17 stimmen verteilen, aber was kann einer davon jemals ausrichten gegen die mehr als 700 anderen die ich nicht wählen kann. "
sehr bemerkenswerte Feststellung.
eigentlich eine sehr dumme Feststellung, die klar zeigt, dass das Prinzip der Demokratie nicht verstanden wurde.
Auch wenn es Sie vielleicht erschreckt, aber Sie sind nur Einer von vielen. Deshalb haben Sie auch nur eine Stimme. Auch wenn Sie in Ö wählen, können Sie nicht beeinflussen, was die anderen 5 Mio wählen.
Das Parlament ist nun ein Machtfaktor. Das sollten die Bürger auch bedenken und sich Abstimmungen wie die heutige bis 2014 merken.
Leider reagieren viele Bürger auf EU-Ebene ganz anders als auf nationaler Ebene: Wenn in Österreich Regierung und Nationalrat Fehlentscheidungen treffen, werden Neuwahlen und eine neue Regierung gefordert, treffen EU-Kommission und Parlament Fehlentscheidungen, wird die Auflösung der Union gefordert. Das ist doch absurd, wegen eines verpfuschten Gesetzes in Österreich fordert ja auch niemand die Auflösung der Republik....
Die Hoffnung stirbt zuletzt und mit dem Lissabonvertrag setzt sich nun in den Medien langsam die Einsicht durch, dass das Parlament in Straßburg und Brüssel zu einer entscheidenden Institution der EU aufsteigt. Nicht der einzigen aber eine die auf Augenhöhe mit Rat und Kommission agiert.
Das Parlament stellt sich Wahlen und es ist heutzutage ein leichtes herauszufinden wie die MEPs abstimmen. Das machen leider die wenigsten, aber umso mehr Medien verschiedene Parteipositionen auf paneuropäischer Ebene abzeichnen umso mehr können die Bürger der EU Wahl auch politisch etwas zuordnen.
Für jene die nicht so lange warten wollen: Auf votewatch.eu kann man sich alle EP Abstimmungsergebnisse anschauen.
du wollen ware - du zahlen vereinbartes preis:
die usa zahlen für jeden angeforderten datensatz - sagen wir - 5 dollar. swift muß davon, um die freigabe durch das eu-parlament zu erreichen - sagen wir - 4 dollar an eu-parlament abliefern. swift würde verdienen, eu-parlament könnte seine abgeordneten teilweise aus eigenen einnahmen entlohnen, usa würden nicht in bausch und bogen sinnlose daten für ichwillsliebernichtwissen anfordern/geliefert kriegen...
Es ist zwar Dreck was hier beschlossen wurde, aber es hätte noch mieser sein können - wirklich tolle Argumentation Und wie schön, dass jetzt Europol zu Daten kommt, die sonst legalerweise nur mühsam zu besorgen wären. Und wenn wir in einigen Jahren brav die Datenschnüffelei selbst besorgen, dann erlauben uns die Amis das.
Das EP hat da Forderungen durchgesetzt, die von keinem einzigen Mitgliedsland je ernsthaft erhoben wurden. Wem das was das EP erreicht hat nicht ansaztweise weit genug ging, der kann ja das bei der nächsten Wahl zum EP bei seiner Wahlentscheidung beruecksichtigen, denn nicht alle Fraktionen haben dem abgeänderten Abkommen zugestimmt.
Dann müsste man aber auch die nationalen Innenminister und innen anzeigen, die haben Ende 2009 noch dem ersten Abkommen zugestimmt, das Datenschutzrechtlich noch viel ärger war. Die eiserne Frau Fekter hat sich dabei der Stimme enthalten, was durch ihr damit nicht geütztes Vetorecht zum damaligen Zeitpunkt einer Zustimmung zukommt.
Übrigens: Das EU-Parlament wurde von den Bürgern gewählt, also auch von Ihnen (sollten Sie nicht gewählt haben, dann haben Sie es durch ihre damit vollzogene Duldung jedes Ergebnisses dennoch) - eine andere Sitzverteilung hätte vielleicht anders entschieden. Also: Auf votewatch.eu nachsehen, wer wie abgestimmt hat und bis 2014 dran denken!
schöngeredet bis zum umfallen ...
oder so etwas ähnlches denke ich mir beim lesen dieser zeilen
das tapfere parlament hat mit grosser mehrheit miserablen gesetzen zugestimmt, weil sonst noch schlimmeres pasiert wäre ..
daran erkennt der einfache mensch in europa seine ungeheure macht
auch daran, dass es noch viel schlimmer gekommen wäre, hätten die demokratisch gewählten regierungen und minister die entscheidung getroffen.
ein dreifach hoch unserem EU parlament
oder: sehr sehr mühsam muss sich das EU eichhörnchen ernähren ...
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